Statistik zu eingetragenen Lebenspartnerschaften
Zahl der Trennungen gestiegen

Eingetragene Lebenspartnerschaften wurden 2015 häufiger vor Gericht beendet als im Jahr zuvor. Bild: dpa

Das Statistische Bundesamt verzeichnet bei Scheidungen einen leichten Rückgang. Bei homosexuellen Paaren gibt es hingegen eine leichte Zunahme. Woran liegt's?

Wiesbaden/Berlin. Ist der Beziehungsstress für schwule und lesbische Paare größer? Fragen und Antworten zu der am Dienstag veröffentlichten Statistik.

Gibt es Zahlen zur Haltbarkeit homosexueller Partnerschaften?

Das Lebenspartnerschaftsgesetz, das schwulen und lesbischen Paaren eine eingetragene Lebenspartnerschaft ermöglicht, gibt es bereits seit 2001. Beim Statistischen Bundesamt werden diese Paare aber erst seit 2011 in der Bevölkerungsstatistik berücksichtigt - und erst seit 2014 wird die Aufhebung von Lebenspartnerschaften bei der Wiesbadener Behörde erfasst. Danach gibt es eine leichte Zunahme bei der Aufhebung solcher Partnerschaften. Endeten 2014 noch 1120 schwul-lesbische Beziehungen vor Gericht, waren es im vergangenen Jahr 1136. Zuverlässige Aussagen lassen sich angesichts der relativ geringen Zahlen nicht ableiten, warnt Reinhold Zahn vom Statistischen Bundesamt.

Wer trennt sich öfter - Männer oder Frauen?

Für Homo- wie für Hetero-Paare gilt: Frauen sind offenbar trennungsfreudiger. Schon seit Jahren geht bei heterosexuellen Paaren die Initiative zur Scheidung meist von den Frauen aus. Bei der Aufhebung der Lebenspartnerschaften waren im vergangenen Jahr in 54 Prozent der Fälle lesbische Paare betroffen.

Sind homosexuelle Paare mehr Stressfaktoren ausgesetzt?

"Fehlende Bestätigung von außen kratzt an der Stabilität von Beziehungen", meint Markus Ulrich, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands LSVD in Berlin. Paare, denen die Anerkennung des Partners oder der Partnerin im Familien- und Freundeskreis verweigert werde, stünden immer unter einem besonderen Druck. Nicht jede Beziehung könne dem standhalten. Auch Kinder als "Beziehungs-Kitt" gebe es bei vielen homosexuellen Paaren nicht. Schon die Entscheidung, die Lebenspartnerschaft offiziell besiegeln zu lassen, könne je nach Umfeld enorm stressen: "Wer eine Lebenspartnerschaft eingeht, der outet sich auch automatisch."

Es gibt sogenannte Hochburgen schwul-lesbischen Lebens, etwa Berlin oder Köln. Macht sich das auch bei den Trennungen bemerkbar?

"In Berlin wurden 173 Lebenspartnerschaften aufgehoben, also mehr als zehn Prozent", sagt Zahn. Da die Einwohnerzahl von Berlin bei weitem nicht zehn Prozent der Bevölkerung entspreche, könne in diesem Fall schon von einer Hochburg beim schwul-lesbischen Beziehungs-Aus gesprochen werden.
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