Studie weist Pestizid-Rückstände nach
Unkrautvernichter im Urin

Die Studie zu Glyphosat-Belastung hat den Unkrautvernichter auch im Urin der Deutschen nachgewiesen. Bild: dpa

Der Fund von Glyphosat in Bier hat die Debatte um das Pflanzengift zuletzt weiter befeuert. Nun weist eine Studie Rückstände auch im Urin von Deutschen nach - und die Beratungen über die weitere Zulassung des Mittels stehen bevor.

Berlin. Über das Pestizid wird seit langem gestritten. Aber wie belastet sind die Deutschen mit dem Pestizid? Und welche Menge ist gefährlich? Für eine am Freitag veröffentlichte Studie wurde der Urin von mehr als 2000 Deutschen untersucht.

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist einer der weltweit am meisten eingesetzten Unkrautvernichter. 5000 Tonnen landen jährlich auf deutschen Äckern - 15 Prozent der gesamten Pestizidmenge.

Wo wird es eingesetzt?

Laut Landwirtschaftsministerium werden Herbizide mit Glyphosat vor allem benutzt, um Unkraut vor oder nach dem Anbau von Feldfrüchten zu bekämpfen. Auch vor der Ernte von Getreide wird es eingesetzt.

Warum wird darüber gestritten?

Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Experten sind sich allerdings uneinig darüber, ob es tatsächlich Gesundheitsgefahren für den Menschen gibt. Neben einer möglichen Bedrohung für Menschen sehen Naturschützer auch Gefahren für die Umwelt - etwa weil Tiere dadurch nicht genug Nahrung finden.

Wie belastet sind die Deutschen?

Zumindest im Urin lassen sich Rückstände des Mittels nachweisen. In der neuen Erhebung ließen sich bei 99,6 Prozent der Probanden Glyphosat-Reste nachweisen. Bei 75 Prozent waren es mindestens 0,5 Mikrogramm pro Liter - fünfmal so hoch wie der Grenzwert für Trinkwasser.

Wie gefährlich ist Glyphosat?

Das ist umstritten. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO (IARC) hatte das Mittel als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Im November kam die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hingegen zum Schluss, der Wirkstoff berge vermutlich keine Krebs-Bedrohung. Ebenso das Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Es betonte, nicht einmal die Maximale-Werte der Urin-Untersuchung seien gesundheitlich bedenklich. Viele Fragen sind aber offen, etwa die nach Wechselwirkungen.

Wie kommt der Mensch mit Glyphosat in Berührung?

Durch Lebensmittel, Trinkwasser oder die Arbeit in der Landwirtschaft und im Garten. Das private Umweltinstitut München ließ kürzlich Biere der 14 beliebtesten Marken Deutschlands testen und fand in allen Spuren des Mittels. Gesundheitlich bedenklich wäre die Menge laut BfR aber erst, wenn ein Erwachsener rund 1000 Liter Bier am Tag trinken würde.

Darf Glyphosat auch in Zukunft genutzt werden?

Nationale Experten der 28 EU-Staaten beraten darüber voraussichtlich am 7. und 8. März. Die EU-Kommission plädiert für eine Verlängerung der Zulassung bis 2031.
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Gerald Schmid aus Mitterteich | 05.03.2016 | 11:55  
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