Studie zur Spendenbereitschaft
Deutsche spenden mehr denn je

Die Deutschen sind so freigiebig wie nie zuvor. Bild: dpa

Der Griff zur Geldbörse für den guten Zweck ist für viele Deutsche selbstverständlich. 2015 haben sie Kirchen und gemeinnützigen Organisationen eine Rekordsumme gespendet.

Berlin. Die Deutschen haben 2015 so viel Geld gespendet wie nie zuvor. Das zeigt die am Dienstag vorgestellte "Bilanz des Helfens" vom Deutschen Spendenrat. Für einen enormen Spendenschub sorgte unter anderem die Flüchtlingskrise. Fast die Hälfte der Deutschen engagierte sich für die Schutzsuchenden. Viele Bürger haben aber auch Angst. Die Studie zum privaten Spendenaufkommen wurde von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erstellt. Sie basiert auf einer schriftlichen Befragung von 10 000 Menschen. Die wichtigsten Fragen dazu:

Wie viel haben die Deutschen gespendet?

Die Deutschen haben im vergangenen Jahr 5,5 Milliarden Euro gespendet - ein Rekord. Im Vergleich zu 2014 stieg das private Spendenaufkommen um fast zwölf Prozent. Wer spendete, gab im Schnitt 37 Euro aus - einen Euro mehr als im Vorjahr. Auch die Spendenhäufigkeit stieg: von durchschnittlich 6,2 auf 6,6 Zahlungen pro Spender.

Wem hilft das Geld?

Der Großteil der Spenden (rund 80 Prozent) kommt der humanitären Hilfe zugute. Hier gab es auch den stärksten Zuwachs (476 Millionen Euro). Besonders viel Geld kam im Mai nach dem Erdbeben in Nepal zusammen. Laut GfK sorgte die Ankunft Tausender Flüchtlinge ab September ebenfalls für einen Spendenschub. Darüber hinaus gaben Deutsche auch für Sport (21 Millionen Euro) und Tierschutz (10 Millionen Euro) mehr Geld aus. Weniger Spenden gingen an den Umwelt- und Naturschutz (19 Millionen Euro) sowie die Kultur- und Denkmalpflege (11 Millionen Euro).

Wer sind die Spender?

22,7 Millionen Deutsche - das ist etwa jeder Dritte (34 Prozent) - haben gemeinnützigen Organisationen oder Kirchen Geld für den guten Zweck gezahlt. Die Ältesten waren die spendenfreudigsten: In der Gruppe der Menschen ab 70 Jahren griff mehr als jeder zweite zur Geldbörse und gab im Schnitt 310 Euro aus. In der Altersgruppe bis 29 Jahre gab es nur vier Prozent Spender. Sie investierten rund 80 Euro.

Wie helfen die Deutschen in der Flüchtlingskrise?

Laut einer Zusatzbefragung der GfK befürchten 54 Prozent der Deutschen, arme Menschen könnten durch die Flüchtlinge ins Hintertreffen geraten. "Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass sich fast die Hälfte der Befragten im vergangenen Jahr für Flüchtlinge engagierte und damit letztlich zu einem neuen Spendenrekord beigetragen hat", sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrats, Daniela Felser. 34 Prozent der Deutschen gaben Sachspenden. 13 Prozent spendeten Geld oder engagierten sich ehrenamtlich für Flüchtlinge. Nur 1,6 Prozent spendeten Geld und Zeit.

Welche Art von Hilfe für Flüchtlinge ist jetzt gefragt?

Angesichts voller Kleiderkammern in vielen Flüchtlingsunterkünften sind Sachspenden laut Spendenrat inzwischen nicht mehr vorrangig nötig: "Die Akuthilfe haben wir geleistet. Das Nötigste ist jetzt vorhanden. Jetzt geht es um die nächste Stufe der Hilfe, nämlich um die Integration", sagte Vorstand Hartmut Kopf. Integration sei nur mit finanzieller Unterstützung in Gang zu bringen.

Das SpendensiegelIm verschärften Wettbewerb um Spenden werden Bürger bei der Entscheidung, wem sie ihr Geld geben, zunehmend kritischer. Das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) gilt als Gütezeichen für seriöse Hilfsorganisationen. Sie verpflichten sich damit, wirtschaftlich und transparent zu arbeiten, umfassend zu informieren und wirksame Kontrollinstanzen zu schaffen. So soll gewährleistet werden, dass Spenden tatsächlich gemeinnützigen Zwecken zugutekommen. Das Siegel wird seit 1992 vergeben. Es muss jährlich neu beantragt werden. 230 Organisationen tragen es derzeit. Ihr jährliches Spendenvolumen umfasst 1,2 Milliarden Euro, rund ein Viertel aller Spenden in Deutschland. Das 1893 gegründete DZI ist ein unabhängiges wissenschaftliches Dokumentationszentrum. (dpa)
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