Suizid-Tragödie rückt Not der Ureinwohner ins Blickfeld der Öffentlichkeit
"Wir sind kanadas Hinterhof"

Attawapiskat. Sie wollten lieber sterben, als den Alltag in ihrem Reservat zu ertragen: Teenager einer Nation von Ureinwohnern in Kanadas Nordosten versuchten zu Dutzenden, sich das Leben zu nehmen. Die neue Regierung in Ottawa ist betroffen. Attawapiskat ist kein Einzelfall. Isolation, Armut, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit prägen die abgelegene Gemeinde von rund 2000 Ureinwohnern im Nordosten des Landes. "Bei uns herrschen Dritte-Welt-Zustände", sagte Häuptling Bruce Shisheesh der dpa. "Wir sind Kanadas Hinterhof, außer Sicht und vergessen." 634 "First Nations" wie Attawapiskat sind über das Land verteilt. Zusammen mit den ebenfalls indigenen Métis und Inuits stellen sie gut vier Prozent der kanadischen Bevölkerung. Die Suizidwelle von Jugendlichen in Attawapiskat hat das Land wieder einmal mit seiner Schattenseite konfrontiert. Shisheesh rief den Notstand aus, als sich elf Teenager im April das Leben zu nehmen versuchten. Psychotherapeuten wurden in das Reservat entsandt. Aber auch das half nicht. Nach Angaben des Häuptlings wagten im Mai weitere neun Jugendliche den Freitod, konnten aber gerettet werden. Inzwischen liegt die Zahl der Selbsttötungsversuche in der Gemeinde seit Oktober bei weit über 100. Laut Gesundheitsministerium ist die Freitodrate junger Menschen in Reservaten gut zehnmal so hoch wie im restlichen Kanada.

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