Tödliche Unfälle mit Lkw
Lebensgefahr am Stau-Ende

Schwerer Stau-Unfall im Juli .2016 auf der A 6 bei Mannheim. Immer wieder übersehen Lkw-Fahrer das Ende der Autoschlangen und fahren in die wartenden Fahrzeuge. Bild: dpa

Immer wieder fordern schwere Unfällen mit Lastwagen am Ende von Autobahnstaus Todesopfer. Häufige Ursachen: Übermüdung und Zeitdruck. Längst könnte die Technik Abhilfe schaffen. Doch diese verfehlt bislang ihre Wirkung.

Berlin. Es sind schreckliche Szenen, die immer wieder auf Autobahnen zu sehen sind - zuletzt vor wenigen Tagen auf der A 3 bei Nürnberg: Ein Lastwagenfahrer fährt mit seinem Fahrzeug auf ein Stau-Ende, das er wohl übersehen hatte. Nahezu ungebremst schiebt er mit seinem Fahrzeug zwei Autos auf einen Sattelschlepper. Drei Menschen sterben, vier weitere werden schwer verletzt, auch Kinder. Ein ähnlicher Unfall ereignete sich Ende Juli am Gotthard-Tunnel: Eine Familie wird in ihrem Auto eingequetscht und stirbt.

Brennpunkt Urlaubszeit


Der Halt am Ende eines Staus gehört wohl zu den gefährlichsten Situationen, nicht nur auf deutschen Autobahnen. "Dass jetzt im Sommer häufiger solche erschütternden Dinge passieren, hängt natürlich auch mit der Zahl der Staus im Urlaubsverkehr und den vielen Baustellen zusammen", sagt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. Tatsächlich ist die Zahl der Unfälle mit Lastwagen rückläufig. Zwischen 1995 und 2014 ist die Zahl der Unfälle mit Sattelzugmaschinen laut Statistischem Bundesamt von 5000 auf 7000 pro Jahr zwar gestiegen. Die Zahl der Unfälle mit Lkw über 3,5 Tonnen ist im selben Zeitraum aber von rund 18 000 auf 8000 zurückgegangen.

Fahrer ohne echte Ruhe


Ein wesentlicher Grund für Lastwagenunfälle sind die Arbeitsbedingungen im Fernverkehr. "Der Tag-Nacht-Rhytmus ist bei Fernfahrern völlig durcheinander", sagt TÜV-Verkehrspsychologe Christian Müller. Hinzu komme, dass die Fahrer selbst in den Ruhephasen auf den Rastplätzen nur selten ungestört schlafen könnten. "Das führt zur Tagesschläfrigkeit." Die Sicherheit ist für die Speditionen aber auch eine Kostenfrage. "Der Druck ist immens und wird immer wieder an die Fahrer weitergegeben", weiß Müller. Die Fahrzeiten seien deshalb oft am gesetzlichen Limit oder gingen sogar darüber hinaus.

Dabei gibt es längst Technik, die die Gefahr trotz übermüdeter Trucker minimieren könnte. Ein Notbremssystem etwa warnt den Fahrer, wenn sein Lastwagen zu dicht auf ein davor fahrendes Fahrzeug auffährt. Reagiert er nicht, bremst das System selbstständig ab. Seit 2015 ist die Vorrichtung Pflicht in allen neu zugelassenen Sattelzügen ab einem Gewicht von acht Tonnen. Nachrüsten müssen alte Lastwagen aber nicht. "Es werden noch Jahre vergehen, bis das mal flächendeckend eingebaut ist", glaubt Hölzel vom ADAC.

Wie verhält man sich im Stau?Bei Staus gibt es immer wieder Auffahrunfälle, die tödlich enden. Aus Angst davor am Stauende hektisch von der rechten Spur nach links zu wechseln, ist aber keine gute Idee. "Das kann schnell zu gefährlichen Manövern führen", warnt Diana Sprung vom ADAC. Um die Gefahr eines Auffahrunfalls zu reduzieren, sollten Autofahrer den nachfolgenden Verkehr so früh wie möglich mit der Blinkanlage warnen. Schon wenn der Verkehr stockt, muss eine Rettungsgasse gebildet werden. Wer sich einem Stauende nähert, sollte immer genug Platz zum Vordermann lassen. "Dann kann man im Notfall noch reagieren und auf den Standstreifen ausweichen, falls das nachfolgende Fahrzeug nicht bremst", sagt Sprung. Deshalb sollten Autofahrer auch im Stau das Geschehen im Rückspiegel im Blick behalten. (dpa)
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