"Tohu" leistet sich keinen Luxus
Briefe an die Redaktion

Zum Artikel "Tohuwabohu um Defizit" vom 28. Januar schreiben betroffene Eltern:

"Das ,Tohu' muss sparen." Das ist der Tenor in den Aussagen der meisten Stadträte. Doch sollte das um jeden Preis geschehen? Laut der Aussage von Jugendamtsleiterin Otto ist der Hauptkostenfaktor das Gebäude. SPD-Fraktionschef Richter rechtfertigt das mit der Äußerung "Das Tohu kommt aus einer anderen Zeit". Das mag sein. Aber war es 1996 wirklich ein so abwegiger Gedanke, dass neue Gebäude, wenn sie älter werden, renoviert werden müssen? Oder dass runde Fenster, Winkel und Ecken mehr kosten als Normmaße? Müssen unsere Kinder jetzt dafür büßen, dass man damals nicht an Folgekosten gedacht hat?

Weil das Gebäude so nun einmal da ist und sich wahrscheinlich kein anderer Träger finden wird, soll nun auf Teufel komm raus an anderen Stellen gespart werden. Das Tohu hat bereits einen erheblichen Beitrag geleistet. In der Küche wurde eine Stelle gestrichen, die Einschränkungen sind spürbar, insbesondere im Krankheitsfall. Das ist uns Eltern aber immer noch lieber als eine komplette Schließung der Küche. Denn die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zur Verpflegung in Kitas erfüllen die meisten Unternehmen nicht (z. B. täglich Gemüse, Vollkornprodukte, höchstens zweimal wöchentlich Fleisch). Gerade Krankenkassen warnen vor den zukünftigen Kosten durch eine Zunahme von Zivilisationskrankheiten, auch in Folge von falscher Ernährung. Diese schlagen sich zwar nicht im jetzigen Etat der Stadt Weiden nieder, bezahlen müssen wir sie als Gesellschaft trotzdem.

Muss in Weiden so vieles, was gut funktioniert und ein Aushängeschild für die Stadt sein könnte, kaputtgespart werden? Warum ist man nicht stolz auf das, was hier geleistet wird? Das Tohu bietet z. B. Öffnungszeiten an, die über den Standard in der Region hinausgehen - Berufstätige und Alleinerziehende sind darauf angewiesen. Es ist bezüglich der Mittagsverpflegung vorbildlich, hat eine integrative Gruppe und bietet damit die Möglichkeit der Inklusion. Dies alles trägt dazu bei, die Stadt Weiden für Eltern attraktiv zu machen.

Es kann doch nicht sein, dass man es kritisiert, wenn alles so läuft, wie es soll. Argumentiert man jetzt so: Wenn andere ungesünder essen, warum seid ihr nicht auch damit zufrieden? Das "Tohu" leistet sich keinen "Luxus", sondern bietet das, was für alle anderen Kindertageseinrichtungen ebenfalls selbstverständlich bzw. das Ziel sein sollte!

Die Reaktionen des Stadtrats auf den Protest gegen die Pläne bezüglich der Regionalbibliothek sowie der Erfolg des Elternbeirats der Gerhardingerschule bei der Verhinderung einer Schließung zeigen uns, dass gute Argumente und der deutliche Wille der Bürgerschaft durchaus geeignete Mittel sind, das Gremium zum Umdenken zu bewegen. Das motiviert uns, für Augenmaß bei den Einsparungen am Kinderhaus zu kämpfen. Uns ist bewusst, dass alle einen Beitrag leisten müssen. Wenn das Wohl unserer Kinder übermäßig beeinträchtigt wird, werden auch wir den "Riesenaufstand" machen, den Bürgermeister Höher prophezeit. Wir hoffen aber, dass das nicht nötig sein wird.

Maria Burgerfür den Elternbeirat des Kinderhauses Tohuwabohu

Beim Sparen Prioritäten setzen

Als Mutter, deren Kind das "Tohuwabohu" besucht, möchte ich Stellung nehmen. Bei den Elternbefragungen der letzten Jahre hat die Einrichtung im Schnitt immer sehr gute Bewertungen erhalten hat. Dies gilt insbesondere für den pädagogischen Bereich und die Küche. Die Tohu-Mitarbeiter sind engagiert, gehen fürsorglich und liebevoll mit unseren Kindern um, gestalten regelmäßig Aktionen, die über den "Dienst nach Vorschrift" hinausgehen. Die Küche punktet mit frisch gekochten, gezielt auf den Nährstoffbedarf von Kindern ausgerichteten und ausgewogen zusammengestellten Gerichten.

Die Mitarbeiter des Tohuwabohu müssen im Moment wegen der Diskussionen um einen Trägerwechsel mit großen Unsicherheiten in Hinblick auf ihre berufliche Zukunft leben. Es ist ihnen hoch anzurechnen, dass das Engagement für unsere Kinder trotzdem ungebrochen ist. Dafür möchten wir uns hiermit ausdrücklich bedanken. Vonseiten des Stadtrats schließt sich an Äußerungen von Wertschätzung bezüglich der im Tohu geleisteten Arbeit leider immer sofort ein großes "Aber" an.

Wir Eltern wünschen uns ausgeglichenes, motiviertes und bestens qualifiziertes Erziehungspersonal für unsere Kinder. Deshalb halten wir den momentanen Umgang der Stadt Weiden mit ihren Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen nicht für förderlich. Das Kinderhaus ständig - auch durch Äußerungen in der Presse - schlechtzureden, scheint schon Strategie zu sein. Will man die Öffentlichkeit auf diese Weise negativ beeinflussen, um damit Widerstand gegen Sparvorhaben einzudämmen?

Auch wenn Sparzwänge bestehen, muss doch hinterfragt werden, wo man dabei die Prioritäten setzt. Einen von der Stadt finanzierten monatlichen Obsttag für ihre Angestellten, einen Rathausfasching oder den jährlichen Betriebsausflug zum Beispiel könnte man - ohne missgünstig sein zu wollen - durchaus als entbehrlicher betrachten.

Tanja Sindersberger, Weiden

Von der rechten in die linke Tasche

Zu Leserbriefen, die den Verkauf von städtischem Vermögen zum Thema hatten:

In der Ausgabe vom 30. Januar schreibt Stadtrat Alois Schinabeck, dass die Stadt Weiden sich schon in der Ära Schröpf von Städtischen Vermögensteilen z. B. durch den Verkauf des Freizeitzentrums an die damaligen Stadtwerke getrennt hat. Leider berichtet Schinabeck hier nicht über den Hintergrund.

Das Freizeitzentrum Weiden machte und macht heute noch jährlich Verluste in Millionenhöhe. Im Gegensatz zu den damaligen Stadtwerken, die Gewinne in etwa gleicher Höhe machten und dafür die Hälfte an Steuern abführen mussten. OB Hans Schröpf erkannte als ehemaliger Finanzbeamter sofort, dass hier eine Steuersparmöglichkeit gegeben ist. Man übertrug die Thermenwelt auf die Stadtwerke. Der Effekt dabei war, dass nun fortan die Verluste der Thermenwelt mit den Gewinnen der Stadtwerke saldiert werden konnten. Es ergab sich quasi als Ergebnis eine schwarze Null und eine Steuerersparnis im fünfstelligen D-Mark-Bereich. Dieser Vorgang wiederholt sich bis heute jährlich.

Der in der jüngsten Vergangenheit vorgenommene Verkauf von Städtischen Vermögen z. B. Stadtwald, Gebäude, Tiefgaragen etc. hat jedoch einen völlig anderen Hintergrund. Er dient einzig und allein der Sanierung der städtischen Finanzen und bewahrt damit, kaufmännisch gesprochen, die Stadt vor der akuten Insolvenz bzw. Haushaltssperre. Und dieser Effekt ist nur einmalig. Verkauft ist verkauft und damit sind nicht nur die Vermögenswerte, sondern auch die teilweise mit ihnen verbunden Erträge für immer verloren. Außerdem ist dies teilweise auch nur eine Verschiebung auf andere Städtische Beteiligungsgesellschaften. Also quasi von der linken in die rechte Tasche. Die Bilanz der Stadt wird dadurch beschönigt, die der Tochtergesellschaften im gleichen Maße verschlechtert.

Lorenz Kiener, Weiden

___

Leserbriefe müssen nicht die Meinung der Redaktion wiedergeben. Wir behalten uns vor, Leserbriefe sinnwahrend zu kürzen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Schröpf (1449)Januar 2015 (7958)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.