Tote bei Erdbeben in Japan und Ecuador
Doppelschlag der Natur

Auch Japan wird seit Tagen von schweren Erdstößen erschüttert. Dieser Berghang liegt in Minami Aso in der Präfektur Kumamoto im Nordwesten Japans. In Japan zählt man 41 Tote und mehr als 1000 Verletzte. Viele Menschen werden noch vermisst. Bild: dpa
 
Ein Erdbeben der Stärke 7,8 hat am Sonntag die nördliche Küstenregion von Ecuador erschüttert. Mindestens 238 Menschen kamen dabei ums Leben. Das Bild entstand in der Stadt Pedernales. Bild: dpa

Häuser in Trümmern, Erdrutsche, zerstörte Straßen: Japan und Ecuador haben nach mächtigen Erdstößen viele Tote und immense Schäden zu beklagen. Tausende Helfer versuchen, verschüttete Opfer zu bergen. Auch internationale Unterstützung läuft an.

Quito/Kumamoto. Gewaltige Erdbeben haben am Wochenende Ecuador und das auf der anderen Seite des Pazifiks liegende Japan erschüttert. Mindestens 238 Menschen sind nach den letzten Informationen gestorben. Mindestens 1557 wurden verletzt.

In Japan starben bei einer Bebenserie in den vergangenen Tagen auf der südlichen Hauptinsel Kyushu mehr als 40 Menschen. In beiden Ländern wurde am Sonntag noch nach möglichen Überlebenden und weiteren Opfern unter Trümmern und Erdrutschen gesucht.

Papst Franziskus sprach den Betroffenen vor Tausenden Pilgern in Rom sein Mitgefühl aus. "Beten wir für die Bevölkerung", sagte das katholische Kirchenoberhaupt. Die Hilfsorganisation Humedica kündigte an, am Montag ein fünfköpfiges Einsatzteam nach Ecuador zu schicken. Der internationale Caritas-Verband stellte für die Soforthilfe in dem lateinamerikanischen Land 100 000 Euro zur Verfügung.

Ecuador war am Samstagabend (Ortszeit) von einem Beben der Stärke 7,8 erschüttert worden, dem kleinere Nachbeben folgten. Ecuadors Vizepräsident Jorge Glas zufolge war es das stärkste Beben in dem Land seit 1979. Die Regierung rief für mehrere Regionen den Ausnahmezustand aus. In ersten Berichten war von mehr als 100 komplett zerstörten Häusern landesweit die Rede. Rund 10 000 Soldaten und 3500 Polizisten wurden in die Erdbebengebiete gesandt.

Präsident Rafael Correa sprach in einem Telefoninterview des Staatsfernsehens von einer "schmerzhaften Bewährungsprobe". Das Wichtigste sei jetzt, menschliches Leben zu sichern. "Bis jetzt haben wir Dutzende Todesopfer gefunden. Das zerstört uns das Herz, die Seele. Aber ich bitte das Land um Ruhe und Geschlossenheit." In sozialen Netzwerken wurden Bilder völlig zerstörter Straßenzüge und schwer beschädigter Häuser verbreitet. Hunderte Familien schliefen in der besonders stark betroffenen Provinz Esmeraldas aus Angst vor Nachbeben auf den Straßen.

Kurz zuvor in Japan


Kurz vor dem Erdstoß in Südamerika hatte ein Beben der Stärke 7,3 das weit entfernte Japan erschüttert und mehr als 1700 Häuser zerstört. Auch berühmte Kulturdenkmäler auf Kyushu wurden stark beschädigt - die Atomkraftwerke der Region hingegen nach Betreiberangaben nicht. Bereits am Donnerstag hatte es auf der Insel einen schweren Erdstoß gegeben. Insgesamt starben bei der Bebenserie mehr als 40 Menschen, Tausende Menschen wurden verletzt. 25 000 Soldaten sollten bei der Suche nach Opfern, der Versorgung der rund 200 000 Menschen in Notunterkünften und den Aufräumarbeiten helfen.

Am "Ring of Fire"


Sowohl in Japan als auch in Ecuador gab es auch am Sonntag immer wieder Nachbeben geringerer Stärke. Beide Länder liegen am sogenannten "Ring of Fire" (Feuerring) rund um den Pazifik. An ihm befänden sich mehr als die Hälfte der gut 1500 aktiven Vulkane weltweit, erklärte der Geophysiker Birger Lühr vom Geo-Forschungs-Zentrum GFZ in Potsdam. "75 bis 80 Prozent der jährlich freigesetzten Erdbebenenergie erfolgt durch Beben am Pazifischen Feuerring." Eine direkte geologische Verbindung zwischen den aktuellen Beben in Japan und Ecuador gebe es nicht, sagt er. "Das sind zwei ganz verschiedene Dinge."

In Japan habe sich in der Oberplatte über einen sehr langen Zeitraum Spannung aufgebaut, die sich nun über die Bebenserie entlade. Auf Bildern aus der Region etwa von Straßen sei zu sehen, dass die Oberflächenwellen des Erdbebens stellenweise regelrecht stehengeblieben seien. Das Beben in Ecuador hingegen sei ein klassisches Subduktionsbeben - also eines, das beim Abtauchen einer tektonischen Platte unter eine andere entsteht. Mit einer Bruchlänge von etwa 100 Kilometern und Verschiebungen von zwei bis vier Metern sei es ein ganz typisches Beben für die Region.

Die schwersten BebenQuito. (dpa) Ecuador wurde am Samstag von einem schweren Erdbeben der Stärke 7,8 erschüttert, in Japan bebte die Erde mit Stärke 7,3. Die schwersten Beben der Erde seit dem Jahr 1900:

Stärke 9,5 in Chile, Mai 1960, 1655 Tote
Stärke 9,2 in Alaska (USA), März 1964, 125 Tote
Stärke 9,1 vor Sumatra (Indonesien), Dezember 2004, mit Tsunami etwa 230 000 Tote
Stärke 9,0 vor der Ostküste Japans, März 2011, mit Tsunami rund 15 800 Tote
Stärke 9,0 in Kamtschatka (Russland), November 1952, keine Toten
Stärke 8,8 in Chile, Februar 2010, 524 Tote
Stärke 8,8 in Kolumbien und Ecuador, Januar 1906, 1000 Tote
Stärke 8,7 in Alaska (USA), Februar 1965, keine Toten
Stärke 8,6 in Assam (Indien), August 1950, 1526 Tote
Stärke 8,6 auf Sumatra (Indonesien), März 2005, 1313 Tote
Stärke 8,6 auf Sumatra (Indonesien), April 2012, keine Toten
Stärke 8,6 in Alaska (USA), März 1957, keine Toten.
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