Transitland für Extremisten

Zur Rolle der Türkei im Syrien-Konflikt:

In der Ballade von Johann Wolfgang von Goethe äußert der Akteur jenen oft zitierten Satz: "Die ich rief die Geister, werd' ich nun nicht los!" Der türkische Staatenlenker Erdogan glaubte an eine schnelle Lösung des Syrien-Konfliktes, in dem er alles unternahm, um den syrischen Präsidenten Assad zu schwächen. Mehr noch, er hoffte gleichzeitig, sich als Hegemonialmacht in Nahost zu installieren und sich als übermächtig im Umgang mit dem türkischen "Kurdenproblem" zu zeigen. In Folge dieser Strategie wurde die Türkei Transitland für islamistische Extremisten aus aller Welt, die dem Islamistischen Staat (IS) im Irak und Syrien zu dem machten, was er heute ist. Naiv allerdings war der Glaube, die Verwerfungen kontrollieren zu können, die das Erstarken dieser Extremistengruppe im Nahen Osten mit sich bringt.

Nicht nur die Türkei, auch das westliche Staatenbündnis muss erkennen, dass eben jene Verwerfungen im gesamtarabischen Raum die künftige Außenpolitik bestimmen werden. Im kurdischen Kampf um die Stadt Kobane wird der westlichen Gesellschaft abermals das schändliche Resultat geostrategischen Handelns vor Augen geführt. Es gilt, besonders aus dem Blickwinkel der Türkei die Regel: "Und immer wieder die Staatsräson".

Alfred Kick, Vohenstrauß
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