Treuer Pinguin besucht jedes Jahr seinen Retter
Tausende Kilometer aus Freundschaft

Der Pinguin Dindim schwimmt jedes Jahr tausende Kilometer von Patagonien nach Proveta auf der brasilianischen Atlantikinsel Ilha Grande um Pereira de Souza zu treffen, der ihn 2011 vor dem Tod gerettet hat. Bild: dpa
 
Der Pinguin Dindim steht am 5.September im Hof des pensionierten Maurers Joao Pereira de Souza in dem Ort Proveta auf der brasilianischen Atlantikinsel Ilha Grande. Er schwimmt nach Angaben von Pereira de Souza und Bewohnern jedes Jahr tausende Kilometer von Patagonien aus hierhin, um Pereira de Souza zu treffen, der ihn 2011 vor dem Tod gerettet hat. (Foto: dpa)

Es hört sich unglaublich an: Seit fünf Jahren schwimmt ein Pinguin jedes Jahr rund 8000 Kilometer zu seinem Retter in Brasilien. Erst sah es so aus, als käme er dieses Jahr nicht. Dann stand er doch wieder vor dem Haus von João Pereira de Souza.

Provetá. Hier in Provetá ist man unter sich, alte Kutter rosten im kleinen Hafen vor sich hin, benannt nach Gott und Jesus, Hier lebt ein pensionierter Maurer, João Pereira de Souza, der Protagonist einer recht unglaublich anmutenden Geschichte ist. Im Frühjahr 2011 war er am Strand unterwegs, als er plötzlich einen Pinguin dort liegen sah, verklebt mit Öl, ein Bein gebrochen, am Rücken verletzt. Dem Tod geweiht. Er nahm ihn die 50 Meter mit zu seinem Häuschen und pflegte ihn gesund, er schmierte ihm den Rücken sogar mit seiner eigenen Rückensalbe ein.

Nach ein paar Monaten fuhr er mit einem kleinen Boot raus auf das offene Meer und setzte den Pinguin, den er Dindim getauft hatte, wieder aus. Doch noch ehe der Mann den Strand erreicht hatte, war dort: der Pinguin. "Ich werde nie vergessen, wie ich mit dem Boot zurückkam, nachdem ich ihn im Meer ausgesetzt hatte. Er war schon da und schaute mich an." Er blieb noch einige Monate, dann schwamm er zurück nach Patagonien, in seine argentinische Heimat.

Alle Jahre wieder


Aber dann folgte das Ungewöhnliche: 2012, 2013, 2014 und 2015 stand immer im Juni oder Juli Pinguin Dindim wieder am Zaun aus Bambusrohren. Er muss mehrere Wochen Tausende Kilometer hoch bis zur Ilha Grande geschwommen und vom Strand den Sandweg zum in der zweiten Reihe stehenden Häuschen gewatschelt sein. Es wird davon ausgegangen, dass seine Heimat rund 4000 Kilometer weiter südlich in Patagonien liegt und er daher bis zu 8000 Kilometer für den "Retter-Besuch" unterwegs sein kann. Er blieb in der Vergangenheit bis zu acht Monate, dann schwamm er wieder in andere Gefilde, der brasilianische Sommer ist dann doch zu warm.

Mit Ring und Sender


"Ich war mir sicher, dieses Jahr kommt Dindim nicht mehr", sagte Pereira de Souza (73). Erstmals seit 2011 musste er seinen Geburtstag am 24. Juli allein mit seiner Frau Creusa feiern. Doch am 1. August war der Pinguin wieder da. "Ich liebe ihn wie meine drei Kinder", sagt João. Er hat ihm vor Jahren einen Ring angelegt, um ihn erkennen zu können. Leider kann Dindim ja nicht sprechen - es wäre interessant zu erfahren, warum er sich dieses Jahr so verspätet hat.

Um seinen Schwimmweg nachvollziehen zu können, und wo er sich den Rest des Jahres aufhält, soll ihm ein GPS-Sender eingepflanzt werden.

Gästen beißt der Pinguin schnell in den Finger, an seinen Retter kuschelt er sich an, der spült ihn mit Wasser ab. Dann geht es los zum Strand. Dindim, der rund sieben Jahre alt sein soll und durchaus 25 Jahre alt werden kann, schaut die Wellen an, dann watschelt er los, springt hinein, schwimmt. Nach fünf Minuten "Baden" kommt er zurück an Land und rennt gleich zum väterlichen Freund. Sie spielen zusammen, der 73-Jährige schmiegt sein Gesicht an das von Dindim. Es sieht nach tiefer Freundschaft aus. "Er isst immer nur Sardinen", erzählt der Rentner. Zwei Kinder gehen vorbei, "Dindim, Dindim", rufen sie - der Pinguin ist die Attraktion des Ortes 170 Kilometer Luftlinie westlich von Rio de Janeiro. Wie sieht denn der Abschied aus, wenn er wieder entschwindet? Das sei nichts Besonderes, erzählt Pereira de Souza. "Dindim geht einfach zum Strand und schwimmt los."

HintergrundDie Geschichte des Pinguins Dindim und seines Retters João Pereira de Souza, zu dem er jedes Jahr zurückkehrt, mutet unglaublich an. Der Pinguinforscher Klemens Pütz bezeichnet die Rückkehr zwar als "ungewöhnlich", aber sie sei plausibel. "Der Ort liegt an der Route der Magellan-Pinguine, nach dem Brüten in Patagonien schwimmen sie im Winter oft tausende Kilometer hoch in den wärmeren Norden bis Brasilien", erklärt der wissenschaftliche Direktor des sogenannten Antarctic Research Trust. Die Tiere würden nach Monaten auf See auch ihre Bruthöhle wiederfinden. Daher sei die Rückkehr Dindims nach Provetá, selbst das Finden des Hauses, realistisch - zumal Pinguine gerne dorthin zurückkehren, wo sie sich wohlfühlen. Ungewöhnlich sei jedoch, dass der Pinguin so lange an Land lebe. Es komme aber immer wieder vor, dass sich Pinguine in Retter oder Pfleger verliebten, auch in Zoos. (dpa)
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