Tutanchamuns Grab
Zweifel an Existenz unentdeckter Kammern

Von einer Jahrhundert-Entdeckung war die Rede, als der Ägyptologe Nicholas Reeves in der Grabkammer von Tutanchamun an den Wänden Linienstrukturen fand, die er für gemauerte Durchgänge zu weiteren, unentdeckten Räumen hielt. Mittlerweile ist es ruhig geworden um die fantastische Theorie. Neue Radaruntersuchungen im Auftrag von "National Geographic" bestätigten die vorherigen Ergebnisse nicht. Archivbild: dpa

Mit kleinen, aber zielstrebigen Schritten schien die archäologische Welt auf eine Sensation zuzusteuern: Die Entdeckung verborgener Räume im weltberühmten Grab Tutanchamuns in Luxor. Doch die Euphorie ist gewichen. Ist alles doch nur massiver Stein?

Kairo. Die PR-Maschinerie lief auf Hochtouren in Kairo. Seit dem vergangenen Sommer - als Ägyptologe Nicholas Reeves die Welt mit seiner Theorie über verborgene Kammern im Grab von Tutanchamun in Aufregung versetzte - stieg die Spannung. Das ägyptische Antikenministerium lud zu Pressekonferenzen ein, zeigte Radarbilder und demonstrierte Zuversicht für eine Sensation.

Es waren Linienstrukturen, die Reeves neugierig gemacht hatten. In hochauflösenden Aufnahmen der nördlichen und westlichen Kalksteinwand der 1922 entdeckten Grabkammer des Kindkönigs Tutanchamun (um 1330 v. Chr.) glaubte der englische Wissenschaftler, vermauerte Durchgänge zu erkennen. Seine Theorie wird sogar noch fantastischer: Hinter der Nordwand vermutet er die Mumie der sagenumwobenen und legendär schönen Pharaonin Nofretete.

Anfangs waren sich die Gelehrten überwiegend einig: Die Strukturen in den Wänden weisen auf Durchgänge hin. Nach Radaraufnahmen war sich der Experte Hirokatsu Watanabe sicher, zwei zusätzliche Räume erkannt zu haben. Eine neue Radarmessung durch einen Ingenieur von "National Geographic" bestätigte, wie das Wissenschaftsmagazin berichtet, die bisherigen Hinweise auf unentdeckte Kammern nicht.

Das Ministerium in Kairo hält sich bedeckt. Ja, bei einer Konferenz in Kairo im Mai seien die Wissenschaftler uneins gewesen, ob Reeves Theorie zu halten sei. "Es wird einen neuen Scan geben, weil es möglicherweise Störsignale gegeben hat." Von der Euphorie einer Jahrhundert-Entdeckung ist zurzeit wenig zu spüren.
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