Übers Ziel hinausgeschossen
Briefe an die Redaktion

Zu den Berichten und Kommentaren über die Stadtratsbeschlüsse zur Regionalbibliothek:

Deutlich wird, dass hier seitens der Stadträte ein blinder Aktionismus wütet. Ich habe mir anlässlich dieser Artikel die verschieden Homepages der beiteiligten Städte in der Regi24 (Regensburg, Straubing ...) angesehen und vor allem auch deren Gebühren. Keine ist auch nur in der Nähe der Preisvorstellungen, die jetzt seitens der Stadt Weiden anstehen.

Sicher besteht aktuell ein Regelungsbedarf. Ich kann auch nicht verstehen, warum man waschkörbeweise Bücher ausleiht. Aber ein Besucherschnitt von 1000 Personen ist doch eine Hausnummer, die man nicht ignorieren kann. Hier nimmt die breite Bevölkerung ein Bildungsangebot wahr. Wenn es richtig ist, dass 50 Prozent der Besucher aus dem Landkreis sind, warum kann ich dann den Landkreis nicht mit ins Boot nehmen? Wieso hole ich mir nicht Rat von den anderen Bibliotheken, wie dort das Finanzierungsproblem gemanagt wird?

Es wird der Eindruck erweckt, dass man wieder mal nicht in der Lage ist, über den Tellerrand zu blicken und in selbstherrlicher Arroganz als gewählter Stadtrat schon weiß, was für die Bürger gut ist. Aber wie im Fußball: Nach der Wahl ist vor der Wahl.

Wolfgang ZwackWeiden

Lesen als Luxus

Seit über 25 Jahren bin ich eine treue "Stammleserin" der früheren Stadtbücherei, jetzt Regionalbibliothek. Da ich nicht aus Weiden komme, nutze ich die Besuche in der "Regi" gleichzeitig für Besorgungen bzw. Erledigungen jedweder Art in der Stadt. Man kann also sagen, ich als "Umlandbewohner" gebe jedes Mal Geld in der Stadt Weiden aus, wenn ich die Regionalbibliothek besuche.

Nun lese ich mit Erschrecken, dass die bereits vor einigen Monaten angedrohte Gebührenerhöhung und ein Entgelt pro Buchausleihe von 50 Cent wahrgemacht werden sollen. Wenn ich davon ausgehe, dass ich im Monat ca. 10 Bücher lese und den erhöhten Bibliotheksbeitrag von 20 Euro dazurechne, dann komme ich auf eine jährliche Belastung von ca. 80 Euro. Im Vergleich zu den bisherigen Kosten von 15 Euro/Jahr ist dies eine Steigerung um ca. 430 Prozent! Mein Sohn, der nächstes Jahr zehn Jahre alt wird, ist ebenfalls Kunde und wird dann auch entsprechend pro Buch zur Kasse gebeten. Lesen (und zwar nur Lesen, keine Filme, keine Konsolenspiele!) kostet unsere Familie also ab nächstem Jahr ca. 100 bis 150 Euro.

Auch die geplante Begrenzung der ausgeliehenen Medien auf fünf Stück finde ich absolut sinnfrei. Es bedeutet erneut Mehrkosten für Benzin und Parkgebühren,den Zeitaufwand nicht zu vergessen. Für mich bedeutet oben genannte Rechnung im Umkehrschluss, dass sich nur noch Leute ab mittlerem Einkommen dieses Vergnügen werden leisten können. Rentnern, Hartz-IV-Empfängern und Familien mit niedrigem Einkommen und/oder mehreren Kindern wird der Zutritt zu diesem Bildungs- und Kulturzentrum künftig systematisch verwehrt. Kinder vor dem Fernseher bzw. vor den Computer zu setzen, ist in Weiden ab Januar billiger als ein Buch vorzulesen!

Ich denke, dass die Besucherzahlen in der "Regi" ab Januar signifikant nach unten gehen werden. Und das in einer Zeit, in der unsere Region durch den demografischen Wandel auszubluten droht. Die Tatsache, dass der Leiterin der Regionalbibliothek nicht einmal ein Rederecht im Stadtrat erteilt wurde, um ihre Sicht der Dinge zu erläutern, zeigt den klaren politischen Willen zu schnellen Einspar-Entscheidungen über die Köpfe der Betroffenen hinweg.

Hauptsache ist, die Blumen und Parkanlagen in Weiden bleiben so prächtig, wie sie immer waren, denn für das "Oberzentrum" Weiden zählt schon immer: mehr Schein als Sein!

Petra KickKohlberg

Armutszeugnis

Sehr geehrter Herr Voit, für den treffenden und richtigen Kommentar möchte ich Sie beglückwünschen und mich gleichzeitig bedanken. Der Umgang des Stadtrates mit Kunst, Kultur und Bildung ist ein Armutszeugnis für diese Damen und Herren.

Bernd A. SeidlWeiden

Knusper Mäuschen

Ihr "Märchen" in der Rubrik "Angemerkt" hat mich trotz des traurig-ernsten Hintergrunds sehr amüsiert. Der Hinweis auf die im überwunden geglaubten Stil des "Weidener Landrechts" bewilligten Gelder für den Ausbau des neuen Festplatzes wären allerdings das Sahnehäubchen gewesen: "Knusper, knusper Mäuschen, WER knuspert an mein Häuschen?" oder so ähnlich!

Günther PöllathWeiden

Beschluss aus dem Armenhaus

Weiden ist nun also offiziell ein Armenhaus. Mit den Sparmaßnahmen für die Bibliothek wurde das riesige Finanzloch der Stadt offensichtlich. Eine Krise? Diese Bezeichnung wäre noch stark beschönigt, ruft man sich ins Gedächtnis, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung gerade in Zeiten der Krise die Wichtigkeit von Bildung betont hat und weiterhin Investitionen geflossen sind.

So gesehen, muss Weiden wohl vor dem totalen Bankrott stehen, wenn auch finanziell noch abwendbar, doch menschlich durch diesen verheerenden Stadtratsbeschluss besiegelt. Einstimmig, so muss man entsetzt lesen, sei die Änderung der Satzung angenommen worden, die Gebühren der beliebten Regionalbibliothek, die bundesweit wohl schon an hoher Stelle liegen, weiter zu erhöhen und damit faktisch die freie Zugänglichkeit der Bildung für die Bevölkerung der Region zu regulieren.

Obendrauf zeugen die Annahmen, eine Beschränkung auf fünf Medien pro Ausleihe und die zusätzliche Ausbeutung des Bibliotheksbesuchers durch 50 Cent Gebühr pro Medium würden sich nicht negativ auf die Einrichtung auswirken, von bemerkenswerter Kurzsichtigkeit des Stadtrats. Über kurz oder lang werden sich die Menschen Alternativen suchen. Der Student bleibt wohl lieber in seiner Uni-Bibliothek, der Schüler, der für seine Facharbeit weit mehr als fünf Bücher braucht, wird sich dort auch schnell einfinden. Für den Exzessiv-Leser wird die "Regi" zu teuer, Familienväter und Mütter werden ihre Bilderbücher wohl lieber auf einem Flohmarkt erwerben, oft auch schon für weniger als 50 Cent. Es stimmt wohl, was Martin Luther in seinen Tischreden meinte: "Armut ist in der Stadt groß, aber die Faulheit viel größer."

Die sehr geehrten Stadträte können wir nur aufrufen, diese Faulheit, keine besseren Einsparungsmöglichkeiten zu finden, abzulegen, um dem menschlichen Bankrott noch einmal zu entwischen. Ansonsten könnten wohl die Bibliotheken der Umlandgemeinden profitieren. Viele Kinderbücher gibt es in Mantel auch.

Johannes Stahl, Eileen Egeter, Sarah Geitner, Elisabeth Stenzel, Valentin Grundler, Schüler der Q12 des Augustinus-Gymnasiums

Maschinen statt Menschlichkeit

Am 1. Dezember sollen die Pforten unserer Regionalbibliothek wieder eröffnet werden. Ein Umbau sei dringend erforderlich, meinten einige Stadtväter. Wer wie ich diese wunderschöne Bibliothek regelmäßig und wirklich schon über einen sehr langen Zeitraum aufsucht, kann das sicher nicht unbedingt nachvollziehen.

Ein Automat wird gebraucht! Von wem? Ich kann nur sagen, ich finde es wunderbar, wenn ein Mensch am Schalter sitzt, mit dem man ein paar Worte wechseln kann, vielleicht noch eine Frage hat. Wie schön ist es, wenn man in der Warteschlange den einen oder anderen Bekannten trifft und sich ein kleiner Plausch ergibt. Ist es wirklich notwendig alle Menschen mit Maschinen zu ersetzen? Ist denn Menschlichkeit nicht mehr gefragt? Nur noch der Profit? Passt eine Maschine wirklich in diese schönen alten Mauern? Ist es wirklich so viel effizienter, wenn ein Automat die Bücher schluckt, die dann doch ein Mensch an den richtigen Platz stellen muss?

Sollte Weiden tatsächlich schon so hoch verschuldet sein, dass man mit dieser Maßnahme Geld hereinwirtschaften muss, ist es längst zu spät. Die Stadt hat schon seit vielen Jahren jeglichen Anschluss verpasst. Systematisch wird dem Bürger ja alles vermiest - angefangen vom Volksfestplatz bis hin zur Parkplatzsituation.

Alles nur noch auf Hektik und Stress und Zeitmanagement ausgerichtet, auf den bestmöglichen Erfolg in kürzester Zeit mit dem größten Gewinn. Dabei haben die Menschen anscheinend immer weniger Zeit, das passt irgendwie nicht so recht zusammen. Und am Ende des Lebens, wenn es im wahrsten Sinne des Wortes zu Ende geht und keine Maschine und kein Automat mehr hilft? Und kein Geld der Welt mehr zählt? Was dann? Dann ist es wirklich nur eine menschliche Hand, die Trost und Hilfe spenden kann - nicht wahr?

Sonja SparrerWeiden

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