Unruhe im ADAC
Drei-Säulen-Modell in der Kritik

Der amtierende ADAC-Präsident August Markl (links) gerät in die Kritik des früheren ADAC-Präsidenten Peter Meyer. Meyer wehrt sich gegen die Reformpläne des Automobilclubs. Bilder: dpa

Der ADAC sieht sich auf der Zielgeraden bei seinen Reformplänen. Aber jetzt kommt Widerstand vom ehemaligen Präsidenten Peter Meyer. Doch der Automobilclub will sich von seinem neuen Weg nicht abbringen lassen.

München. Eigentlich schien alles in trockene Tücher zu kommen beim ADAC: Nach zwei Jahren intensiver Arbeit wollen Präsidium und Verwaltungsrat des Automobilclubs im Mai von den Delegierten auf der Hauptversammlung die Zustimmung für die radikalste Reform in der Geschichte einholen. Doch mit dem Vorstoß des früheren Präsidenten und amtierenden Vorsitzenden des Regionalclubs Nordrhein, Peter Meyer, hat die Vergangenheit den ADAC wieder eingeholt.

Empörung in München


Dass Meyer nun das Reformwerk auf Basis eines Rechtsgutachtens infrage stellt, löste am Montag dem Vernehmen nach in der Münchener Zentrale des Automobilclubs Empörung aus. Dass die Pläne dadurch ernsthaft ins Wanken geraten, glaubt man hier zwar offiziell nicht. Ein unangenehmes Störfeuer für den amtierenden Präsidenten August Markl dürfte der Vorstoß aber allemal sein.

Seit dem Skandal um Fälschungen beim Autopreis "Gelber Engel" vor zwei Jahren treibt Markl die Aufräumarbeiten bei dem Club mit seinen mehr als 19 Millionen Mitgliedern voran. Herzstück der Neuordnung ist die neue sogenannte Drei-Säulen-Struktur, also die Aufsplittung des ADAC in den Verein, in eine Aktiengesellschaft und eine gemeinnützige Stiftung. Oberstes Ziel dabei: Der Erhalt des steuersparenden Vereinsstatus des Automobilclubs, den das Amtsgericht München seit vielen Monaten unter die Lupe nimmt.

Wann genau das Gericht darüber entscheidet, ist noch offen. Ein Nein der Richter jedenfalls hätte dramatische Folgen für die Mitgliederorganisation, zeigt man sich in München überzeugt. Denn dann drohe auch "das Aus für ehrenamtliches Engagement von vielen Zehntausend ADAC-Mitgliedern in ganz Deutschland". Die Mahnung, dem Vorstoß Meyers nicht zu folgen, dürfte auch an andere Regionalclubs gerichtet sein. Peter Meyer hatte im Zuge des Skandals 2014 seinen Hut genommen, den Vorsitz des größten ADAC-Regionalclubs Nordrhein aber behalten. Spekulationen, dass es ihm auch um persönlichen Einfluss gehen könnte, werden in seinem Umfeld zurückgewiesen.

Sorge um Einfluss-Verlust


Der Ex-Präsident selbst verteidigt sein Vorgehen: "Der Vorstand und der Vorstandsrat des ADAC Nordrhein sind zu der Entscheidung gelangt, eine Zweitmeinung zum Drei-Säulen-Modell einzuholen, weil es Zweifel gibt, ob dieses Modell mit allen Konsequenzen durchdacht ist und als bestes Konzept für eine tragfähige Zukunft des ADAC angesehen werden kann", erklärt er in einer Stellungnahme. "Mit dem 'Drei-Säulen-Modell' in der geplanten Form würde der ADAC e.V. jeglichen Einfluss auf die ADAC Stiftung und die wirtschaftlichen Aktivitäten verlieren."

Für die Münchener Zentrale dagegen führt an dem Modell weiter kein Weg vorbei. Juristisch sieht sich der ADAC auch nach dem Vorstoß Meyers gut gerüstet - schließlich hätten Präsidium und Verwaltungsrat bereits Ende 2015 ohne Gegenstimme grünes Licht für die neue Struktur gegeben und auch die Entscheidung, die Pläne den Delegierten zum clubpolitischen Votum vorzulegen, einstimmig getroffen.

Ob sich bis dahin andere Regionalclubs mit Nordrhein gegen Markl verbünden, ist nicht absehbar. Würde aus dem Gegenwind aber ein Sturm, wäre das zumindest eine Schlappe für Markl.
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