Urteil in Köln
Raserei endet im Gefängnis

Der Angeklagte (links) im Landgericht neben seinem Anwalt. Der 27-Jährige war im vergangenen Jahr mit mehr als 100 Kilometern pro Stunde über eine Straße in der Kölner Innenstadt gerast. Er verlor die Kontrolle über seinen Wagen, rammte einen Radfahrer, der später starb. Bild: dpa

Doppelt so schnell wie erlaubt preschte der 27-Jährige durch die Stadt, bis er die Kontrolle über seinen Wagen verlor. Einen Radfahrer kostete dieser Leichtsinn sein Leben. Das Gericht sprach jetzt ein deutliches Urteil. Es wollte damit ein Zeichen setzen.

Köln. Der 26-jährige Radfahrer hatte keine Chance. Mit über 109 Stundenkilometern raste der Angeklagte vergangenen Juli in einem gemieteten Sportwagen auf die Ampel zu, touchierte einen Kleinwagen, verlor die Kontrolle und prallte mit dem Radfahrer zusammen. Drei Tage später starb dieser im Krankenhaus. Am Montag verurteilte das Kölner Landgericht den 27 Jahre alten Fahrer des Unfallwagens wegen fahrlässiger Tötung und vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

Der Vorsitzende Richter Benjamin Roellenbleck begründete die Strafe mit dem "hohen Handlungsunrecht", das der Angeklagte begangen habe. "Über vier Minuten ist der Angeklagte durch eine hochfrequentierte Gegend, mit vielen Fußgängern und Radfahrern - also schwachen Verkehrsteilnehmern - mit stark überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen", sagte Roellenbleck. Über GPS-Daten hatte ein Verkehrssachverständiger nachweisen können, dass der Angeklagte mehrmals schneller als mit Tempo 100 unterwegs war. Erlaubt ist in der Innenstadt eine Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern.

Extreme Schräglage


Zeugen hatten im Prozess von quietschenden Reifen gesprochen und eine extreme Schräglage des Sportwagens in Kurven geschildert. "Sie haben sich damit bedenkenlos über die Interessen anderer Verkehrsteilnehmer hinweggesetzt", sagte Roellenbleck zum Angeklagten. Zudem bezweifelte die Strafkammer, dass der Angeklagte "echte Reue" gezeigt habe. "Es gab die Tendenz des Angeklagten, das eigene Fehlverhalten zu relativieren", heißt es in der Urteilsbegründung. Der angeklagte Autofahrer hatte am ersten Prozesstag unter anderem angegeben, zügig, aber nicht zu schnell gefahren zu sein.

Vor dem Hintergrund anderer Kölner Raser-Unfälle sagte Roellenbleck: "Wir wollten mit dem Urteil auch ein Zeichen nach draußen setzen, dass man so so einfach nicht fahren kann."

Kein Einzelfall


Erst Mitte April waren in Köln zwei junge Männer zu Bewährungsstrafen verurteilt worden, die den Tod einer 19-jährigen Radfahrerin verschuldet hatten. Auch in Hagen sorgte ein illegales Autorennen für Schlagzeilen. Dort schwebt ein sechsjähriger Junge nach wie vor in Lebensgefahr.
Wir wollten mit dem Urteil auch ein Zeichen nach draußen setzen, dass man so so einfach nicht fahren kann.Richter Benjamin Roellenbleck
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