Vater hatte seine Kinder aus dem fernster geworfen
Haft für Mordversuch

15 Jahre Gefängnis für einen 35-Jährigen: Der Syrier hatte seine drei Kinder aus dem Fenster eines Flüchtlingsheims geworfen. Bild: Henning Kaiser/dpa

Mit 15 Jahren Haft wird ein Vater bestraft, der seine drei Kinder aus dem Fenster geworfen hat. Das Leid anderer sei ihm gleichgültig, sagt der Richter. Der Fall hat auch etwas zu tun mit der Entwurzelung eines syrischen Kriegsflüchtlings.

Bonn. Das Landgericht Bonn sprach den 35-Jährigen am Donnerstag des dreifachen versuchten Mordes schuldig. Die Verteidigung hatte auf eine zeitlich begrenzte Freiheitsstrafe plädiert. Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer eine lebenslange Haftstrafe gefordert.

Vertrauen zerstört


Darauf verzichtete das Gericht nach langer Diskussion, weil es den drei Kindern heute körperlich wieder gut geht. Die psychischen Folgen müssten allerdings furchtbar sein, sagt der Vorsitzende Richter Volker Kunkel: "Der Angeklagte hat das Urvertrauen seiner Kinder, in Gegenwart der Eltern sicher und geschützt zu sein, zerstört." Die Kinder überlebten den Sturz aus dem ersten Stock einer Flüchtlingsunterkunft im nordrhein-westfälischen Lohmar. Für eine Tochter bestand Lebensgefahr, eine Notoperation rettete sie.

Warum tut ein Vater so etwas? Diese Frage bestimmte den Prozess. Die Antwort von Kunkel: "Weil er seiner Frau das Wichtigste nehmen wollte. Die völlig unschuldigen Kinder sollten für etwas büßen, was die Mutter getan hatte." Nach Darstellung des Verteidigers kam der Syrer mit dem veränderten Rollenverständnis in Deutschland nicht zurecht.

Der Mann fühlte sich in seiner Ehre verletzt, weil sich ihm seine vier Jahre jüngere Frau in Deutschland plötzlich nicht mehr unterordnete. Ständiger Streit war die Folge. Als er sie mit einem Kochtopf ins Gesicht schlägt, zeigt sie ihn an. Vorübergehend muss er die Wohnung verlassen. Mit der Tat wollte der Mann laut psychiatrischem Gutachten seine Frau bestrafen. Diese hatte damit gedroht, erneut die Polizei zu alarmieren, falls er sie wieder misshandeln sollte. Diese Demütigung habe er kein zweites Mal hinnehmen wollen.

Reue oder Einsicht hat der Angeklagte nie gezeigt, dafür, so Kunkel, eine "frappierende Gleichgültigkeit". Er sei ein Narzisst, bei dem sich alles um ihn selbst drehe.
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