Verbraucherschützer beklagen
"Pokémon Go" ein Datendieb

Pokémon Go belegt derzeit in deutschen App-Stores von Apple und Google eine Spitzenposition. Bild: dpa

Berlin. Verbraucherschützer haben den Erfindern des Handy-Spiels Pokémon Go wegen Verstoßes gegen Datenschutzrichtlinien mit einer Klage gedroht. Die derzeit bei Smartphone-Nutzern sehr beliebte Spiele-App setze voraus, dass personenbezogene Daten preisgegeben werden, die teilweise gegen das deutsche Verbraucherrechts- und Datenschutzstandards verstießen, erklärte der Bundesverband der Verbraucherzentralen am Mittwoch in Berlin.

Der Verband habe insgesamt 15 Klauseln aus den Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen abgemahnt. Gebe das Unternehmen, der kalifornische Entwickler Niantic, bis zum 9. August 2016 keine Unterlassungserklärung ab, drohe ein Klageverfahren. Nach Angaben des Verbandes ist ein anonymes Spielen bei Pokémon Go nicht möglich.

Bevor sich Nutzer mit ihrem Smartphone auf die Jagd nach kleinen, virtuellen Monstern machen können, müssten sie sich bei Niantic über ein Google-Konto oder im Pokémon Trainer Club (PTC) anmelden und neben Nutzerdaten wie der Email-Adresse auch die Standortdatenfunktion ihrer Smartphones oder Tablets freigeben. Dadurch erhalte das Unternehmen aus San Francisco (USA) sehr viele personenbezogene Daten, betonte der Verband.

Weiter kritisierte der Bundesverband der Verbraucherzentralen, dass Niantic den einmal geschlossenen Vertrag mit dem Nutzer jederzeit abändern oder Dienste ganz einstellen könne. Davon betroffen wären auch In-App-Käufe mit echtem Geld. Eine Rückerstattung sei ausgeschlossen. Weiter enthielten die Nutzungsbedingungen weitreichende Haftungs- und Gewährleistungsausschlüsse. Für die Anwendung solle kalifornisches Recht gelten. Widersprechen Verbraucher nicht rechtzeitig im Vorfeld, müssten sie bei Streitigkeiten ein Schiedsgericht in den USA anrufen.

Auch die Datenschutzerklärung verletzt nach Auffassung des Verbandes deutsches Datenschutzrecht, etwa durch schwer verständliche oder zu weitreichende Einwilligungserklärungen. So können personenbezogene Daten nach Ermessen von Niantic unter anderem an private Dritte weitergegeben werden.
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