Verfassungsklage
Forderung nach einem dritten Geschlecht

Vanja ist intersexuell. Seit 2014 kämpft die Kampagne "Dritte Option" für die Einführung eines dritten Geschlechts. Bild: dpa

"Junge oder Mädchen?", das fragen die Leute schon vor der Geburt. Aber etwa 80 000 Menschen in Deutschland sind weder männlich noch weiblich. Wie Vanja. Eine Verfassungsklage soll endlich Klarheit schaffen.

Karlsruhe. Viele Jahre ging Vanja auf die Damentoilette, inzwischen lieber zu den Männern. Nicht weil sich das in irgendeiner Weise richtiger anfühlen würde - es ist nur einfacher. "Da ist es weniger wahrscheinlich, dass Leute mich ansprechen", sagt der/die 26-Jährige aus Leipzig. Die dunklen Haare unter der Kappe trägt Vanja kurz, in letzter Zeit auch einen kleinen Bart. So geht man schlecht als Frau durch. Auch wenn die Behörden Vanja mit dem Geschlecht "weiblich" führen.

Anfangs Mädchenkleider


Vanja ist intersexuell, also zwischen den Geschlechtern geboren, nicht Mann, nicht Frau. Als Kind trug sie einen Mädchennamen und Mädchenkleider. Aber darauf hatte Vanja bald keine Lust mehr, hat schon im Kindergarten "so ein Grundgefühl, dass das für mich nicht stimmt", auch wenn erst die Pubertät ihr Anderssein offensichtlich macht. Seit November 2013 sieht das Gesetz die Möglichkeit vor, die Eintragung offen zu lassen, wenn das Geschlecht eines Neugeborenen nicht eindeutig ist.

Das soll auch den Druck von Eltern und Ärzten nehmen, im Zweifel mit einer Operation für Klarheit zu sorgen, an deren Folgen etliche Intersexuelle ein Leben lang leiden. Noch 2014 wurden 177 Kinder bis fünf Jahre operiert.

Karlsruhe ist am Zug


Mit der Unterstützergruppe "Dritte Option" will Vanja erreichen, dass in Deutschland ein "drittes Geschlecht" wie "inter" oder "divers" eingeführt wird. Der Deutsche Ethikrat hat das (in der Variante "anderes") schon 2012 empfohlen. Vor den Gerichten ist Vanja bisher gescheitert, zuletzt beim Bundesgerichtshof (BGH). Am Freitag hat die Gruppe in Karlsruhe Verfassungsklage eingereicht.

Intersexuelle und TranssexuelleGewöhnlich lässt sich das Geschlecht eines Menschen über gewisse Merkmale bestimmen. Dazu gehören Chromosomen, Hormone, Keimdrüsen und äußere Geschlechtsorgane. Intersexuelle Menschen kommen zwischen den Geschlechtern zur Welt. Bei ihnen lassen sich die Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig zuordnen. Nach Schätzungen kommt etwa eines von 4500 bis 10 000 Kindern intersexuell zur Welt. Im Gegensatz zu Intersexuellen werden transsexuelle Menschen zwar mit eindeutigen Geschlechtsmerkmalen geboren. Sie fühlen sich aber falsch in ihrem Körper und wollen lieber zum anderen Geschlecht gehören. Die genauen Ursachen dafür sind unbekannt. Bei starkem Leidensdruck können Ärzte die Geschlechtsorgane in Richtung des angestrebten Körpers verändern. (dpa)
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