Verhandlung wegen Ermordung von Hatun Sürücü
Prozess gegen Brüder-Duo vertagt

Vor elf Jahren wurde Hatun Sürücü in Berlin von ihrem kleinen Bruder erschossen. Nun müssen sich zwei ältere Brüder in der Türkei vor Gericht verantworten. Doch statt sich zu den Vorwürfen zu äußern, machten die Sürücü-Brüder andere für ihre Lage verantwortlich.

Istanbul. Die Verhandlung gegen zwei Brüder der vor elf Jahren in Berlin ermordeten Deutsch-Türkin Hatun Sürücü ist am ersten Verhandlungstag in Istanbul vertagt worden. Der Richter setzte am Dienstag den nächsten Verhandlungstag auf den 28. April fest. Den Angeklagten (35 und 36 Jahre) wird laut türkischer Justiz das vorsätzliche Töten eines nahen Verwandten vorgeworfen. Sie sollen demnach den jüngsten Bruder mit dem Mord beauftragt haben. Außerdem werden die Brüder beschuldigt, die Waffe besorgt zu haben. In bisherigen Aussagen hatten beide die Vorwürfe zurückgewiesen, wie aus Gerichtsakten hervorgeht.

Journalisten "elende Hunde"


Die Angeklagten erschienen persönlich vor dem Strafgericht im Istanbuler Stadtteil Kartal, äußerten sich am Dienstag aber inhaltlich nicht zu den Vorwürfen. Der ältere der beiden machte die Medien für seine Lage verantwortlich. Wegen der Berichterstattung sei das Verfahren wieder aufgerollt worden, sagte er in Richtung der deutschen Journalisten und bezeichnete sie als "elende Hunde".

Die 23-jährige Hatun Sürücü war am 7. Februar 2005 von ihrem damals 18-jährigen Bruder in Berlin-Tempelhof erschossen worden. Die Tat hatte erschüttert und eine Debatte über Parallelgesellschaften in Deutschland ausgelöst. Der seinerzeit in Berlin wegen Mordes verurteilte, inzwischen 29-Jährige war am Dienstag als Zeuge geladen, ebenso wie ein weiterer 43 Jahre alter Bruder.

Der jüngste Bruder sagte nun in Istanbul aus, er habe am Abend der Tat nach einem Streit die Fassung verloren und seine Schwester nicht, wie zuvor behauptet, wegen ihres westlichen Lebensstils umgebracht. Bei seiner Verhandlung in Deutschland hatte er noch gesagt, dass er diesen verachtet habe. "Das ist eine Straftat, die ich in meiner Jugend unüberlegt verübt habe", sagte er und entschuldigte sich bei seiner Familie, die seinetwegen "gelitten" habe.

Tat alleine begangen


Seine Brüder hätten ihm weder geholfen, noch ermutigt. Wie schon im Berliner Strafprozess beteuerte er, die Tat alleine begangen und die Tatwaffe selbst besorgt zu haben. Die Waffe war nie gefunden worden. Auch der 43-jährige Bruder wies in seiner Aussage den Vorwurf, die Familie habe den Mord gemeinsam geplant, zurück: "So eine Familienstruktur haben wir nicht", sagte er. Das hätten deutsche Medien falsch dargestellt.

Der jüngste Bruder war 2014 nach neuneinhalb Jahren Haft in die Türkei abgeschoben worden. Die nun angeklagten Brüder waren in Berlin freigesprochen worden, 2007 hob der Bundesgerichtshof die Freisprüche aber auf. Ein neuer Prozess kam nicht zustande, die Männer hatten sich in die Türkei abgesetzt. 2013 leitete die türkische Seite ein Strafverfahren gegen sie ein. Eine Anhörung hat es laut Prozessbeobachtern im Oktober gegeben, zu der weder Angeklagte noch Zeugen erschienen.
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