Vermisster Flug MH370
Angehörige gehen auf die Barrikaden

Die Familien der Passagiere des Malaysia-Airlines-Flugs MH370 mahnen die Verantwortlichen an ihre Versprechen. Die Suche nach der Maschine soll unterbrochen werden. Bild: dpa

Fast zwei Jahre erfolglose Suche nach MH370. Die Angehörigen der Insassen quälen dieselben Fragen wie am ersten Tag. Was ist an Bord passiert? Die Regierungen fahren die Suche runter. Die Familien sind empört.

Kuala Lumpur. Die millionenteure Suche nach dem Wrack wird unterbrochen, wenn sie in den nächsten Wochen kein Ergebnis bringt. "Trotz der größten Anstrengungen aller Beteiligten sinkt die Wahrscheinlichkeit, das Flugzeug zu finden", hielten Minister der beteiligten Länder Malaysia, China und Australien am Freitag in Kuala Lumpur fest. Sollte es neue Erkenntnisse über einen möglichen Fundort der verschwundenen Maschine geben, werde erneut nachgedacht.

Die Angehörigen der 239 Insassen waren dennoch empört. "Sie hatten uns versprochen, dass die Suche nicht endet, nicht ausgesetzt wird - und dass sie nicht aufgeben werden", sagte Cui Limang, die Mutter eines Passagiers, in Peking. "Sie stellen die Suche ein und haben keine Ahnung, wann es weitergehen soll. Was soll das?" sagte Ning Jing, dessen Frau an Bord war.

Die Minister wiederholten nur das, was sie schon vor Monaten beschlossen hatten: ohne neue Beweise, die auf einen spezifischen Fundort hinweisen, werde das Suchgebiet nicht ausgeweitet. "Sie müssen ihr Versprechen halten und suchen, bis das Flugzeug gefunden ist", sagte Grace Nathan, deren Mutter an Bord war. "Die Menschen an Bord sind noch nicht heimgekommen, wir können nicht so einfach aufgeben", schrieb Jacquita Gonzales, die Frau von Chefsteward Patrick Gomes, auf der Facebook-Seite der Angehörigen. Sie versuchen, Geld für die Fortsetzung der Suche aufzutreiben. Sie haben auch eine Petition gestartet, um Spendengelder einzutreiben.

Die Suche hat bislang 180 Millionen australische Dollar (122 Millionen Euro) gekostet. Die Hälfte davon trug Australien, weil das Land für Such- und Rettungsmissionen in dem Absturzgebiet zuständig ist. Den Rest zahlten Malaysia als Heimatland der Airline und China als Heimatland der meisten Passagiere.

Bis heute ist völlig unklar, was sich damals an Bord abgespielt hat. Die Maschine wich am 8. März 2014 eine Stunde nach dem Start in Kuala Lumpur vom Kurs nach Peking ab. Ob jemand ins Cockpit eindrang, ein Pilot die Maschine umlenkte oder es eine technische Katastrophe gab - niemand weiß es. Satelliten fingen Signale auf, die nahelegen, dass die Maschine noch sieben Stunden Richtung Süden flog. Wahrscheinlich stürzte sie, als der Treibstoff ausging, im Indischen Ozean ab. Dort suchen seit fast zwei Jahren Spezialschiffe den zerklüfteten Meeresboden 6000 Meter unter der Wasseroberfläche ab. Das Suchgebiet ist 120 000 Quadratkilometer groß, etwa so wie Österreich und die Schweiz zusammen, und nach Auskunft eines Experten ähnlich gebirgig.

Suchgebiet riesig


Die Suche sollte planmäßig im Juli abgeschlossen sein, schlechtes Wetter hat das Vorgehen in einer der unwirtlichsten Meeresregionen der Welt aber um sechs bis acht Wochen zurückgeworfen. Bislang sind nur Trümmerteile an Küsten im südlichen Afrika angespült worden. Experten haben einige mit großer Wahrscheinlichkeit als Teile von Flug MH370 identifiziert.

Sie müssen ihr Versprechen halten und suchen, bis das Flugzeug gefunden ist.Grace Nathan., Tochter einer Passagierin
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