Verunglimpfung der Jägerschaft

Unsere Reportage über eine junge Jägerin rief kritische Worte über die Jagd hervor. Diese bleiben nicht unerwidert.

Der Verfasser des am 8. Dezember abgedruckten Leserbriefes "Wo bleibt der Tierschutz?" begibt sich da rechtlich auf sehr sehr dünnes Eis: In seiner vagen Anschuldigung im zweiten Absatz, krankgeschossenes Wild nicht nachgesucht zu haben, unterstellt er den Waidkameraden im Störnsteiner Jagdbogen unwaidmännisches Verhalten, das nach BJagdG, § 22a verboten und nach BayJG Art. 56, (1) 4.a. mit Geldbußen bis 5000 Euro belegt werden kann.

Wegen fehlender jagdlicher Zuverlässigkeit wird in dem Zuge des Ordnungswidrigkeitsverfahrens gegebenfalls der Jagdschein widerrufen. Bewegt er sich da noch im Bereich von "übler Nachrede" oder ist das schon das "Bezichtigen einer Straftat"?

Der Schreiber des Briefes hat nicht einmal in Erwägung gezogen, dass die vorgefundenen Bissverletzungen an den verendeten Rehen von wildernden Hunden anderer Spaziergänger stammen könnten. Da Fuchs und Hund die gleiche Gebissformel haben, ist ein Unterschied nicht zu erkennen. Auch sind Fälle von Wilderei bekannt. Offen bleibt auch, zu welcher Jahreszeit und in welchem zeitlichen Abstand das tote Wild gefunden wurde. War es eventuell winterliches Fallwild das eingegangen ist und dann von Fuchs oder Wildschwein angeschnitten wurde?

Den Gipfel der Verunglimpfung der Jägerschaft bilden der dritte und vierte Absatz! Ich beglückwünsche den Jagdleiter, Alles richtig gemacht zu haben - sogar einen Kühlwagen hat er organisiert um das Nahrungsmittel "Wild" ohne Qualitätsverlust sachgerecht seiner schmackhaften Verwertung zuzuführen. Auf die Sichtweise kommt es halt an! Der geneigte Leser sollte sich die Frage stellen, warum werden heute noch große Gesellschaftjagden abgehalten? Manche Jagd resultiert auch aus der Tatsache, dass die herrschende Freizeitgesellschaft von ihrem Waldbetretungsrecht zu allen Unzeiten Gebrauch macht und dadurch das Wild beunruhigt, das dann heimelig wird und dadurch der staatlich verordnete Reh-Abschussplan (BayJG Art 32 (2)) nur noch schwer per Ansitzjagd zu erfüllen ist.

Waren es früher saisonbedingt die Schwammerlsucher die sommers durchs Unterholz gebrochen sind, so sind es heutzutage übers ganze Jahr ganze Heerscharen von Mountainbikern, Freizeitreitern, Motocross-Drivern, Joggern und "Steckerlgehern" die den Wald für sich und ihre Freizeit - zu allen Tageszeiten - entdeckt haben. Ich werfe hier das Wort "Geocaching" in den Ring.

Und bei der Wildschweinjagd verkommt der Waidmann zum Schädlingsbekämpfer, der sonst nächtelang auf Schweine an der Kirrung (Lockfütterung) oder am Feld lauern muss und tief in die Tasche greifen soll, wenn die Energiemais anbauenden Landwirte Wildschaden anmelden.

Bravo! Der Jagdleiter hat seinen Reh-Abschussplan erfüllt, zur Freude aller Landwirte seines Jagdbogens auch noch 28 Wildschweine zur Strecke gebracht und ganz nebenbei noch mehrere 100 Kilo Wildfleisch erzeugt. Bei einer Drückjagd wohlgemerkt und nicht bei einer panzerstrotzenden Kesselschlacht! Bei ersterer gehen die Treiber nicht schreiend durch den Wald, sondern "drücken" das Wild aus seinen Einständen heraus. Alles andere wäre auf Schalenwild - außer auf Wildschweine - verboten! Bei Drückjagd wird kein Wild gehetzt und der Schuss auf hochflüchtiges Rehwild verbietet sich ohnehin. Rehe sind Fluchttiere; da ist es nicht ungewöhnlich, dass absolut tödlich per Herzschuss getroffene Tiere noch Fluchtstrecken von 50 bis 70 Meter zurücklegen.

Zugegeben, keine Regel ohne Ausnahme! Aber bei einem verantwortungsvollen Jagdleiter bleiben die Einladungen an schusshitzige Standschützen das nächste Mal aus. Und damit derartige Blamagen meiner jungen Waidkameradin erspart bleiben, wenn sie den "richtigen" Jagdschein gelöst hat, (JJSch-Inhaber dürfen als Jäger nicht an Gesellschaftsjagden teilnehmen) soll sie in jungen Jahren schon jagdliche Eindrücke sammeln und unter den Augen eines Erfahrenen sich ihre ersten waidmännische Sporen verdienen und dadurch auch sicher mit dem Umgang von Waffen werden. Ich wünsche ihr immer ungetrübtes Waidmannsheil.

Günter Knechtel, Vohenstrauß
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