Virtuose Seifenoper-Komponisten: die handgemachten und verführerischen Natur-Kreationen der ...
Badetrüffel und Schokoladenseife mit Goldstaub

Fensterbach-Wolfring. Die Sonne sticht vom Himmel. Schützend und majestätisch thront das Schloss vor dem Försterhaus - der Hof mit dem aufgeschütteten Kies und das orange Gebäude mit den hölzernen Fensterläden liegen im Schatten. "Röska" steht auf der Klingel neben der Türe, die von einem hübschen Steinbogen umrandet ist. Die schwere Holztüre öffnet sich ... und wenige Augenblicke später sollten Augen, Nase und Hände verzaubert sein: von exklusiven Naturseifen, angereichert mit Mandel-, Avocado- und Aprikosenkernöl, mit Shea- und Kakaobutter; verzaubert sein von herrlich duftenden Badepralinen, edlen Trüffeln und cremiger Körperbutter.

Dr. Günther Röska arbeitete vor seinem Ruhestand als promovierter Physiker für Siemens in den USA. Von da brachte er seiner Frau Ursula einmal zwei Stück Hafer- und Honigseife als Mitbringsel mit nach Hause. Diese freut sich auch darüber, lässt die beiden Naturprodukte allerdings erst einmal zwei Jahre lang unbeachtet liegen. Erst dann packt die studierte Anglistin und leidenschaftliche Hobbymalerin die Naturseifen aus den USA aus und ruft ihrem Mann entgegen: "Das machen wir auch!" Es sollte der Startschuss sein für eine Passion, die sowohl die kreative Malerin als auch den nüchternen Naturwissenschaftler in den Bann zieht.

50 Sorten im Sortiment

"Am Anfang steht die Frage, für wen soll die Seife sein?", erklärt Dr. Günther Röska. Dementsprechend werde die Zusammensetzung skizziert und durch ein selbst entwickeltes Modell berechnet. "Die Einstellung des Schaums, des Dufts und die optische Gestaltung müssen zum Produkt passen und es als Ganzes abrunden." Über 50 Sorten haben die Röskas so in ihrem Sortiment - wobei dies jeweils die Grundmuster sind, verschiedene Aufbauten vergrößern das Portfolio entsprechend: Seifen für die Pflege nach der Garten- und Küchenarbeit, Peelingseifen oder Seifen, die für Neurodermitiker oder Teenager mit Akneproblemen geeignet sind.

"Eine Seife muss immer leben", sagt Dr. Günther Röska und macht damit einen wesentlichen Unterschied zu industriell hergestellten Massenprodukten deutlich. Denn im Gegensatz zu ihren Naturseifen würden herkömmliche Produkte hauptsächlich aus tierischen, billigen Fetten bestehen - einer einzigen Grundseife, die lediglich durch Duft, Farbe und Form variiert und gestrafft werde.

Aromatische Öle

Die Herstellung von Seifen ist ein komplexer Vorgang, das mussten auch die Röskas vor einigen Jahren erkennen. "Unsere erste Seife war zwar gelungen, doch es stellte sich heraus, dass dies Anfängerglück war", erinnern sich die beiden zurück. Heute wie damals hat sich am eigentlichen Prozedere nichts geändert, außer, dass man nun mit mehr Erfahrung und Know-how herangeht: In einem großen Topf wird jede Seife grundsätzlich aus verschiedenen Ölen gemixt - von Aprikosenkernöl über Traubenkernöl bis hin zu Mandelöl und Olivenöl. "Besonders wichtig ist die haargenaue Dosierung der verschiedenen Bestandteile wie Ölen, Fetten und anderen Zusatzstoffen. Wir haben dafür eigens ein Computerprogramm entwickelt", erklärt der Physiker. Daneben ist das Timing von entscheidender Bedeutung - wann zum Beispiel andere natürliche Zusätze wie Honig, Heilpflanzen und pürierte Früchte dazugegeben werden. Ähnlich wie beim Kochen sei es ein Rezept, nach dem eine Seife hergestellt werde.

Mehrwöchige Reifezeit

Die fertig gemixte, cremeartige Seife gießen die Röskas in große längliche Holzkästen, da diese in größeren Behältern besser reifen könne, als in kleinen Vorrichtungen. Während dieser vier- bis sechswöchigen Reifezeit, erfolgt zunächst eine 24-stündige chemische Reaktion: die Verseifung. Daran schließt sich eine weitere Reifezeit von bis zu sechs Wochen an. Dass in der hauseigenen Seifenmanufaktur alles mit rechten Dingen zugeht, davon überzeugt sich regelmäßig eine staatliche Kontrollbehörde, die Haltbarkeit von Ölen, Sauberkeit und Einhaltung von Kennzeichnungspflichten auf den verpackten Seifenprodukten überwacht.

Jede Seife der Röskas ist ein Unikat. Eigentlich ein schützenswertes Patent. Doch Angst, dass jemand ihre Mischungen nachmacht, haben die virtuosen Seifenoper-Komponisten nicht. Denn es gehe weniger um Rezepte, die man geheim hält - vielmehr komme es auf das Know-how an, die Herstellungsmethode sei das Entscheidende. Dr. Günther Röska: "Wenn man ein Rezept von Alfons Schuhbeck nachkocht, schmeckt es anders, als wenn der Schuhbeck selber kocht."
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