Von Jürgen Umlauft
Kommentar: Minister Söder hält Wort - weitere Taten müssen folgen

Auslaufmodell. Karikatur: Tomicek
Markus Söder hat Wort gehalten. Der Nordosten Bayerns ist der große Gewinner der Behördenverlagerungen. Über ein Drittel der zu verteilenden 2225 Stellen gehen nach Oberfranken und in die Oberpfalz; vor allem die von Strukturwandel und Abwanderung gezeichnete Region entlang der Grenze profitiert davon. Nicht alles wird gut werden mit den neuen Staatsstellen. Aber aus München kommt ein starkes Signal, dass man sich der regionalen Herausforderungen bewusst ist und diese anpacken will. Dafür ist Heimatminister Söder zu loben, der seinen Versprechen hat Taten folgen lassen.

Allerdings lohnt auch ein zweiter, kritischer Blick auf die Jubelmeldungen. Es werden zwar Stellen aus München aufs Land verlagert, nicht aber zwingend die dazugehörigen Köpfe. Söder lehnt Zwangsversetzungen ab, so dass ein Großteil der Stellen wohl mit Kräften aus den neuen Standortregionen besetzt wird. Das ist gut für Menschen, die nun ihrer Heimat treu bleiben können. Dem demografischen Wandel, der für Überalterung und sinkende Geburtenzahlen sorgt, wirkt es aber nicht entgegen. Dazu bräuchte es Zuzüge von außen auf die neuen Stellen, am besten aus den überhitzten Metropolen. Meint es Söder tatsächlich ernst mit einer Stärkung des Nordostens Bayerns, muss er entweder attraktive Angebote machen, um Staatsdiener zum Umzug ins Fichtelgebirge oder Stiftland zu motivieren, oder er kommt doch nicht um Zwangsversetzungen herum.

Wenn in München Lehrer oder Polizisten fehlen, macht der Staat auch kein langes Federlesen, sondern ordnet einfach Personal aus Franken und der Oberpfalz in die Landeshauptstadt ab. Warum sollte das - sozialverträglich abgefedert - nicht auch umgekehrt funktionieren? Mit den Standortentscheidungen allein ist Söders Job noch nicht zu Ende.

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