Von Udo Lanz
Kommentar: Wilde Spekulationen sorgen für zusätzliche Verunsicherung

Katastrophen wie der Absturz von Flug 4U 9525 verlangen nach schnellen Antworten. Für Angehörige ist das Warum entscheidend zur Verarbeitung des Unfassbaren. Und die gesamte Luftfahrt-Branche und Passagiere auf der ganzen Welt wollen sicher sein können, dass sich das gleiche Szenario nicht wiederholt. Doch sie alle dürfen darauf vertrauen, dass Ermittler akribisch und unermüdlich an der Klärung der Ursache arbeiten, so schnell wie nur möglich.

Was es auf keinen Fall braucht, sind voreilige Schlüsse und wilde Spekulationen - im Wettbewerb der Medien aber häufig an der Tagesordnung. Da werden reihenweise "Experten" ins Rampenlicht gezerrt, die zügig und auf möglichst einfache Weise einen hochkomplexen Vorgang erklären sollen. Selbst erfahrene Piloten oder Ingenieure sind dabei aber nur Beobachter, die nichts als Vermutungen äußern können.

Im Internetzeitalter hat jeder auch Zugriff auf Dienste wie "Flightradar24", die Positionsdaten von Flugzeugen darstellen. Diese bilden aber nur einen Teil der Realität ab und können nicht mit den genaueren Datensätzen der Flugsicherung mithalten. Und so ergeben Fachbegriffe, Halbwahrheiten, Nebensächlichkeiten und Theorien eine undurchsichtige Mischung, die nicht nur bei Laien für zusätzliche Verunsicherung sorgt.

Worauf es wirklich ankommt, ist die Analyse der Flugschreiber, der Radardaten und der Trümmer. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit werden Ermittlerteams von Airbus, des Lufthansa-Konzerns und der Behörden die Unglücksursache früher oder später ans Licht bringen. Bis dahin ist Geduld gefragt, auch wenn es schwer fällt.

udo.lanz@derneuetag.de
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