Von wegen graue Industriemaus

"Jurassic Park" mit Blick auf die Bartholomäus-Kathedrale: Der Zoologische und Botanische Garten Pilsen lässt sogar die Dinosaurier der Kreidezeit auferstehen. Aber auch mehr als 1300 höchst lebendige Tierarten mit 6500 Exemplaren können auf 21 naturnahen Hektar besichtigt werden. Der Tiergarten im Stadtteil Lochotín - Pod Vinicemi 9 - ist bis Oktober täglich von 8 bis 19 Uhr geöffnet. Bild: Herda
 
"Das Freizeitangebot spricht alle Generationen an - Familien mit Kindern der Zoo mit Dinopark, das Marionettenmuseum oder das Techmania Science Center", betont Zuzana Koublikova

"Pilsen ist touristisch kein unbeschriebenes Blatt", sagt Zuzana Koubíková selbstbewusst. Die Direktorin von Pilsen Tourismus setzt auf die großen Marken und auf die Neuentdeckung der Adolf-Loos-Architektur.

Wie hat sich der Tourismus in Pilsen seit der Wende entwickelt?

Koubíková: 1989 war Pilsen eine Industriestadt mit nur geringem Tourismuspotenzial. Der historische Stadtkern war verfallen, viele der Häuser in der Innenstadt zum Abriss vorgesehen. Ihre Rettung kam dann in letzter Minute. Viele Touristen haben damals nur einen kurzen Abstecher in Pilsen gemacht und zwar auf dem Weg nach Prag, um die Brauerei und das Brauereimuseum zu besichtigen. Besucher, die Pilsen das letzte Mal vor der Samtenen Revolution besucht haben, würden es heute nicht mehr erkennen. Das heutige Pilsen gehört zu den schönsten und meistbesuchten Städten in Tschechien und bietet neben Bier auch noch viele weitere Highlights.

Woher kommen die Gäste und wie lange bleiben sie?

Koubíková: Dank der geografischen Lage Pilsens im westlichen Teil Tschechiens wird die Stadt mehr von ausländischen als von tschechischen Touristen besucht. Die meisten Besucher kommen aus Deutschland, in erster Linie aus Bayern - mehr als 60 Prozent aller Touristen. Oft wird Pilsen von Slowaken, sowie auch Touristen aus Russland, China oder Südkorea besucht. In der letzten Zeit gibt es immer mehr Besucher aus Italien, Österreich, England und Belgien. Laut Statistiken bleiben die Gäste etwa zwei Nächte.

Welche Gründe geben Pilsen-Touristen für ihren Besuch an?

Koubíková: Neben der Brauerei sind es der historische Stadtkern mit der St. Bartholomäus Kathedrale, das Renaissance-Rathaus und die Große Synagoge. Das Brauereimuseum mit seinen unterirdischen Gängen erfreut sich auch großer Beliebtheit. Zu den führenden touristischen Neuheiten dieses Jahres gehören ohne Zweifel die rekonstruierten Wohnungen des weltbekannten Architekten Adolf Loos.

Wird Pilsen als Standort für Ausflüge in die Region genutzt und welche Ziele sind besonders attraktiv - Klöster, Schlösser, Natur?

Koubíková: Im Pilsener Bezirk gibt es Baudenkmäler von europäischer Bedeutung wie die Barockklöster in Plasy, Kladruby, Chotesov oder in Mariánská Týnice - gebaut von den bekannten Architekten Dientzenhofer, Auguston und Santini-Aichl. Dazu kommen zahlreiche Burgen, Schlösser und Dorfkirchen, Marterl oder Nepomuk-Statuen. Die schöne Natur sowie auch das historische Erbe können auch beim Sommerfestival "9 Wochen Barock" bewundert werden.

Wie gut ist Pilsen hinsichtlich Hotels, Gastronomie und Pensionen inzwischen aufgestellt - wie gut ist das Freizeitangebot?

Koubíková: Pilsen ist da gut aufgestellt. Die meisten Hotels wurden neu gebaut oder modernisiert. Auch gastronomisch hat Pilsen zugelegt - es gibt traditionelle Gaststätten sowie Restaurants, die internationale Küche anbieten. Und wo schmeckt das echte Pilsener Bier besser als in der Stadt, die diesem Bier seinen Namen gab? Das Freizeitangebot ist breitgefächert und spricht alle Generationen an - für Familien mit Kindern der Zoo mit Dinopark, das Marionettenmuseum oder das Techmania Science Center. Für Erwachsene die Besichtigung der Brauerei Plzenský Prazdroj und vieler weiterer Kleinbrauereien in Pilsen und Umgebung. Kulturliebhaber können sich auf das abwechslungsreiche Kulturangebot in 2015 mit zahlreichen Veranstaltungen, Festivals und Ausstellungen freuen.

Wie hat sich die Stadt aus Ihrer Sicht seit 1989 gewandelt?

Koubíková: Ich selbst war damals noch nicht in Pilsen. Die Stadt hat sich seit der Wende stark entwickelt. Der historische Stadtkern wurde saniert. Es gibt da viele schöne Orte zum Verweilen, ob in den Parks, Cafés oder in den Biergärten. Der Mühlgraben wurde zum populären und auch romantischen Erholungsort aufgehübscht.

Was erwarten Sie sich von 2015 an langfristigen Effekten, gibt es bereits jetzt einen spürbaren Ansturm auf Hotels?

Koubíková: Wir erwarten, dass mindestens 20 Prozent mehr Touristen kommen. Schon 2014 stiegen die Besucherzahlen um 10 Prozent. Wir gehen davon aus, dass diese Tendenz auch nach 2015 fortgesetzt wird.

Was können Sie tun, damit Pilsen künftig ein Player des internationalen Tourismus-Zirkus und wie Regensburg als UNECSO-Stadt Programmbestandteil großer Agenturen in China, Japan und den USA wird?

Koubíková: Pilsen ist international kein unbeschriebenes Blatt. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts machten es die Brauerei und die Skoda-Werke weit über die Grenzen hinaus bekannt. Außerdem verfügt Pilsen über eine europäische Besonderheit - die Adolf-Loos-Wohnungen, ein Erbe der jüdischen Gemeinde in Pilsen und ein völlig neuer Aspekt aus der Sicht des internationalen Tourismus.

Was schauen Sie sich selbst an?

Koubíková: Auf jeden Fall die Eröffnung am 17. Januar. Ich freue mich auf die Maori-Ausstellung von Bohumír Lindauer und über die Schau zum gebürtigen Pilsener und tschechischen Walt Disney Jirí Trnka.

Ich lasse mir auch den Neuen Zirkus nicht entgehen. Weil ich meine Freizeit gerne in der Natur verbringe, freue ich mich besonders auf das Sommerfestival "9 Wochen Barock".
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