Wahrzeichen Dom

"Das Christentum ist von seiner Wurzel her gesehen eine Stadtreligion", erklärt Bischof Rudolf Voderholzer. "Deshalb wird der Bischof auch immer einer Stadt zugeordnet: Ich bin der Bischof von Regensburg, nicht der Oberpfalz." Der christliche Glaube breitete sich von den Städten her aus. "In unserer Zeit sind es die Städte, aus denen heraus die Säkularisierung in unsere Gesellschaft hineinfließt. Deshalb sind wir froh über die volkskirchlichen Strukturen auf dem Land."

Was volkskirchliche Strukturen bedeuteten, habe er kürzlich in Gebenbach erfahren dürfen: "Da sind alle jungen Leute in der Landjugend und bei der Feuerwehr. Dort kann man Zusammenhalt und soziales Miteinander erleben." Es sei eine Herausforderung, die Schönheit des Glaubens denen bewusst zu machen, für die er selbstverständlich ist. "Aber lieber ist mir eine Basis, die man beleben kann, als wie vielerorts bei null anzufangen."



Der Dom sei zusammen mit der Steinernen Brücke das Wahrzeichen Regensburgs. "Das sagt schon einiges über den Standortfaktor Kirche für die Stadt und das Umland." Ob der Bischof auch so wichtig sei? "Das weiß ich nicht", sagt er bescheiden. Jedenfalls habe das Bistum einen wichtigen Anteil am Renommee der Stadt. "Denken Sie nur an die Domspatzen, den weltberühmten Domchor. Wir sind sehr froh, ein so hohes Ansehen zu genießen."

Erinnern möchte der Bischof auch an die reiche Kirchengeschichte Regensburgs von der Spätantike bis zur Gegenwart - mit großen Bischofsgestalten wie Emmeram, Erhard und natürlich Wolfgang, der mit Weitsicht das Bistum Prag freigegeben und eine Hochschule für viele Orden gegründet habe. "Er war Inspirationsquelle für eine spirituelle Reform." Dann natürlich Albertus Magnus, auch wenn er nur zwei Jahre in der Stadt verbracht habe.

Regensburg sei als Stadt des Immerwährenden Reichstags zwar zur Reformation übergetreten, aber die Konfessionen hätten sich die Waage gehalten. Man sei friedlich miteinander ausgekommen. "Das war bei weitem nicht überall so. In Würzburg etwa wurden die Katholiken vertrieben."

Natürlich sei das Bistum auch wichtiger Wirtschaftsfaktor. "Viele Menschen arbeiten im Auftrag der Kirche. Allein hier im Ordinariat gibt es 180 Arbeitsplätze." Die Caritas sei Deutschlands größter Arbeitgeber überhaupt. Jede Pfarrei beschäftige Angestellte, von der Kirche hingen viele Existenzen ab. "Das ist einer der Gründe, warum wir unbedingt nachhaltig und vorausschauend wirtschaften müssen. Ich sehe uns in der Verantwortung für sichere Arbeitsplätze."

Das meiste geschehe aber ehrenamtlich. "Dieses freiwillige Engagement ist ein riesiges Vermögen der Kirche. Unmöglich kann man in Geld aufwiegen, was die Katholiken bewegen, weil es ihnen am Herzen liegt." Das gelte nicht nur für den Dienst an der Kirche, sondern auch im Hinblick auf die Leistungen für die gesamte Gesellschaft.

Es sei die Qualität des Ehrenamtes, die eine ganz eigene Lebensqualität begründe. Sie festige den menschlichen Zusammenhalt und eine menschenwürdige Lebensordnung. "Nehmen Sie nur das Beispiel unserer Pfarreien. Jeder, der in einem Stadtteil oder einem Dorf Anschluss sucht, wird ihn über die Pfarreien finden."

Keine großen Reden

Ehrenamtliche Katholiken würden Flüchtlinge willkommen heißen, sich um Begleitung kümmern, menschliche Nähe, Deutschunterricht und das Hineinwachsen in unsere Welt vermitteln. "Vieles geschieht im Verborgenen, denn die meisten ehrenamtlich wirkenden Christen packen eher an, als dass sie große Reden halten", findet der Bischof.

Noch immer beeindruckt sei er von seinem Besuch im niederbayerischen Otzing: "Als ich kam, ging es im Pfarrheim hoch her", erzählt Voderholzer. "Eine große Familie feierte dort Geburtstag. Die Leute stammten aus Russland, das Wirtshaus konnten sie sich nicht leisten."

Das Geburtstagskind, eine ältere Dame, habe erst mit 60 Jahren die Erstkommunion empfangen - als Kind sei sie zwar getauft worden, aber dann sei die Kommunion nicht mehr möglich gewesen. "Die Pfarreien sind ein sehr starker Ort der sozialen Integration, die dem Abschotten entgegenwirken können."
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