Was ist eigentlich die deutsche Identität?
"Liebe deinen Nächsten" ein christliches Gebot

Verfolgt man die aktuellen Diskussionen zur Flüchtlingsproblematik, fallen immer wieder die gleichen Argumente auf, die von Gegnern der Merkelschen Flüchtlingspolitik ins Feld geführt werden. Zum einen geht es um die Verteidigung der Werte des christlichen Abendlandes, zum anderen um die deutsche Identität, deren Verwässerung von den Asyl-Gegnern befürchtet wird und zum dritten um die Angst, islamistische Gewalttäter könnten nach Deutschland einsickern und dann Straftaten begehen. Eine befriedigende Definition, was denn das zu verteidigende christliche Abendland sei, hat man von den tausenden Demonstranten, die wöchentlich in Dresden und anderswo auf die Straße gehen, noch nicht gehört. Wenn schon mit Christlichkeit argumentiert wird, dann sollte doch das zentrale christliche Gebot "liebe deinen Nächsten, wie dich selbst" Richtschnur des Handelns sein.

Das gleiche gilt für die zu verteidigende deutsche Identität. Deutschland war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein inhomogenes Konglomerat der unterschiedlichsten Herrschaften mit jeweils eigenen Währungen, Zollsystemen und nationalen Identitäten. Bis 1989 bestand Deutschland aus zwei Ländern mit komplett unterschiedlichem Selbstverständnis. Und das Deutschland der Nazizeit als leuchtendes Beispiel deutscher Identität zu bemühen, wird ja wohl keinem allen Ernstes einfallen. Also was ist nun eigentlich die deutsche Identität? Um auf das Thema islamistische Gewalttaten zu kommen: In Deutschland werden mehr als 50 (!) mal so viele fremdenfeindliche Gewalttaten von Deutschen verübt, als Gewalttaten mit islamistischen Hintergrund. Von wo also geht hier eine ernstzunehmende Gefahr aus?

All die lautstarken Krakeeler sollten sich einmal fragen, was denn sie unternehmen würden, wenn sie und ihre Familien in dieselbe Situation kämen, wie die Menschen in Syrien oder Afghanistan, ob sie nicht die ersten wären, die in einem Boot nach irgendwohin sitzen würden, wo sie und ihre Lieben in Sicherheit sind.

Dr. Thomas Bäumler,92660 Neustadt

Kommt ein "Flüchtlings-Soli"?

"Wir schaffen das":

Was wollte uns die Kanzlerin mit dieser Aussage mitteilen? Sie verletzt deutsche Gesetze und EU-Recht. Der Schengen-Raum ist abgeschafft, das Dublin-Abkommen außer Kraft gesetzt. Die Bundeskanzlerin stößt mit ihren Entscheidungen benachbarte Regierungschefs vor den Kopf und will Europa eine "moralische" Haltung vorschreiben.

Derweil schleust Österreich die Flüchtlinge einfach nach Bayern, die Politik schaut hilflos zu. Die Politik und der Staat haben keinerlei Kontrolle über die ungeordneten Flüchtlingsströme. Merkel hat eine unbegrenzte Asyl-Aufnahme ausgesprochen, die Menschen in Not nehmen sie nun beim Wort. Gestern waren die Flüchtlinge im Fernsehen, heute sind sie vor Ort. Was hören wir, Politikerfloskeln - wir schaffen das. Die Frage stellt sich, wer sind wir? CSU gegen CDU, SPD gegen CDU, die Grünen gegen alle anderen. Gemeinsames verantwortliches Handeln sieht anders aus. Hallo hier geht's um Menschen! Ohne die vielen freiwilligen und ehrenamtlichen Helfer wäre das System längst kollabiert.

Statt europäische Solidarität einzufordern und den europäischen Verteilungsschlüssel zu schaffen, macht Europa dicht. Jetzt wird klar, Europa ist, wenn Deutschland zahlt. Merkel allein zu Haus! Auch die Glaubensbrüder in Saudi Arabien, den Emiraten oder dem Oman verwehren sich der Hilfe. Stattdessen werden 1000 Flüchtlinge in 100-Seelen-Dörfer verfrachtet, und ein weiterer täglicher Zuzug mit fast 8000 Menschen pro Tag findet statt. Dass mit polizeilichen Notstandsgesetzen Privateigentum zur Zwangsvermietung enteignet wird, und der Kündigungsgrund Flüchtling beim kommunalen Wohnraum greift, dies schafft keinen gesellschaftlichen Konsens.

Wir haben es mit einem Ereignis zu tun, dessen Ausmaß und Tragweite wir heute noch nicht erfassen können. Ein millionenfacher Familiennachzug und dessen Integration, die Schaffung von Wohnraum, wird eine Mammutaufgabe. Dass nur 10 Prozent im Arbeitsmarkt integriert werden können, heißt, dass 90 Prozent ins Sozialsystem fallen. Die gesellschaftlichen Folgen und finanziellen Kosten für Sprachkurse, Schule, Arbeitsmarkt, Wohnungsbeschaffung und die Systeme der sozialen Sicherung werden exorbitant sein. Was bleibt, ist unsere moralisch menschliche Verpflichtung, den Bürgerkriegsflüchtlingen zu helfen. Mittelfristig heißt die Lösung: Die Kommunen werden Leistungen streichen müssen und Abgaben und Gebühren anheben. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer oder ein Flüchtlings-Soli werden kommen. Ja, dann schaffen wir das - wir da unten!

Günter Dobmeier92253 Schnaittenbach

Vertriebene: Ärmel hochgekrempelt

Zum Bericht "Wie Bayern die Krise meisterte":

Die Lastenausgleichsabgabe betrug 50 Prozent des Vermögens, gestreckt auf 30 Jahre, das waren 1,67 Prozent pro Jahr. Die Abgaben, die wir heute z. B. Subventionen oder ähnliches pro Jahr zahlen, dürften das weit übersteigen. Nutznießer des Lastenausgleichs waren aber nicht nur die Heimatvertriebenen, sondern auch Spätheimkehrer, Flüchtlinge aus der Ostzone oder durch die Währungsreform 1948 Geschädigte. Der größte Teil derer, die entschädigt wurden, waren aber tatsächlich Flüchtlinge und Vertriebene.

Sich durch den Lastenausgleich eine neue Existenz aufzubauen, war kaum möglich. Ein Vermögensschaden von errechneten 29 000 DM Einheitswert wurde z.B. mit 10 400 DM abgefunden, davon wurde 4 Raten je 200 DM bezahlt und eine Rente von monatlich 34,66 DM. Nichts desto trotz war der Lastenausgleich, der z. B. auch in zinsverbilligte Darlehen beim Hausbau bestand, eine finanzielle Unterstützung. Die meisten Vertriebenen schämten sich für die Zwangseinweisungen, denn sie spürten die Ablehnung. Die zugewiesenen "Zimmer" konnten für eine Familie mit 4 Kindern in einem Bauernhaus auch auf dem Dachboden unter blanken Ziegeln sein. Das heißt, im Sommer heiß und stickig, im Winter lag dann schon mal der Schnee auf der Bettdecke. Oder eine 16-Quadratmeter-Kammer für 3 Erwachsene und 2 Kinder, darin 1 Herd, 1 Tisch, 2 Stühle, ein Küchenschrank und 1 Bett.

Die Integration ist nur gelungen, weil Flüchtlinge und Heimatvertriebene alles taten, um niemand zur Last fallen zu müssen. Sie haben die Ärmel hochgekrempelt und gearbeitet und so einen wesentlichen Anteil zum Aufschwung beigetragen. Sie haben maßgeblich zum Wandel des bayerischen Agrarlandes in einen Wirtschaftsstandort beigetragen.

Über ihre Erlebnisse konnten die meisten Vertriebenen kaum erzählen, zumal sie ja auch immer wieder gehört haben, dass sie die Ewiggestrigen sind. Die Vertreibung hat viele nachhaltig geprägt, teilweise wurden diese traumatischen Erlebnisse unbewusst in die nächste Generation weitergegeben. Trotz aller verständlicher Schwierigkeiten und Vorbehalte haben Einheimische und Vertriebene gemeinsam in wenigen Jahren ein am Boden liegendes Land wieder aufgebaut. Dies ist eine Leistung, auf die wir mit Recht stolz sein dürfen.

Bruno Klemsche, 71277 Rutesheim
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