Wasser-Belastung nicht nur ein "Thema des Tages"

Zum Bericht "Nitrat im Wasser bereitet Sorge":

Chapeau! Jetzt hat ein abgelegener, landschaftlich sehr schöner Landstrich mit im Vergleich recht gut von Gott bedachten reellen Bewohnern es fast geschafft, sich chinesischen Lebensumständen anzunähern. Langsam wird die Wortwahl zu diesem, uns alle betreffenden und meistens gut ausgeblendetem Grundwasserproblem vorsichtig harscher. Auf einen Hinweis der Folgen für Mensch und Tier der ebenso steigenden Medikamenten-Belastung aus landwirtschaftlicher und privater Herkunft verzichtet man jedoch.

Die Effekte oder zumindest die Risiken auf unser Wasser sind schon seit Jahrzehnten bekannt: eigentlich ausreichend Zeit zum Gegensteuern, Organisieren, Durchsetzen. Mathias Rosenmüllers Maßnahmen des Wassermischens, Schließung und Öffnung von Brunnen usw. sind kalte Folgen effektloser, wenn überhaupt vorhandener Ursachenbekämpfung in der Vergangenheit (was auf der Basis "keinem-wird-weh-getan" weiter praktiziert wird). Wie mag Rosenmüller angesichts der Faktenlage beruhigende Begriffe wie Vorsorge und frühzeitiges Handeln verwenden?

Bei meinen regelmäßigen Gängen im Naabtal sind beizeiten Landwirte zu sehen, die in weniger als Schritttempo mit voll geöffneter Gülle-Düse ihre Flächen ungeniert zu Seenplatten transformieren. Manche Felder werden mit Trockenmist geradezu abgedeckt. Das ist keine Düngung mehr, das empfinde ich als bloßes Abkübeln von lästigen Abfallstoffen.

Und ich sehe z. B. die unbekümmerte Verwendung von vielerlei minder oder auch äußerst aktiven Reinigungs-Substanzen in Verbindung mit hohem Wasserverbrauch im Bekanntenkreis, der überwiegend gerne sehr billige, auch landwirtschaftliche, Produkte kaufen will und immer noch über hohe Preise klagt. Der betonierte Status und Funktion von Wasser sind die Dreckaufnahme und das Abschwemmen von Fäkal-Trümmern. Das fundamentale Trinkwasser holt man sich eh aus dem Discounter, auch in Kracherl- oder Bierform.

Brunnenvergifter hat man mal nicht umsonst mit dem Tode bedroht. Das waren entweder nicht wissende, dumme Menschen, die z. B. Abfälle bequem entsorgten, oder Angreifer, die die Einnahme der Stadt damit erleichterten. In modernen, aufgeklärten Zeiten wird auf breiter Basis, egal ob privater, staatlicher oder wirtschaftlicher Art, achtlos und blauäugig als auch kriminell vorsätzlich mit dem kostbaren Gut Wasser va banque gespielt - und das permanent verlierender weise.

Man muss nicht sofort in panischen Aktionismus verfallen, aber gemeinschaftlich effektiv und zielgerichtet diese Dinge solide anpacken. Nur ein "Thema des Tages" ist das Ganze sicherlich nicht.

Uwe Schauber, 92507 Nabburg
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