Wer ist die sicherste Airline der Welt?
Ranglisten ohne Gewähr

Nicht mehr als eine Orientierungshilfe: Ranking-Listen über die Sicherheit und Zuverlässigkeit von Fluggesellschaften kommen mitunter zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Bild: dpa

Welche Airline ist sicher? Verängstigte Gemüter suchen Antworten in entsprechenden Studien. Doch die Frage nach der sichersten Fluggesellschaft der Welt ist nicht eindeutig gelöst. Einigkeit herrscht bei der Aussage: Fliegen bleibt die sicherste Transportart.

Hamburg. Das mulmige Gefühl im Bauch beim Besteigen eines Flugzeugs beschleicht so manche Passagiere nicht erst seit der Germanwings-Katastrophe im vergangenen Jahr. Wie sicher sind die verschiedenen Fluggesellschaften? Auf der Suche nach Orientierung leisten Internet-Portale Hilfestellung. Doch die Antworten sind auch dort nicht eindeutig. Wem soll man glauben?

Eine relativ junge australische Website - AirlineRatings.com - erklärt seit ihrer Gründung 2013 jedes Jahr erneut die australische Qantas zur sichersten Fluggesellschaft des Jahres. Dagegen sehen deutsche Unfallforscher sie bei ihrer eigenen Studie auf Rang 13, fast gleichauf mit der deutschen Lufthansa (Platz 12). Respektable Plätze, aber doch offenkundig für die Orientierung besorgter Passagiere eher verwirrend. Wie sind diese Unterschiede möglich? Welche Studie ist solider, welche Definition ist glaubwürdiger für die Sicherheitsbewertung, wie ist es um die Transparenz bestellt?

Mit Vorsicht zu genießen


"Seit 25 Jahren sammeln wir entsprechende Daten, seit 2002 veröffentlichen wir unseren Index - er steht auf einem sehr breiten Fundament", sagt der Mitbegründer des Hamburger Flugunfallbüros "Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre" (JACDEC), Jan-Arwed Richter. Die Pilotenvereinigung Cockpit sieht seine jährliche Sicherheitsliste als Klassiker, mahnt aber zur Vorsicht. "Man sollte solche Statistiken stets mit Vorsicht betrachten, sie bieten lediglich eine Orientierungshilfe", sagt Cockpit-Sprecher Markus Wahl.

Er sieht Sicherheitsrankings eher als tendenzielle Indikatoren für die Flugsicherheit eines Jahres. Seine Bedenken zielen in eine ganz andere Richtung: "Wenn der Flug selbst billiger als die Fahrt zum Flughafen ist, würde ich mir die Frage stellen, ob das die Kosten deckt und wo diese Airline die Kosten einspart." Mit Blick auf die Flugsicherheit am Himmel hält er eine "Geiz-ist-geil-Mentalität" langfristig für bedenklich. Was er daher einem verunsicherten Passagier auf der Suche nach Antworten rät? "In Sachen Flugsicherheit geht es uns gerade in Europa eigentlich sehr gut", meint er beruhigend. Anlass zur Sorge bestehe trotz Negativschlagzeilen nicht.

In der Tat schneiden die europäischen und vor allem auch die beiden größten deutschen Fluggesellschaften bei der Sicherheit grundsätzlich gut ab - egal, in welchem Ranking. Gut ausgebildete Besatzungen, sorgfältig gewartete Flotten, eine penible behördliche Aufsicht.

Richter relativiert zudem selbst die Bedeutung der Listenplätze in seiner eigenen Liste: "Die Rangfolge wird oft überbetont - das ist für uns gar nicht die entscheidende Größe; entscheidendes Kriterium ist vielmehr das Abschneiden der Airline im Index." Und da sind die Unterschiede eh meist marginal.

Die JACDEC-Unfallforscher berechnen die Verkehrsleistung der Airline bei ihrer Wertung gegen die Anzahl der Zwischenfälle und Totalverluste der vergangenen 30 Jahre - es geht also bei ihnen um einen langfristigen Blick auf die Sicherheit. Germanwings ist in der Liste der 60 größten Airlines wegen zu niedriger Verkehrsleistung nicht enthalten.

Kein Grund zur Panik


Fliegen ist statistisch gesehen die sicherste Art des Reisens, da sind sich alle Experten einig. Auch bei der australischen AirlineRatings.com sehen die Analysten keinen Grund zur Alarmstimmung. Ein mulmiges Gefühl beim Besteigen eines Verkehrsflugzeugs wäre damit also ungerechtfertigt.

Statistiker bestätigen das. Nach einer Studie der Allianz-Versicherungsgruppe betrug das Risiko eines tödlichen Flugzeugabsturzes 1959 für einen Passagier 1:25 000 Abflüge in den USA und Kanada. Heute liegt das Risiko eines Fluggasts, in den USA oder in der EU bei einem Absturz das Leben zu verlieren, bei 1:29 Millionen.
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