WHO-Studie: Tschechen essen zu viel Fleisch
Gefährlicher Schweinebraten

Prag-Touristen kommen aus aller Herren Länder. Und doch eint alle an der Moldau das Kulinarische: Mindestens einmal muss man während seines Aufenthaltes dort in einer Kneipe Schweinebraten mit Knödeln und Kraut gegessen und mit mehreren Bierchen nachgespült haben.

Prag. Schon deshalb, weil das jeder Reiseführer als das Lieblings-Menü der Einheimischen bezeichnet. Die Tschechen lieben ein Stück Fleisch auf dem Teller. Aber nicht nur einmal in der Woche, sondern so häufig, dass es gefährlich zu werden beginnt. Dementsprechend schlug hier die Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch wie eine Bombe ein, wonach "rotes Fleisch" krebserregend sein könne.

Das träfe die Tschechen hart. Sie vertilgen pro Kopf und Jahr 50 Kilogramm Fleisch, meist vom Schwein. Zum Vergleich: Wir Deutsche belassen es im Schnitt bei 38 Kilogramm Schweinefleisch. Und dies, obwohl die Deutschen in der Saison häufiger marinierte Schweinenackensteaks auf den Grill werfen als Tschechen. Die erwähnte Statistik widerlegt auch das Vorurteil der Tschechen, die Deutschen seien die größten Schweinefleisch-Esser der Welt. Ein Vorurteil, das allein von Touristen und deren Schweinebraten-Appetit bei Besuchen im Nachbarland herrührt. Die Tschechen verdrängen bei ihrer Rechnung nämlich, dass sie eigentlich täglich Fleisch auf dem Teller haben wollen. Das geht bei geringeren Gehältern aber nahezu gleichen Preisen wie in Deutschland aber nur, wenn sie zu Billigfleisch greifen.

Das erwarten sie auch in Gaststätten. Die meisten Tschechen sind hoch zufrieden, wenn sie für wenig Geld einen Teller voller Knödel vor sich stehen haben, die in einem See von UHO (die aus sozialistischen Zeiten nicht wirklich genießbare "Universelle braunen Soße") ertrinken, in der Fitzelchen einer fleischähnlichen Glubbermasse schwimmen. Aber: Hauptsache, es ist so günstig, dass sie es sich jeden Tag leisten können. Fleisch muss sein.

Kampagne gegen Fleisch


Die Tschechen haben zwar angesichts der WHO-Studie einen gehörigen Schreck bekommen. Aber sie ändern deshalb nicht gleich ihre Gewohnheiten. Jetzt versuchen die Medien, sie auf den Pfad der Essenstugend zu führen. "Wir essen dreimal mehr Fleisch als gesund ist" oder "Wir essen uns zu Tode", lauten warnende Überschriften, dazu Fotos von Schweinshaxen, Leber- und Blutwürsten. "Schon 50 Gramm Fleisch oder Wurst täglich", heißt es, "reichen aus, um Krebs zu bekommen."

Wer Fleisch esse, werde außerdem nicht so schnell müde. Und plündere daher abends vor dem Schlafengehen gern auch noch mal den Kühlschrank. Aber hier sind die Tschechen laut einem anderen Klischee geschützt: Denn demnach nehmen sie zu dieser Zeit keine halbe Haxe mehr zu sich, sondern ein, zwei Bier. Zum besseren Einschlafen. Und das soll ja auch sehr gesund sein.
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