Wie die Zeit vergeht

Mai stand im Fach Mathematik die schriftliche Abitur-Prüfung an. Abi in Mathe ein Muss? Das war nicht immer so. Ein Blick zurück auf die Zeit vor Google, Smartphone und Wikipedia.

"Setz dich verdammt nochmal hin und lern das Zeug, damit du es kannst. Du musst es nur können. Nimm dir vor, dass du das Abi schaffst, aber bitte nicht, dass du ein gutes Abi ablegst. Das wirst du nämlich nicht tun!" Ja, er hatte Recht im Jahr 1998, mein damaliger Kollegstufenbetreuer Peter W. Das Abi hab ich geschafft. Und die Abi-Note? Identisch mit der von TV-Star Günther Jauch - falls jemand mal "googeln" möchte.

Sport statt Deutsch

"Googlen" - den Begriff gab es 1998 übrigens noch nicht. Dafür eine 13. Klasse und noch kein G8. Und wenn ich so betrachte, was die Abiturienten heute an Zeit aufwenden müssen, dann bin ich darüber richtig froh. Nachmittagsunterricht hatten wir zwar damals auch schon, allerdings nur an einem Tag pro Woche. Auf dem Stundenplan nach 14 Uhr: Sport und Kunst bzw. Musik; kein Englisch oder Deutsch.

20 Pfennig und kein Handy

Da hat sich mächtig viel getan: Eine Abiprüfung in Mathe war noch keine Pflicht, Facharbeit und Referate hat man in der Bibliothek vorbereitet und nicht per Wikipedia. Internet? Ich hab' vor einigen Monaten mal gelesen, dass meine Schule (das Gregor-Mendel-Gymnasium in Amberg) in den 90ern eine der ersten Schulen mit Internetzugang war. Das ist damals völlig an mir vorübergegangen. Smartphones? Ach, wo denkst du hin... 20 Pfennig aus der Tasche gekramt und nach der Abi-Noten-Bekanntgabe schnell von der Schul- Telefonzelle aus zu Hause angerufen.

Im Grundkurs Fotografie haben wir noch Filme entwickelt, und auf der Dachterrasse der Schule durfte die Kollegstufe (12. und 13. Klasse) noch rauchen. Bei günstiger Kombination der Leistungskurse stand auf dem persönlichen Stundenplan schon mal, dass der Unterricht an jedem Freitag erst um 10.20 Uhr beginnt. Was bedeutet das für einen 19-Jährigen? Richtig: Er kann auch am Donnerstagabend ausgehen....

Kurios, was sich in nur 17 Jahren so alles getan hat. Einiges aber ist gleich geblieben: Keiner steht morgens um 8 Uhr gerne vor der Lehr-Anstalt, jeder muss vor den Prüfungen büffeln, nicht mit jedem Lehrer kommt man gut aus und Liebeskummer ist einer vernünftigen Abi-Vorbereitung nicht gerade dienlich. Aber das Wichtigste: Das Feiern, den Urlaub, die Party, den Ball, den Abi-Scherz werden sie alle genießen - das haben sie sich nach zwölf Jahren Schule (bei einigen sind es wohl ein oder zwei Jahre mehr) redlich verdient.

Zurück in die Heimat

Die meisten zieht es erstmal weg - "Neue Leute kennenlernen", "Mal raus aus dem Mief von hier", "Die Welt entdecken". Aber wartet man zehn Jahre, dann sind neun von zehn wieder "dahoam" in der Oberpfalz. Warum? Weil es schön ist hier, weil die Region sie braucht und auch hier Fachkräfte händeringend gesucht werden.

In diesem Sinne: Genießt die Zeit! Peter W. hat mir übrigens noch bei der Übergabe des Abiturzeugnisses das "Du" angeboten.
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