"Wie ein Schlag ins Gesicht"
Leserbrief

Zur Aufarbeitung eines Zwistes um die Kriegsgräberfürsorge-Sammlung in Nabburg äußerte sich in unserer gestrigen Ausgabe Assessorin Sabine Hayn. Darauf reagierte nun der Dritte Bürgermeister:

"Der Leserbrief beginnt damit, dass man sich wundern muss. Was dann folgt, gibt mehr als Anlass zum Wundern. Im Leserbrief offenbart sich die völlige Unkenntnis der wahren Sachlage.

Nur zur Richtigstellung; Die Soldaten-und Kriegerkameradschaft beantragt keine Sammelaktion, sie geht von der Stadt Nabburg aus. Die Leute aus diesem Verein stellen sich für diese Sache zur Verfügung. Dass man im Zusammenhang mit dieser Sammelaktion von Nötigung spricht, ist allein schon ein starkes Stück, gibt es doch diese Sammlung bereits seit fast 100 Jahren für eine eigentlich gesamtstaatliche Aufgabe.

Die Sammlungen, die in dieser Zeit stattfinden, auch noch so einseitig zu gewichten, halte ich für unzumutbar. In all den Jahren zuvor, auch im letzten Jahr, hat jede Sammelaktion von den Nabburger Bürgern den zugedachten Anteil bekommen. Und es waren stets beachtliche Ergebnisse, für beide Seiten, erzielt in friedlicher Koexistenz. Leben und leben lassen, ein urbayerisches Motto, hat nun wohl ausgedient.
Was mich aber am meisten, als Mitglied des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge e. V. ärgert, ist die flapsige Äußerung 'zur Erhaltung von ein paar Gräbern in Russland'. Da tritt eine Geisteshaltung und Gesinnung zutage, die jeden, der einen Kriegstoten irgendwo in der Welt zu beklagen hat, aufs Tiefste verletzt. Dort sind unsere Angehörigen, deren Tod wir bei jedem Volkstrauertag beklagen. Wer, bitte schön, meint denn das nach dieser Aussage auch noch ernst und ist glaubhaft?

Mein Vater, 1947 in russischer Gefangenschaft gestorben, in fremder Erde begraben, ist immer noch nicht gefunden worden. Es ist einzig und allein die Kriegsgräberfürsorge, die im freiwilligen Dienst weiter sucht, auf die ich hoffen kann, den Vater, den ich selber nicht gekannt habe, weil 1943 geboren, doch noch, wie viele andere auch, zu finden. Ihre Aussage, Frau Hayn, ist für mich wie ein Schlag ins Gesicht. In diesem Zusammenhang auf Grundstückseigentum und Herrschaftsrechte zu pochen, ist für Christenmenschen völlig unangebracht. Wir leben nicht mehr im Mittelalter.
Auf andere Dinge im Leserbrief will ich gar nicht eingehen, sie sprechen eigentlich für sich. Von dieser Kirche und vor allem von deren Repräsentanten müssen wir, nach deren eigener Lehre, Güte, Milde und Gnade erwarten, doch nichts davon war bei dieser Aktion zu sehen oder zu spüren. Ich kann ihnen versichern, dass man in Nabburg wohl weiß, was und wie viel man wem zu geben hat, frei nach dem Ausspruch: 'Gebt des Kaisers was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist'."

Josef GötzNabburg

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