Wiedersehen in Pilsen

Das erste tschechische Wort, das ich von der Babicka aus Prachatice aufschnappte, war kein intellektueller Meilenstein: Es waren die Povidlové tasticky, die Powitatschkerln. Die Liebe zu Böhmen geht meist durch den Magen, weshalb im bayerisch-böhmisch-österreichischen Bermudadreieck schon so mancher die klaren Umrisse seiner Figur verlor. Dank deftiger Braten wie der trinationalen Leibspeise vepro-knedlo-zelo - Schweiners mit Knödeln und Kraut. Als Kind schien mir bayerisch und böhmisch Jacke wie Hose - es gab keine kulinarischen Grenzen und auch der hinterfotzige Humor nimmt sich nicht viel.

Ob Bohemicum an der Uni oder Prager Zeitung: Überall kreuzten lebenslustige Bohemiens meinen Weg: Walter Annuß, Wegbereiter der Städtepartnerschaft Pilsen-Regensburg; Böhmen-Reisen-Erfinder Erwin Aschenbrenner; oder der CeBB-Motor Hans Eibauer. Sie alle verbindet die bayerisch-böhmische Grundhaltung - mit etwas schwejk'scher List ums Eck gedacht: "Das hab ich mir nicht vorgestellt, dass sie einen unschuldigen Menschen zu zehn Jahren verurteil'n wern. Dass sie einen unschuldigen zu fünf Jahren verurteilt ham, das hab ich schon gehört, aber zehn, das is' bissl viel." In Pilsen sehen wir uns alle wieder - nach der Eröffnung um 8 beim Svejk. Na zdraví!

juergen.herda@derneuetag.de
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