Willkür entscheidet, ob ein Baum stört
Leserbrief

In der Ausgabe vom 21. Oktober berichteten wir über den Beschluss des Neunburger Stadtrats, die Baumschutzverordnung aufzuheben. Jetzt schreibt dazu ein Leser:

"Die Entscheidung habe ich mit Unverständnis wahrgenommen. Die Verordnung sei ihrem Zweck in gewünschter Weise nicht gerecht geworden? Sollte das heißen, dass sie vermehrt umgangen wurde? Nun, das wäre ja kein Problem der Verordnung, sondern ein Problem der Handelnden. Andererseits kam eine ähnliche Erklärung auch nicht von den Baumschutzbeauftragten, die jahrelang umsichtige und oft auch pragmatisch-ausgewogene Lösungen suchten, wenn ein Baum "Schwierigkeiten" machte.

Über die tatsächlichen Gründe können Außenstehende nur spekulieren, das ist aber nicht mein Anliegen. Unbehagen regt sich bei mir deshalb, weil mit der Aufhebung ein in kommunaler Entscheidungsbefugnis liegender Schutzmechanismus für die Natur ersatzlos gestrichen ist. Ob ein Baum wertvoll ist, entscheidet sowieso schon lange der Mensch. Nun entscheidete er noch etwas willkürlicher darüber, ob ein Baum stört und beseitigt werden muss. Etwas Ehrfurcht vor so manch lautlos gewachsenem, schattenspendenden und gelegentlich sogar nützlichen bis Spaß machenden, mächtigem Baum scheint mir schon angebracht. Mit der Aufhebung der Baumschutzverordnung alleine geht die Welt sicher nicht zugrunde, auch nicht in Neunburg. Aber, zweifellos, es ist ein falsches Zeichen und unnötig dazu.

Der Astronaut Alexander Gerst erzählte kürzlich im Fernsehen, wie bedrückend für ihn der Blick von oben auf den fast geschwundenen Regenwald am Amazonas war. Tausende haben es - eventuell wie ich nachdenklich innehaltend - gehört und gingen zur Tagesordnung über. In Neunburg wurde die Aufhebung der Schutzverordnung kaum registriert und gleich abgehakt. Wieder ein gleichgültiger Akt gegen unsere Umwelt. Oder glaubt tatsächlich jemand, dass ab jetzt Bäume in freiwilliger Einsicht oder Umsicht von Grundstückseigentümern auf ihre Schutzwürdigkeit geprüft werden, wenn sie vermeintlich im Weg stehen? Ohne Auflage, Alternativen für ein Absägen prüfen zu müssen, wird immer die einfache und schnellste Entscheidung "gefällt" werden. Die Hoffnung auf eine Selbstverpflichtung ist ein Irrglaube."

Roman Sorgenfrei92431 Neunburg vorm Wald

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