Wind Stärke acht

Er ist der Dienst- und Firmenwagen schlechthin, gilt als Raumwunder und Familienfreund. Emotionen weckte er aber kaum. Jetzt kommt das Vernunft-Auto VW Passat in der achten Generation daher - und überrascht.

Jede Familie kann vermutlich eine Passat-Geschichte erzählen. Dieses Auto hat noch vor dem Golf die Post-Heck- und Boxermotor-Ära bei VW eingeläutet; wer einen 411 oder 412 fuhr, wechselte zum Passat, benannt nach einem Tropenwind. Das war 1974, und seither hat sich das Modell zum erfolgreichsten des Konzerns gemausert, mit allein 1,1 Millionen verkauften Exemplaren im vergangenen Jahr. Insgesamt hat VW in 40 Jahren 22 Millionen Passat ausgerollt.

Viele Neuheiten

Nummer acht ist also zum Erfolg verdammt. Und weil es heutzutage nicht genügt, ein noch besseres Auto vorzustellen, packte VW gleich noch ein paar Weltneuheiten drauf (die freilich extra kosten): Der Passat kann einen Anhänger selbsttätig rangieren, er parkt vor- und rückwärts automatisch ein; er zeigt im Display den Wagen und sein Umfeld in 3-D nicht nur aus der Vogelperspektive, sondern von jeder gewünschten Position aus. Der Fahrer kann so checken, ob im Umfeld ein Hindernis lauert. Den Passat gibt es auf Wunsch mit Armaturen, die aus einem einzigen großen Bildschirm bestehen und nicht mehr aus analogen Instrumenten. Wer so etwas möchte, muss 2180 Euro für das große Navi und nochmals mindestens 500 Euro für dieses "Active Info Display" ausgeben. Dafür gibt's messerscharfe Grafik.

Assistenten über Assistenten: Serie in allen Passat ist die Müdigkeitserkennung. Zuzubuchen sind City-Notbremsfunktion mit Fußgängererkennung (Serie ab Comfortline), Stauassistent (hält die Spur, beschleunigt und bremst automatisch) und Notfall-Assistent (fährt an den Straßenrand, wenn der Fahrer keine Reaktion zeigt und setzt einen Notruf ab). Und damit ist die Aufzählung lange nicht vollständig.

Aber eigentlich wollten wir den Passat endlich fahren. Eine Motorisierung, die wir uneingeschränkt empfehlen können, ist der 150-PS-Diesel. Der Motor macht richtig Laune, hat mit den 1,4 Tonnen des Passat (minus 85 Kilo) leichtes Spiel, hängt willig am Gas und zieht schon ab niederen Drehzahlen bärig an. Von den Leistungsdaten her durchaus etwas mehr hätten wir uns von dem 240-PS-Diesel erwartet, zumal der 500 Nm Drehmoment an alle vier Räder schickt. Dritte getestete Motorisierung war der 150-PS-Benziner, der seine Aufgabe unaufgeregt erledigt und für künftige Besitzer mit wenig Jahreskilometern sicher eine Alternative sein wird.

Emotionales Design

Und nun die versprochene Überraschung: Dieser Passat ist kein Biedermann mehr. Wie mit dem Bügeleisen haben ihm die Designer Falten ins Blech gezogen, die schärfer nicht mehr sein können. Stimmig läuft die Tornadolinie in den Rückleuchten (LED) aus, markant ziehen sich Kanten über die Motorhaube. Und dann erst dieser Grill: Breiter geht nimmer; von Leuchte zu Leuchte reichen die Chromspangen; Phaeton lässt grüßen. Aber: Geschmackssache. Der sehr große Passat ist innen noch geräumiger geworden, legt beim Kofferraum um 45 Liter auf 1087 Liter (Variant) zu, hat einen um 79 Millimeter gewachsenen Radstand, was Fahreigenschaften verbessert und Passagieren noch üppigeren Raum beschert, ist niederer bei höherer Kopffreiheit. Kurzum: Er steht satt auf der Straße. Innen: feines Ambiente, aufrüstbar mit schönen Dingen, die bislang der Luxusklasse vorbehalten waren.

Das alles gibt es natürlich nicht geschenkt. Wem aber ein durchaus brauchbarer Basis-Passat genügt, der ist ab 30 250 Euro für den 150-PS-Diesel Trendline dabei. Dafür gibt es keinen nackten Passat, sondern einen gebrauchsfertigen, inklusive Radio, Klima und Zentralverriegelung. In den kommenden Monaten erweitert VW das Motorenangebot. Angekündigt sind ein Einstiegsdiesel mit 120 PS und ein kleiner Benziner mit 125 PS. Noch mehr Antriebe, ein Plugin-Hybrid, der Alltrack und eine R-Version sollen den Erfolg des Passat sichern. An dem besteht aber schon jetzt kein Zweifel.
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