Winterzauber am Polarkreis

Das Skigebiet um den Berg Iso-Syöte im hohen Norden Finnlands hat mehr zu bieten als einsame Pisten und hochmoderne Loipen: Urlauber brechen auf zu Schneewanderungen, Huskytouren und Angel-ausflügen. Ein Abenteuer, bei dem die Seele zur Ruhe kommt.

Hundegebell hallt durch den verschneiten Wald. Elvis, Jimi und die Horde sibirischer Huskys können den Aufbruch kaum erwarten. Die Karabinerhaken klacken, Janne Määttä spannt die Hunde an. Sechs zerren an einer Schlittenleine und kläffen um die Wette, bis der Schlittenführer die Fußbremse löst. Sind die Huskys einmal in Fahrt, verstummt ihr Jaulen. Dann erlebt der Fahrgast die einsame, winterliche Weite rund um den Syöte-Nationalpark hier im hohen Norden Finnlands.

Auf der Eräpalvelut-Huskyfarm können Gäste nach kurzer Einführung alleine mit Hundegespannen starten: Die Huskys jagen über gefrorene Seen, vorbei an kargen Nadel- und Birkenwäldern. Schnee knirscht unter den Kufen. Bei Menschen aus der Großstadt stellt sich in der Weite der Landschaft eine tiefe Ruhe ein.

Dieser Traum von Freiheit hat Janne, den Elektriker, und die Wellnessfachkraft Jonna Määttä von Oulu nach Syöte gelockt. "Wir kannten uns kaum aus mit Wildnis und Hunden, als die Farm zur Übernahme stand", sagt Janne und verteilt Lachssuppe an die Gruppe. Im fünften Jahr bescheren Janne und Jonna ihren Gästen einsame Naturerlebnisse, die in ihrer "Kota" an einem prasselnden Feuer ausklingen. Diese urfinnischen Holzhütten mit Spitzdach stehen hier in jedem Garten. Tief in den Wäldern sind sie ein Segen nach den Tagesausflügen in die Wildnis.

In der Region der Stadt Pudasjärvi südlich des Polarkreises leben 8424 Menschen und gut 10 000 Rentiere. Braunbären halten Winterschlaf, die Wölfe meiden die Siedlungen. Iso-Syöte heißt der Hausberg der Region: Ein "Fjell" sagen die Einheimischen hier, denn der Hügel mit seinen Schlepp- und Sesselliften sowie den 15 Pisten erhebt sich karg über der Nadelwaldgrenze. Ringsherum locken 120 Kilometer gespurte Langlauf-Loipen und ein breites Angebot an Wildnis-Safaris. Als Kontrastprogramm zu Pistentrubel und Hüttengaudi erleben Urlauber in dieser Landschaft ein behütetes Abenteuer.

Private Hütten und zwei Hotels bieten Schutz, wenn in den langen Nächten das Thermometer unter -25 Grad fällt. Im Tal empfiehlt sich das schlichtere "Pikku Syöte", auch für Gruppenreisende. Auf dem "Tunturi" und mitten im Skigebiet liegt das "Iso-Syöte"-Hotel mit Hüttendorf und Adventure-Angeboten. Aus dem Panorama-Restaurant fällt der Blick auf die endlose Weite, auf die Flutlichtpiste gleich vor der Haustür und auf den "Snow Park", wo Jugendliche auf Skiern und Snowboards ihre Kunststücke zeigen.

Paradies für Langläufer

Die Loipen verfügen über überraschend moderne Informationstechnik: Flachbildschirme am Wegesrand verraten Streckenzustand, Temperatur und Wetterlage. Sie warnen dort, wo Spurfahrzeuge kreuzen. Die Infos gibt es auch als App und an den Infopunkten freies Internet über WLAN. Im Hotel "Iso Syöte" kommen 85 Prozent der Urlauber aus dem Ausland. Viele sind Russen, die Grenze ist nah. "Auch Engländer, Deutsche, Holländer und Schweizer sind darunter", sagt Managerin Gerralda Gilles. Vom Flughafen Oulu führt sie die Route 20 knapp zwei Autostunden ostwärts durch die Wildnis hierher.

Abenteuer Eisangeln

In Syöte gibt es viel zu erleben: Schneeschuhwandern, Touren mit dem Motorschlitten - oder Eisangeln auf gefrorenen Seen: Man fröstelt schnell, wenn man am See mit dem Handbohrer das meterdicke Eis durchbricht. Die kurzen Eisangeln sehen aus wie Kinderspielzeug, doch richtig vorbereitet beißen Forellen und Barsche an. Wildnis-Guide Annti Rahikkala entzündet flugs ein Feuer, Finger und Wangen tauen wieder auf. Gegrillte Würstchen und heißer Beerensaft wecken die Lebensgeister. Ausdauernde Urlauber lassen auf den Haken gezogene Maden unter der Eisschicht tänzeln. "Den Lebendköder gelegentlich wechseln und das Köderdöschen am Körper tragen", rät Annti. Denn auch die Maden erstarren rasch in dieser Kälte. Urlauber Paul Bennet schwärmt während des Eisangelns: "Nur hier habe ich völlige Stille erlebt. Kein Auto, kein Flugzeug, nicht einmal Wind." Pauls Frau Joanne fischt geduldig ein Eisloch weiter. Die Hochzeitsreise hat das Paar aus Birmingham vor Jahren nach Iso-Syöte geführt, sie kommen nun immer wieder.

Auch sie gehören dazu: Rentiere zum Anfassen und Schlittentouren bieten die vielen Züchter in der Region. "Der Tourismus ist ein willkommenes Zubrot", sagt Rentierzüchter Mikka Käsmä und führt durch seine Gatter. "Frage einen Züchter nie, wieviele Rentiere er hat", warnt Mikka. Diese Frage sei tabu. Er hält 230 Tiere im Wintergatter am Haus bei Kelosyöte, füttert sie mit Pellets und Moos, weil das Futter in der Wildnis nicht für alle reicht. Viele weitere Tiere stapfen halbwild durch den nahen Nationalpark, knabbern im Winter an Rinden und Zweigen. Im Juni treibt er sie zusammen, mit Quads und Rentierhunden. Dann werden sie gezählt und markiert - für Mikka die schönste Zeit: "Hier zeigen sich neues Leben und die gute Arbeit übers Jahr."
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