Wir begleiten einen Wachmann nachts durch ein berühmtes Berliner Gebäude
Ein bisschen wie im Gruselschloss

Auch nachts ist Leben im Schloss. Bild: dpa
Vermischtes DE/WELT
Deutschland und die Welt
30.10.2013
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Könige liefen einst durch die prachtvollen Säle des Schlosses Charlottenburg. Heute sind es Besucher, die tagsüber hierherkommen. Doch auch nachts ist Leben in dem uralten Gebäude: Wachmänner drehen ihre Runden. Dabei achten sie nicht nur auf Einbrecher.

Nur der helle Strahl der Taschenlampe bringt etwas Licht in den langen Flur. An den Seiten sind Stühle zu erkennen. Große Gemälde hängen an der Wand. Wachmann Amnaj Tungahotara ist gerade auf seiner Kontrollrunde. Tunga, so nennen ihn alle, arbeitet schon seit vielen Jahren nachts im Schloss Charlottenburg in Berlin.

Mit Funkgerät unterwegs

Plötzlich ertönt in der Dunkelheit eine Stimme. Sie kommt aus Tungas Funkgerät. Die Stimme gehört zu einem Mann aus der Einsatz-Zentrale der Wachleute. Der Mann will von Wachmännern wissen, ob bei ihnen alles gut ist. "Alles in Ordnung, Ende", spricht Tunga in sein Funkgerät. Dann geht Tungas Kontrollrunde weiter. Der alte Holzboden knackt, während er Fuß vor Fuß setzt. Mit seiner Taschenlampe leuchtet er in die Ecken der Räume. Jede Türe, durch die er im Schloss geht, muss er wieder hinter sich abschließen.

Das Klappern der Schlüssel ist ständig zu hören. Immer wieder kontrolliert Tunga Fenster und Türen - und überprüft, ob sie verschlossen sind. Schließlich sollen keine Einbrecher heimlich ins Schloss schleichen und wertvolle Gemälde oder teures Porzellan klauen.
Doch zum Glück haben Tunga und seine Kollegen nur recht selten mit Einbrechern zu tun. Während Tunga seine Tour abläuft, denkt er auch nicht dauernd über Diebe nach. Denn er muss auf viele Dinge achten: Läuft Wasser in den Toiletten oder brennt es irgendwo? Und: Ist mit den Luftbefeuchtern alles okay? Denn Luftbefeuchter stehen in vielen Räumen. Sie sollen dafür sorgen, dass die Luft weder zu feucht noch zu trocken ist. Sonst würden die alten Bilder, Tische oder Stühle mit der Zeit kaputtgehen.

Viele Zimmer

Tungas Runde führt ihn durch viele Räume: vorbei an alten chinesischen Vasen und einem großen Raum, in dem Gemälde von Adeligen hängen. Auch die Schlosskapelle mit der Orgel liegt auf seinem Weg. Dazu kommen Räume wie Werkstätten und Büros. Ist es nicht total unheimlich, durch das dunkle Schloss zu tapsen? "Eigentlich hab ich keine Angst", sagt Tunga. Unterwegs begegnet er seinem Kollegen Jürgen Herrmann. Der meint: "Wer viel Fantasie hat, den kann es schon mal gruseln. Man hört es ja immer überall knacken und knirschen. Es gibt auch einen Kamin - wenn da der Wind reinpfeift, dann hört es sich an, als würden Zwei miteinander flüstern." Es gab schon Wachmänner, denen der Job in der Nacht zu unheimlich war. Sie bekamen dann eine andere Aufgabe.

Wind pfeift an diesem Abend aber kaum. Es ist ruhig. Tunga und Jürgen Herrmann laufen weiter ihre Räume ab. Jeder für sich. Wer draußen vorm Schloss steht, kann sie vielleicht sehen - oder besser gesagt: den hellen Schein ihrer Taschenlampen, der von Fenster zu Fenster huscht. (dpa)
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