Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg
Nazi-Helfern auf der Spur

Jens Rommel, Leiter der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen im Karteikartenarchiv der Behörde in Ludwigsburg. Bild: dpa

Experten für NS-Verbrechen in Ludwigsburg haben mutmaßliche Helfershelfer des Nazi-Regimes entdeckt. Bundesweit müssen nun Staatsanwaltschaften entscheiden, ob gegen sie Anklage erhoben wird.

Ludwigsburg. Deutsche Ermittler sind auf acht mutmaßliche NS-Verbrecher gestoßen. Wegen Beihilfe zum Mord in Tausenden Fällen hat die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg Vorermittlungen an Staatsanwaltschaften bundesweit abgegeben. "Es handelt sich um vier Männer und vier Frauen, die im deutschen Konzentrationslager Stutthof bei Danzig tätig waren", sagte der Leiter der Ermittlungsbehörde, Jens Rommel, der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.

Wachleute und Schreibkräfte


Die Männer seien als Wachleute, die Frauen als Schreibkraft, Telefonistin oder Fernsprechvermittlerin tätig gewesen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt. Darüber hinaus suchen die Ludwigsburger Experten weitere mögliche Beschuldigte, die in den Lagern Bergen-Belsen und Neuengamme tätig waren. Auch zu den NS-Vernichtungslagern Auschwitz und Majdanek gingen Vorermittlungen weiter. Es gehe jeweils um den Vorwurf der Beihilfe zum Mord.

Warten auf Karlsruhe


Rommel hofft zudem auf eine baldige Entscheidung des Bundesgerichtshofs über die Revision im Fall des früheren SS-Manns Oskar Gröning. "Wir erhoffen uns eine Klarstellung des BGH, wie aus heutiger Sicht die Eingliederung in ein Konzentrationslager juristisch zu bewerten ist." Der heute 95-jährige Gröning war am 15. Juli 2015 vom Landgericht Lüneburg wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300 000 Fällen im Konzentrationslager Auschwitz zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Sowohl Nebenklage als auch Verteidigung legten Revision ein.

Wann der Fall Gröning in Karlsruhe entschieden wird, ist nach Auskunft einer Sprecherin noch unklar. Der Leitende Staatsanwalt hofft, dass der BGH ausgehend vom Fall Gröning seine Haltung aus dem Jahr 1969 korrigiert. Damals reichte nach Ansicht der Richter nicht jede Eingliederung in das Konzentrationslager Auschwitz für eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord. Für die Ludwigsburger Ermittler gilt allerdings als Gehilfe jeder, der in seiner Funktion die Massentötungen "objektiv gefördert oder erleichtert hat".
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