Zika-Virus in Lateinamerika
WHO ruft globalen Gesundheitsnotstand aus

WHO-Direktorin Margaret Chan. Bild: dpa
 
Mit Pestiziden kämpfen die Behörden in der Dominikanischen Republik gegen Mücken, die das Zika-Virus übertragen können. Die Weltgesundheitsorganisation will ihre Maßnahmen gegen die Krankheit intensivieren. Viele Faktoren, die zur Ausbreitung beitragen, sind aber noch unbekannt. Bild: dpa

Die WHO will aus der Ebola-Krise lernen und sich diesmal keine Untätigkeit vorwerfen lassen. Die UN-Organisation schlägt Alarm wegen des Zika-Virus, auch wenn noch wichtige wissenschaftliche Beweise fehlen.

Genf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Zika-Virus und seiner möglichen Verbindung zu Schädelfehlbildungen den globalen Gesundheitsnotstand erklärt. Zu diesem Schritt habe eine 18-köpfige Expertenrunde geraten, teilte die WHO am späten Montagabend in Genf mit. Es gebe eine starke räumliche und zeitliche Verbindung zwischen dem Virus und dem Auftreten von solchen Fehlbildungen (Mikrozephalie), sagte die WHO-Direktorin Margaret Chan. Es fehle aber noch der wissenschaftliche Beweis.

Häufung von Fällen


"Wenn wir bis zum wissenschaftlichen Beweis warten, werden die Menschen uns Untätigkeit vorwerfen", sagte Chan. Die Ausrufung des Notstands erleichtere das Bemühen, die Verbreitung des Virus zu bekämpfen. "Wir brauchen eine koordinierte internationale Antwort, um der Sache auf den Grund zu kommen", sagte Chan. Es gebe seit 2015 in Brasilien inzwischen 270 bestätigte Fälle, in denen Schwangere mit einem fehlgebildeten Kind zuvor an Zika erkrankt waren. Das Virus trete inzwischen in 25 Ländern auf.

"Zika hat sich ausgebreitet und die Frage ist, wird es sich weiter ausbreiten", sagte ein WHO-Experte zur Begründung des Notstands. Das in seinem Verlauf eigentlich harmlose Virus allein hätte nicht diesen Alarm ausgelöst, aber die Häufung der Fälle, sagte der Vorsitzende des Notfall-Komitees, David L. Heymann.

Sorge um Schwangere


Zugleich betonte die WHO, dass es im Moment keinen Grund für allgemeine Reisewarnungen oder Beschränkungen im Handel gebe. Allerdings sollten Schwangere betroffene Länder meiden.

Zuletzt hatte die WHO im August 2014 wegen Ebola in Westafrika einen globalen Notstand erklärt. Davor hatte die WHO Kinderlähmung/Polio im selben Jahr als globalen Gesundheitsnotstand bezeichnet, 2009 die Verbreitung der Schweinegrippe.

Bei dieser Notfallregelung können Staaten außerhalb der Seuchengebiete aufgefordert werden, Maßnahmen einzuleiten, die eine Ausbreitung des Erregers oder seines Überträgers verhindern sollen. So solle nun intensiver gegen die Moskitos vorgegangen werden, die das Virus übertragen.

Es müsse auch die internationale Überwachung von Schädelfehlbildungen standardisiert werden, hieß es. Die WHO will heute weitere Empfehlungen veröffentlichen.

Das Zika-VirusWissenschaftler entdeckten das Zika-Virus erstmals 1947 in einer Forschungsstation in Uganda bei Rhesus-Affen. Anschließend tauchte der Erreger vereinzelt auch in Asien und dann stärker 2013 in Französisch-Polynesien auf. Dort wurden 30 000 Menschen infiziert. Seit 2015 häufen sich in Brasilien die Fälle von Mikrozephalie bei Säuglingen, bei deren Mütter Forscher eine Zika-Infektion vermuten. Es gibt keine antivirale Therapie und keine Schutzimpfung gegen das Zika-Virus. Deshalb ist Mückenschutz eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen. Außerdem setzen betroffene Länder auf die Vernichtung des Überträgers, also der Stechmücke. Vor allem stehendes Wasser - wie Pfützen - gilt als ideale Brutstätte der Mücken. (epd)
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