Zu Besuch im Friedensdorf Oberhausen bei kranken Kindern aus der ganzen Welt
Gemeinsam gesund werden

Dovulbek stammt aus Usbekistan und hat im Friedensdorf viele Freunde gefunden. Am besten gefällt ihm dort das Essen, besonders mag er Nudeln oder Wurst und Fleisch. Bilder: dpa
Vermischtes DE/WELT
Deutschland und die Welt
08.08.2012
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Es sieht wie in einem kleinen Dorf aus. Um einen Dorfplatz reihen sich Häuser mit zwei Stockwerken. Wir sind im Friedensdorf in Oberhausen in Nordrhein-Westfalen. In den Häusern leben rund 150 Kinder. Sie stammen aus armen Ländern oder aus Gegenden, in denen es Krieg gibt.

Gerade ist der Dorfplatz leer. Die Kinder sind in der Schule oder in ihren Spielgruppen. "Unsere Kinder kommen aus dem Kaukasus, Zentralasien, Südasien und Afrika. Dort sind die Menschen so arm, dass sie sich Medikamente und Operationen oft nicht leisten können." Das erzählt Heike Bruckmann, die hier arbeitet.

Robiya ist acht Jahre alt und sitzt gerade im Erdkunde-Unterricht. Sie kommt aus Usbekistan in Asien. "Ich bin wegen meinem Fuß hier", erzählt sie. Weil der Fuß in Usbekistan nicht operiert werden konnte, wurde sie mit dem Flugzeug nach Deutschland gebracht. Sie kann schon richtig gut deutsch sprechen. "Das habe ich im Krankenhaus gelernt."

Der elfjährige Dovulbek aus Usbekistan mag am Friedensdorf vor allem das Essen, ganz besonders "Nudeln, Wurst und Fleisch". Wie alle anderen Kinder wartet er nach der Schule auf dem Dorfplatz. Denn es gibt gleich Mittag. "Für viele Kinder ist es nicht normal, dreimal am Tag etwas Richtiges zu essen zu bekommen", erklärt Frau Bruckmann. Endlich gehen die Türen der Mensa auf und die Kinder nehmen an den langen Speisetafeln Platz. Eine Betreuerin verteilt Medikamente.
Unter den Kindern ist auch ein kleines Baby aus Afrika, das noch gefüttert werden muss. "Die meisten Kinder sind aber älter, zwischen zwei und zwölf Jahren alt", erzählt Frau Bruckmann. Nach der Vorspeise wird es plötzlich still. Es ist der Moment, in dem sich alle Kinder die Hand geben. Sie wünschen sich nicht nur guten Appetit, sondern auch Frieden. "Das ist unser Grundsatz hier", meint Frau Bruckmann, "dass Kinder aus ganz unterschiedlichen Kulturen friedlich und fröhlich zusammenleben. Wir hoffen, dass sie diese Erfahrung später in ihre Länder weitertragen."

Spielen mit Krücken

Nach dem Essen geht es raus zum Spielen. Amriddin aus Tadschikistan hat sehr viele Freunde im Dorf gefunden. Mit denen spielt der Zwölfjährige am liebsten Ball. Auch der elfjährige Popal aus Afghanistan spielt mit, dabei ist sein Fuß immer noch verletzt. "Egal, das geht auch mit Krücken!", sagt er. Nur Armen aus Armenien kann nicht mitmachen. Er muss im Rollstuhl sitzen. "Am allerliebsten gehe ich zur Schule. Ich kann sogar schon schreiben", erzählt der Siebenjährige stolz. "Die Schule ist für viele Kinder hier etwas ganz Besonderes", erklärt eine Betreuerin. Denn zu Hause dürfen sie oft nicht zur Schule gehen.

Obwohl viele es schön finden im Dorf, vermissen sie natürlich ihre Familien. Für Amriddin und Robiya ist es nun bald so weit: Sie können wieder nach Hause. "Ich freue mich ja schon so, meine Eltern und Geschwister wiederzusehen!", ruft Robiya und macht mit ihrem geheilten Fuß einen Luftsprung. (dpa)
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