Zum Kommentar "G 8: Fehler eingestehen":
Beschämendes Schwinden der Allgemeinbildung

Endlich hat einmal jemand den Mut, öffentlich auszusprechen, was vermutlich die große Mehrheit der Schüler, Eltern und Lehrkräfte immer von der Einführung des G8 gehalten hat, dachte ich, als ich den Kommentar gelesen hatte. Ich war begeistert,

Leider musste ich den Leserbrief eines Fachoberschul-Anhängers zur Kenntnis nehmen, in dem detailliert ausgeführt wird, welche Alternativen es in Bayern auf dem Weg zum Abitur neben dem G 8 noch gibt. Nichts an diesen Einzelheiten über die 44 Prozent aller Schüler, die das Abitur außerhalb des Gymnasiums erwerben, ist falsch. Aber all diese Details sind an einem Missverständnis aufgehängt, nämlich an dem Satz im Kommentar: "Nur der Zwang, es (das G 8) für den Weg zum Abitur besuchen zu müssen, hat wohl seinen Bestand gesichert." Dieser Satz wird als "falsch" bewertet: "Er spiegelt vor, nur das Gymnasium führe zum Abitur." Der Kommentar stand im Kontext eines Artikels über den "Ansturm auf ,Mittelstufe Plus'" an den Gymnasien; wer dort das Abitur machen will, musste es in den letzten Jahren zwangsläufig im Rahmen des G 8 tun.

Jedenfalls kann die Möglichkeit, das Abitur auf alternativen Wegen zu erwerben, keine Rechtfertigung für die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre sein. Ganz im Gegenteil: Wahrscheinlich ist der große Zulauf zu den Fachoberschulen damit zu erklären, dass leistungsschwächere Schüler auf diesem Weg nach wie vor 13 Schuljahre Zeit haben, um die Allgemeine Hochschulreife zu erwerben (ohne die Wiederholung einer Klasse). Besagter Leserbrief legt den Finger in eine offene Wunde: die zunehmende Verlagerung der "Bildung" auf die fachliche und berufliche Ausbildung und das oft beschämende Schwinden dessen, was einmal als Allgemeinbildung vermittelt wurde. Früher musste man zum Beispiel weder ein Genie in Geometrie noch Mathematiklehrer sein, um zu wissen, dass die Winkelsumme im Dreieck 180° beträgt. In der TV-Sendung "Wer wird Millionär?" (mit Günther Jauch) durfte ich eine Gymnasiallehrerin aus Köln erleben, die wortreich herumeierte, um ihre Ahnungslosigkeit in dieser Frage zu kaschieren.

Dr. Hannsjörg Bergmann, 92637 Weiden
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