Zweier-Beziehung für Frischluftfans
Fahrbericht Audi A3 Ambition Cabrio 2.0 TDI

Mit dem Zweiliter-Diesel und 150 PS begnügt sich das A3-Test-Cabrio mit 4,7 Liter. Dabei gibt sich Audis Offenbarung durchaus spritzig. Bild: Audi
Weil VW es versäumt hatte, dem Golf rechtzeitig ein Cabrio an die Seite zu stellen, sprang kurzerhand Audi ein. Das war ein Schnellschuss, weshalb die offene Version des A3 der munteren 1er-Konkurrenz aus München nachfuhr. Die Neuauflage lässt die Kritiker verstummen.

Dank des Längenwachstums von 18 Zentimeter macht der Ingolstädter jetzt eine ausgesprochen gute Figur. Das Pummelige des Vorgängers ist einer dynamischeren Silhouette gewichen, geblieben sind die klar gezeichneten Linien. Der Verzicht auf extravagantes Design muss ja nicht das schlechteste sein.

Die eigentliche Offenbarung erfolgt in 18 Sekunden. So lange dauert es, bis die Stellmotoren das Verdeck gefaltet und hinter den Rücksitzen abgelegt haben. Das funktioniert auch umgekehrt und beim Fahren bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h. Weil das Dach im Kofferraum verschwindet, kann der nicht gerade mit Größe punkten.

320 Liter sind es, die auch noch über eine ausgesprochen schmale Öffnung verstaut werden wollen. Da muss man schon das Handgepäck sorgfältig aussuchen. Der bei solchen Vergleichen gern bemühte Golfbag jedenfalls findet keinen Platz. Bord-trolleys aber sind erste Wahl. Und wer mit einem Handgriff die Rücksitzlehnen umlegt, erweitert die Ladekapazität auf 680 Liter.

Dann fährt zwar nur die Hälfte der möglichen Passagiere mit. Aber so ein Cabrio ist eh ein Fall für die offene Zweier-Beziehung. Denn auf das hintere Gestühl klettern kann man zwar, aber nur mit Verrenkungen. Außerdem fehlt sonst der Platz für das Windschott. Das ist ruckzuck installiert und macht aus dem A 3 Cabrio einen sturmfreien Raum.

Ohne dieses empfehlenswerte Extra (320 Euro) zieht es wie die sprichwörtliche Hecht-Suppe. Da ändert dann auch die Kopfraum-Heizung (450 Euro) wenig, wie Audi den von Mercedes bekannten Nackenföhn bezeichnet. Beide Optionen im Verein allerdings machen das A 3 Cabrio selbst bei etwas kälteren Temperaturen zum wahren Frischluftvergnügen. Wer die Stoffmütze zumacht, hält den Lärm weitgehend von den Insassen fern, sieht man einmal von dröhnenden Tunnelfahrten ab. Der Zweiliter-Diesel hat mit den 1,5 Tonnen Leergewicht keine Mühen. Ausgesprochen unternehmenslustig geht er zu Werke, will aber bei Anstrengung im sechsten Gang mit ein bisschen Schaltarbeit auf Trab gehalten werden. Das geht mühelos von der Hand. Auch wenn der Ingolstädter problemlos Geschwindigkeiten meistert, die weit jenseits der 200er-Marke liegen, seine Domäne ist das gemütliche Cruisen.

Was auch in den Trinksitten zum Ausdruck kommt. Selbst bei ambitionierter Fahrt reichen ihm da ein paar Schlucke, die den Werksangaben sehr, sehr nahe kommen. Das Fahrwerk beherrscht den Spagat zwischen Sportlichkeit und Komfort, bügelt lange Wellen glatt, meldet aber Querfugen deutlich den Insassen.

Frischluftfans der Audi-Fraktion finden im A 3 ein mobiles Genussmittel. Billig ist es nicht. Wer ein paar Assistenten mit an Bord nimmt und ein bisschen bei Annehmlichkeiten wie einer Bang&Olufsen-Soundanlage stöbert, gehört dann wohl der Kategorie Besserverdiener an.
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