Zweiter Prozess um Überfall
KaDeWe-Räuber gestehen

Vor dem Landgericht begann am Mittwoch der zweite Prozess um den Überfall auf das Berliner Luxuskaufhaus KaDeWe im Jahr 2014. Bild: dpa

Ein spektakulärer Blitzüberfall: Im vorweihnachtlichen Trubel stürmen fünf Maskierte in das Luxuskaufhaus KaDeWe, machen in 79 Sekunden Beute im Wert von 817 000 Euro. Nach und nach kommen die Täter nun vor Gericht.

Berlin. In nur 79 Sekunden hatten die mit Axt, Hammer und Machete bewaffneten Maskierten 2014 Uhren und Schmuck im Wert von rund 817 000 Euro erbeutet. Juristisch aufgearbeitet wird der Fall nun in Etappen: Knapp 22 Monate nach dem Raub im Kaufhaus des Westens hat am Mittwoch der zweite Prozess begonnen. Angeklagt sind zwei 20-Jährige. Sie wirken gelassen, als ihre Verteidiger die Geständnisse verlesen.

13 Menschen verletzt


"Ich hatte Reizgas und eine Axt dabei", räumt der eine Angeklagte vor einer Jugendkammer des Landgerichts ein. Er habe eine Woche zuvor erfahren, dass er mit von der Partie sein sollte. "Ich sollte mit Reizgas absichern", erklärt er nun. "Mit der Axt habe ich eine Vitrine zerschlagen." Dass damals 13 Menschen durch Reizgas verletzt wurde, tue ihm sehr leid. Ein Überfall, den er nach eigenen Angaben nicht mitgeplant hatte und für den er nicht entlohnt worden sei. Der zweite Angeklagte erklärt, er habe mit einem Hammer auf Vitrinen geschlagen - erfolglos. "Von der Beute habe ich nichts erhalten." Über Mittäter wolle er nicht reden. Allerdings stand sein älterer Bruder bereits im ersten Prozess um den Raub im KaDeWe vor Gericht.

Nach sechsmonatiger Verhandlung gestand der 30-Jährige - wohl unter dem Druck einer überraschenden Aussage eines weiteren Komplizen. Dieser machte zudem Angaben zu einem mutmaßlichen Mordauftrag. Im April 2016 kam es daraufhin zu einem Großeinsatz gegen mutmaßlich kriminelle Mitglieder einer arabischen Großfamilie.

Der 30-Jährige, ein Mitglied dieses Clans, erhält im Mai sechs Jahre und acht Monate Gefängnis wegen schweren Raubes. Er sei "die treibende Kraft" der Tat am 20. Dezember 2014 gewesen, sind die Richter überzeugt. Ein Mitangeklagter, der das Fluchtauto zur Verfügung gestellt hatte, wird zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wegen Beihilfe verurteilt.

Die beiden 20-Jährigen gehören zu acht Verdächtigen, die bei dem Einsatz von 220 Beamten vor allem im Berliner Stadtteil Neukölln festgenommen wurden - einige als Verdächtige im Zusammenhang mit dem spektakulären Raub, andere wegen mutmaßlicher Beteiligung an einem Mordauftrag. Der Geschädigte sei durch einen Schuss ins Bein verletzt worden. Auch der Vater der Brüder, die mit im KaDeWe waren, befindet sich Angaben zufolge seit der Razzia in Haft. Damals seien zudem Waffen, Bargeld und auch ein Porsche sichergestellt worden.

Beute bleibt verschwunden


Die Beute aus dem Raub indes wurde nicht entdeckt. Nur ein Stück sei bis heute aufgetaucht, so ein Ermittler. Ein 38-Jähriger hatte im Juli 2016 versucht, das Collier bei einem Berliner Pfandhaus zu beleihen. Das Schmuckstück sei als Unikat kaum zu verkaufen gewesen, sagt ein Ermittler im Prozess. Beschädigt sei es aufgefunden worden. "Ein Teil der Diamanten war herausgebrochen." Der Mann, der es ins Pfandhaus getragen hatte, will das Collier seiner Freundin gestohlen haben. Diese wiederum gab an, das Schmuckstück habe sie gefunden.

Die 20-Jährigen zwinkern Bekannten unter den Zuhörern im Saal zu, als ihre Anwälte die Geständnisse verlesen. Nach Vorgesprächen können sie mit Haftstrafen von maximal etwa drei Jahren rechnen. Der Prozess wird am 31. Oktober fortgesetzt.
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