Zweiter Tod bei der Explantation

Die Auseinandersetzung um den Begriff "Hirntod" geht weiter:

Seit 1968 setze ich mich mit dem Problembereich Hirntod und Organtransplantation auseinander, meiner Meinung dazu kann es an Reflexion nicht fehlen, wie der Transplantations-Beauftragte der Kliniken Nordoberpfalz AG unterstellt. In einer ärztlichen Fortbildung hat mir der Vortragende, ein transplantierender Kardiologe aus Regensburg, auf meinen Einwurf hin zugestanden, dass der Gesetzgeber den Hirntod (wie man damals noch sagte) eigentlich nicht als Tod des Menschen festlegen könne, weil die wissenschaftliche Kontroverse darüber nicht abgeschlossen sei. Und sie ist es bis heute nicht.

Ich wiederhole: Sollten Angehörige nach der Feststellung eines "irreversiblen Hirnfunktionsausfalls" bei ihrem Schwerstkranken daran festhalten, dass er noch lebe und keinen oder noch keinen Abbruch der Intensivbehandlung wünschen, müssen die Angehörigen einen privaten Behandlungsvertrag mit der Klinik abschließen und natürlich dann auch bezahlen. Ob die Kliniken Nordoberpfalz anders verfahren, weiß ich nicht. Wer kein Organ spenden will, sollte sicherheitshalber schon eine "Hirntod"-Diagnostik in seiner Patientenverfügung ausschließen.

Wie die christlichen Kirchen sich zum Thema Organspende äußern, ist betrüblich und wird früher oder später einer Revision unterliegen (müssen). Mit der offiziellen Redeweise, einen Menschen mit irreversiblem Hirnfunktionsausfall als Verstorbenen zu bezeichnen, erleben wir eine moderne Variante des Märchens "Des Kaisers neue Kleider". In Konsequenz wäre der warme, durchblutete, sich z. T. regulierende Körper eines "Hirntoten", der sich im Aspekt nicht oder kaum von anderen Intensivpatienten unterscheidet, ein Leichnam. Und dieser "Leichnam" stirbt dann einen zweiten Tod bei der Explantation im Operationssaal.

Dr. Maria Macht, 92637 Weiden
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