- Besuch beim Schornsteinfeger
Glücksbringer und Energieberater

(Foto: Andreas Hahn)
 
(Foto: Andreas Hahn)

Einen Schornsteinfeger trifft man gern: Nicht nur Silvester macht sein Anblick viele Menschen froh und lässt sie auf einen glücklichen Tag hoffen. Wer in Deutschland einen Schornsteinfeger auf dem Dach oder der Straße sieht, hat wirklich Glück: Denn die rund 20 000 Kaminkehrer verbringen inzwischen einen großen Teil ihrer Arbeitszeit im Büro. Seit der Einführung der verpflichtenden Feuerstättenbescheide vor drei Jahren gehören Schreibarbeiten und Formulare genauso zum Beruf dazu wie der Kaminbesen und das Zuggewicht.

Moderne Feuerungsanlagen stellen hohe Ansprüche an Messtechnik und Know-how. Wer ein Haus baut, sollte schon frühzeitig mit dem Fachmann sprechen, denn nicht jeder Ofen passt! Auch eine kontrollierte Wohnraumbe- und -entlüftung sowie der Dunstabzug spielen bei der Wahl des richtigen Ofens eine Rolle. Wir haben mit Kaminkehrermeister Michael Kiener aus Amberg gesprochen:

Ab wann sollte der Schornsteinfeger bei Baumaßnahmen hinzugezogen werden?

Es ist empfehlenswert den Kaminkehrer schon in der Planungsphase mit einzubinden. Sein praktisches Wissen kann bereits hier sehr hilfreich sein.

Was sollten Bauherren beachten, wenn sie einen Kaminofen, Kachelofen oder eine ähnliche Feuerstätte nutzen wollen?


1. Kauf einer emissionsarmen und effizienten Feuerstätte
2. Geeigneter , trockener Brennstoff, richtig gelagert
3. Die richtige Bedienung des Holzofens
4. Regelmäßig Reinigung und Überprüfung durch den Fachmann: Kaminkehrer

Warum sollten/müssen Kamin- oder Kachelofenbesitzer ihre Öfen professionell reinigen lassen?

Nur eine saubere Feuerstätte ist in der Lage, den zugeführten Brennstoff optimal zu verbrennen. Der Fachmann Kaminkehrer besitzt das notwenige Equipment und Knowhow für eine ordentliche Reinigung.

In welchen Zeitabständen ist eine Reinigung erforderlich? Und wann ist der beste Zeitpunkt dafür?

Einmal jährlich sollte die Feuerstätte grundlegend gereinigt werden, die heizfreie Zeit in den Sommermonaten bietet sich hierfür an.

Wie lange etwa dauert die Reinigung eines Kamin- oder Kachelofens? Und was kostet die Reinigung insgesamt?

Je nach Bauart kann die Reinigung von etwa einer halben Stunde bis hin zu drei Stunden dauern. Die Kosten werden vom jeweiligen Kaminkehrer frei kalkuliert und sind im Vorfeld abzustimmen.

Das Dienstleistungsspektrum umfasst ja heute weit mehr als die Kaminreinigung. Inwieweit sichern bevollmächtigte Schornsteinfeger die Qualität der freien Schornsteinfeger?

Bei Ihrer Frage vermengen Sie zwei Zielgruppen: Der bevollmächtigte Kaminkehrer ist mit der Verwaltung eines Kehrbezirkrs betraut, während der freie Kaminlehrer nur alle nicht hoheitlichen Aufgaben durchführen kann. Gerade im Bereich der freien Tätigkeiten ist Qualität ein Wettbewerbsvorteil gegenüber den Mitbewerbern. Hierzu spielen insbesondere auf dem Gebiet der Dienstleistung Sauberkeit, Pünktlichkeit und Vertrauen eine wichtige Rolle.

Auf was müssen Sie aktuell besonders achten – im Vergleich zu vergangenen Jahren?

Durch die Einführung von Feuerstättenbescheiden, die Zeiträume zur Erledigung der vorgeschriebenen Arbeiten festlegen, ist der Kunde an Fristen gebunden, die einzuhalten sind.

Seit Ende September 2015 müssen Hersteller ihre Heizgeräte mit einem Energielabel versehen, das Auskunft über ihre Energieeffizienz gibt. Prüfen Sie die Angaben?

Ab 2017 wird im Zuge der Feuerstättenschau unter anderem geprüft, ob ein Energielabel vorhanden ist.

Sie haben in Ihrem langjährigen Berufsleben sicherlich schon unzählige Öfen gereinigt. Können Sie sich an ein besonderes Erlebnis in diesem Zusammenhang erinnern?

Damit kann ich leider nicht dienen, aber es verschafft jedes Mal aufs Neue ein gutes Gefühl einen Ofen sauber zu kehren, damit die Verbrennung verbessert wird um somit die Umwelt von Schadstoffen zu entlasten.

Machen wir einen Zeitsprung in das Jahr 2080: Kohle und Öl werden nicht mehr verbrannt, Windräder und Solaranlagen sind an ihre Stelle getreten. Was werden Sie und Ihre Kollegen dann noch zu tun haben?

Nun, nach Ihrem Szenario bleiben immer noch Holz und Gas übrig... Aber Spaß beiseite: Fossile Brennstoffe und nachwachsende Brennstoffe werden die Menschheit noch lange begleiten. Die Energiemengen müssen wir und werden wir reduzieren. Hierfür bedarf es einer ordentlichen Energieberatung und gerade auf diesen Sektor ist das Kaminkehrerhandwerk bereit seit Langem aktiv. Kehrtätigkeiten werden abnehmen und Beratungstätigkeiten nehmen einen noch breiteren Rahmen ein. Ob beim Neubau oder auf dem Gebiet der Sanierung von bestehenden Gebäuden ist der Kaminkehrer als Energieberater gefragt.

Austausch älterer Feuerstätten läuft stockend (ots) Der HKI - Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik - bemängelt den schleppenden Austausch älterer Kaminöfen, Heizkamine und Kachelöfen. Laut der ersten Bundesimmissionsschutzverordnung (1. BImSchV) müssen alle Geräte, die vor 1975 zugelassen wurden und die Grenzwerte für Altanlagen nicht einhalten, stillgelegt, nachgerüstet oder ausgetauscht werden. Obwohl diese Geräte bereits zum Teil über 40 Jahre alt sind, mangelt es noch an der Durchsetzung. Nur bei einem konsequenten Vollzug der Regelung können Emissionen durch Altanlagen nachhaltig reduziert werden.

Die Umsetzung der Verordnung obliegt den Bundesländern. Doch viele Umwelt- und Verbraucherschutzämter bzw. Immissionsschutzbehörden handeln nach Meinung des HKI nicht konsequent genug, sodass der notwendige Altgeräteaustausch nicht schnell genug vorangeht.

Emissionsbelastung könnte massiv sinken - Technik steht bereit


"Da eine moderne Feuerstätte heute bis zu 85 Prozent weniger Emissionen freisetzt als ihre Vorgänger aus den Sechziger- und Siebzigerjahren, könnten bei einer konsequenten Umsetzung der Verordnung enorme Fortschritte bei der Luftreinhaltung erzielt werden", so Christiane Wodtke, Präsidentin des HKI. "Außerdem ist der Wirkungsgrad eines modernen Gerätes heute höher und somit der Brennstoffverbrauch niedriger - Stichwort Energie-Effizienz. Es ist daher an der Zeit, dass die zuständigen Behörden zügig handeln."

Der Hintergrund ist folgender: Von den mehr als zehn Millionen in Deutschland betriebenen Feuerstätten sind rund eine Million 40 Jahre und älter. Die Mehrzahl dieser hätte bereits bis Anfang 2015 ausgetauscht werden müssen. Doch das ist nach Erhebungen des HKI bis jetzt nur bei jedem fünften Altgerät tatsächlich geschehen. Somit wurden rund 800.000 umweltbelastende Altanlagen trotz Verordnung bisher nicht stillgelegt, nachgerüstet oder ausgetauscht.

Die Industrie ist mit hohen Investitionen in Vorleistung getreten, um die Verbrennungstechnik zu optimieren. Der Einsatz moderner Technik kann dazu beitragen, die Emissionsbelastung in den Städten und Gemeinden zu verringern. Aufgrund der enormen Fortschritte in der Verbrennungstechnik empfehlen Experten zudem, Geräte, die älter als 15 bis 20 Jahre sind, bereits jetzt durch eine moderne Feuerstätte zu ersetzen. Betreiber einer alten Feuerstätte sollten nicht erst die nächste Austauschfrist 2017 abwarten. Schließlich steht die umweltschonendere Technik schon heute bereit - sie muss nur noch zum Einsatz kommen.
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