Aus unserer Serie „Kurz(e) G(e)schicht(e)n“
Der Hund

Zahlreiche Menschen besitzen ein besonderes Haustier. Es rät ihnen in vielen Situationen eindringlich, alles lieber gaaanz entspannt und gemächlich anzugehen. (Foto: Frank May dpa/lhe)
(Christa Vogl)

Ich wollte nie ein Haustier haben und schon gar keinen Hund. Jetzt lebt er schon seit vielen Jahren bei mir. Jedoch habe nicht ich ihn ausgewählt, so wie es üblich ist, sondern er mich. Wie soll ich ihn nur beschreiben?

Es ist kein Collie und kein Schnauzer.


Mein Hund hat ganz besondere Eigenschaften. Hier eine Situation: Draußen ist es bitterkalt und der Wind heult. Ich liege entspannt im Fernsehsessel und meine Lieblingsserie beginnt gleich. Eigentlich müsste ich aber noch schnell zum Nachbarn laufen, um Milch zu holen für das Frühstück am nächsten Morgen.

In dieser Situation stellt er sich schützend vor mich, wie um zu sagen: „Bleib doch hier im schönen, warmen Haus; du holst dir da draußen den Tod; die Milch kannst du morgen auch noch besorgen und ein Frühstück mit Orangensaft schmeckt wirklich gut.“

Übrigens ist es auch kein Dackel oder Bullterrier.


Noch ein Beispiel: Zum Jahreswechsel habe ich mir vorgenommen, regelmäßig Sport zu treiben. Ein guter Vorsatz. Aber leider ist es so, dass ich im Grunde meines Herzens eher unsportlich und bequem bin. Immer wenn also der Termin des Kurses, zu dem ich mich angemeldet habe, näherrückt, befallen mich aus heiterem Himmel migräneartige Kopfschmerzen und es zieht ganz fürchterlich im Rücken.

Was denken Sie, was passiert? Mein Hund trabt zur Tür herein, legt seinen Kopf treuherzig auf meinen Schoß und blickt mich an: „Armes Frauchen, Sport ist Mord; weißt du, dass jährlich allein in Deutschland beim Sport 1,25 Millionen Menschen einen Unfall haben?“ Nun werden Sie sich bestimmt den Kopf zerbrechen, was das für eine Hunderasse sein könnte.

Auf keinen Fall ist es ein Pinscher oder ein Retriever.


Ich merke schon, dass Sie sich wünschen, auch so einen Hund zu besitzen. Noch ein letztes Beispiel, nur um Ihren Neid etwas Nahrung zu geben. Gestern wollte ich den Dachboden aufräumen. Mit hochgekrempelten Ärmeln und einem augeklügelten Arbeitsplan in meinem Kopf beabsichtige ich, der Unordnung den Garaus zu machen.

Widerstrebend fing ich mit der eher ungeliebten Arbeit an, da hörte ich hinter mir ein leises Hecheln, das mir zu suggerieren schien: „Eine Tasse Kaffee wäre jetzt nicht schlecht. Und ich würde auch gerne wissen, wie es weitergeht in dem spannenden Buch, das auf deinem Nachtkästchen liegt!“

Nein, es ist auch keine Dogge.


So, jetzt lüfte ich aber das Geheimnis um die Rasse dieses außergewöhnlichen und mir ans Herz gewachsenen Geschöpfes: Er gehört zur sehr verbreiteten Gattung des Schweinehunds. Und weil er mir gehört, in meinem Haus wohnt, mich nie verlassen wird und mich in- und auswendig kennt, wird er auch „mein innerer Schweinehund“ genannt.

Mehr über Autorin Christa Vogl:
www.christavogl.bayern
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