Beruf als Schlüssel zur Integration

Sulumbek Vadaev aus Tschetschenien (Zweiter von links) arbeitet bei der Firma Gollwitzer in Floß als Lagerist. Links Elisabeth Lehner vom Arbeitskreis Asyl, von rechts Dolmetscher Boris Flamik und Inhaber Harald Gollwitzer. Bilder: cf (2) Steinbacher (1)

Drei total unterschiedliche Biografien, drei Nationalitäten: Drei Menschen aus Syrien, Afghanistan/Iran und Tschetschenien haben ein Ziel gemeinsam - sie wollen es beruflich in der neuen Heimat schaffen. Die 18, 31 und 39 Jahre alten Männer arbeiten bei mittelständischen Unternehmen in Amberg und in Floß (Kreis Neustadt).

Amberg/Floß. Jamshid Seifi (18) gelangte auf abenteuerlichen Wegen vor zwei Jahren als sogenannter unbegleiteter Minderjähriger von Iran nach Deutschland. Der gebürtige Afghane lächelt: "Guter Chef, guter Job: Mir gefällt es super in Amberg." Er spielt in seiner Freizeit beim Fußballverein, kann sich - mündlich - in der deutschen Sprache fließend verständigen und steht seit 1. September 2014 bei der Firma Tschirner in Ausbildung als Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik. "Jeder unserer Monteure nimmt Jamshid gerne mit zu den Baustellen. Er hat von sich aus gezeigt: ,Ich will'", sagt Inhaber Martin Tschirner.

Als Ausbildungswart seiner Innung steckt Tschirner tief in der Materie, er weiß um die Probleme der jungen Leute im Beruf. Natürlich sah sich der 51-Jährige als "Inhaber eines mittelständischen Betriebs in der sozialen Verantwortung", als das Amberger Kolpingbildungswerk anfragte, ob er sich einen jungen Flüchtling "mal anschauen könnte". "Flüchtling ist für mich kein Ausschluss-Kriterium. Meine Eltern mussten aus Schlesien flüchten, meine Schwiegereltern sind Vertriebene aus Westböhmen." Zudem bildete Tschirner "schon immer aus", derzeit machen von den 28 Beschäftigten 7 eine Lehre.

"Fleißig, hoch motiviert"

Bei Kolping hatte Jamshid den Hauptschulabschluss nachgeholt und vor allem Deutsch gelernt. Nach einem Schnupperpraktikum ("nett, fleißig, hoch motiviert, willig") folgte ein ordentliches Praktikum, während zwischenzeitlich sogar die Abschiebung des jungen Afghanen drohte.

Obwohl sich Jamshid Seifi im Alltag bestens verständigen kann, baut sich in der Berufsschule eine merkliche Sprachbarriere auf: Er braucht noch viel Zeit, um einen deutschen Text zu lesen, zu erfassen und zu beantworten. Dazu kommt, dass dem jungen Mann im Iran nur vier Schuljahre - ohne jegliche Mathematik - möglich waren. Martin Tschirners Tochter Leonie, die in Weiden die Fachoberschule (FOS) besucht, gibt ihm deshalb Nachhilfe in Deutsch und Mathematik.

Ayman Tamaa aus Syrien zählt bereits 31 Jahre. Den Grundschullehrer verschlug es vor eineinhalb Jahren nach Deutschland. In Amberg brachte sich Ayman ehrenamtlich in der "Tafel" ein; deren Vorsitzender Bernhard Saurenbach ist mit Siegfried Schröpf eng befreundet, dem Geschäftsführer von Grammer Solar. Aufgrund der Qualifikation des (behördlich anerkannten) Asylbewerbers erwog Schröpf die Beschäftigung "über eine bloße Hilfstätigkeit hinaus". Außerdem bestand Bedarf nach einem Elektriker. Weil Ayman die deutsche Sprache gut beherrscht, "fleißig und umgänglich ist und einen starken Willen hat", begann er am 1. September eine Ausbildung zum Elektriker bei Grammer Solar (45 Beschäftigte aus 4 Nationen).

Nachhilfe in Deutsch

Warum er den Syrer einstellte? "Weil ich helfen wollte und einen Elektriker suchte", meint Siegfried Schröpf freimütig. "Wir haben mit Ayman einen sympathischen jungen Mann gewonnen, der unserem Betrieb weiterhilft. Dies ist für mich die wichtigste Botschaft." Die Belegschaft habe "extrem positiv" reagiert. "Ohne diese Haltung meiner Mitarbeiter wäre die Einstellung des Asylbewerbers nicht machbar gewesen."

Weil Deutsch eine Schlüsselqualifikation sei, gibt Grammer-Mitarbeiterin Aneta Holtmann (gebürtige Polin) einmal in der Woche Nachhilfe. Ayman Tamaa ist verheiratet und Vater eines zweijährigen Sohns.

Schröpf redet nicht einer "heilen Flüchtlings-Welt" das Wort, sondern spricht sich klar für eine Obergrenze aus: "Andere Kulturen bedeuten sicherlich eine Bereicherung für unsere Gesellschaft. Aber unendlich geht nicht." Es wäre fatal, wenn in der Bevölkerung die Stimmung kippen und eine generelle Ablehnung der Flüchtlinge wieder salonfähig würde.

Marktgemeinde Floß im Landkreis Neustadt/WN: Sulumbek Vadaev aus Tschetschenien verfügt über eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Den zunächst auf ein Jahr befristeten Arbeitsvertrag hat Firmeninhaber Harald Gollwitzer (Spezialtiefbau, 140 Beschäftigte aus 4 Nationen) um ein weiteres halbes Jahr verlängert. Obwohl er "keinen unmittelbaren Bedarf" an neuen Arbeitskräften hatte, stellte Gollwitzer den 39-jährigen Familienvater (verheiratet, drei Kinder) vor einem Jahr ein, "weil ich ihm helfen und eine Chance geben wollte". Der ehemalige Lastwagenfahrer arbeitet im Lager, ist Schweißer-Gehilfe und bedient Stapler und Lader.

"Vorbildliches Wirken"

Harald Gollwitzer und seine Frau Andrea loben Sulumbek als "fleißigen, gewissenhaften, pünktlichen und schnellen Arbeiter". "Doch leider mangelt es noch an der Kommunikation in Deutsch", betont der Firmenchef offen. "Nur wenn sich die noch mangelhaften Sprachkenntnisse weiterentwickeln, besteht Perspektive auf ein unbefristetes Arbeitsverhältnis." In der Tat ist eine Verständigung nur schwer möglich. Ein Spätaussiedler aus Russland und ein Slowake dolmetschen im beruflichen Alltag. Gewisse Hoffnung setzt Gollwitzer in die Deutsch-Nachhilfe durch pensionierte Lehrer in Floß. Sulumbek Vadaev floh mit seiner Familie vor zwei Jahren vor den Unruhen in Tschetschenien, wo er nur sieben Jahre die Schule besuchte.

Harald Gollwitzer lässt keinen Zweifel: "Der Wille zur Integration ist eine Bringschuld." Der in der CSU engagierte Unternehmer lobt das "vorbildliche Wirken" des Arbeitskreises Asyl Floß. In der kleinen Marktgemeinde kümmern sich um die 46 Asylbewerber etwa zehn Helfer: Sie erledigen ehrenamtlich Behördengänge, Fahrten zum Arzt oder geben Nachhilfe in Deutsch. "Die Resonanz der betreuten Menschen ist unsere Motivation", sagt Elisabeth Lehner. Der Arbeitskreis sei jedoch an der Belastungsgrenze.
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