Bluthochdruck – und warum er so gefährlich ist
Komm mal wieder runter

 

Jeder kennt das: Eine brenzlige Situation tritt plötzlich auf, das Blut schießt in den Kopf, die Schläfen pochen, der ganze Körper ist in Alarmbereitschaft. Was innerhalb von Sekundenbruchteilen passiert, ist normal – ja, sogar lebensnotwendig. Denn diese Reaktion ermöglicht uns, blitzschnell und adäquat zu reagieren. Der Blutdruck als dynamische Größe fungiert dabei als Antreiber für Höchstleistungen in Kopf und Körper, sorgt dafür, dass Herz und Muskeln stärker durchblutet und besser mit Sauerstoff versorgt werden. Besteht allerdings keine Gefahr und der Blutdruck stagniert permanent auf hohem Niveau, hat das schwerwiegende Folgen für den gesamten Organismus. Es drohen Schlaganfall, Herzinfarkt und andere Gefäßerkrankungen.

Sympathikus und Parasympathikus

Der Körper ist ein wahres Wunderwerk, das zeigt sich vor allem beim Blutdruck. Denn dieser wird über ein komplexes System aus Hormonen, Gefäß- und Nervenaktionen gesteuert. Zwei wesentliche Rollen spielen der Sympathikus, ein Teil des vegetativen Nervensystems sowie der Parasympathikus. Der Sympathikus steigert nach Bedarf Kraft und Frequenz des Herzschlags, in Stresssituationen lässt dieser den Blutdruck steigen und die kleinen Blutgefäße verengen. Für Entspannung und dafür, dass der Blutdruck wieder sinkt, ist der Parasympathikus verantwortlich.

Die schleichende Gefahr

Warum ist nun Bluthochdruck, medizinisch arterielle Hypertonie, so gefährlich? Aus mehreren Gründen: Bluthochdruck kann praktisch jedes Organ negativ beeinträchtigen. Ist der Druck in den Gefäßen erhöht, bekommt diesen Druck vor allem die Auskleidung der Schlagadern zu spüren, Gefäßverkalkungen können die Folge sein. Die Gefäße werden eingeengt, betroffene Schlagadern verlieren ihre Geschmeidigkeit, dadurch kann der Blutstrom nur mit erhöhtem Widerstand weiterfließen. Dies bedeutet, dass der Blutdruck wiederum steigt. Beispielsweise
nimmt im Bereich der linken Herzkammer die Muskelmasse zu, was für die Herzarbeit kontraproduktiv ist. Bluthochdruck ist besonders häufig für Komplikationen im Gehirn, an den Augen und an den Nieren verantwortlich. Was die arterielle Hypertonie zusätzlich so gefährlich macht: In vielen Fällen bleibt Bluthochdruck über einen langen Zeitraum unentdeckt und unbehandelt, weil Betroffene von der schleichenden Gefahr nichts bemerken, keine Symptome spüren. Die dramatische Erkenntnis zeigt sich erst dann, wenn es beispielsweise zu einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder anderen Gefäßerkrankungen kommt.

Vielfältige Ursachen

Es gibt eine ganze Reihe von Ursachen für Bluthochdruck. In 90 bis 95 von 100 Fällen ist der Grund erblich oder durch äußere Risikofaktoren erklärbar, die sich aus dem Lebensstil ergeben. Es liegt also bei der Mehrzahl der Betroffenen ein primärer, auch essenziell genannter Bluthochdruck vor. Darauf weist die Techniker Krankenkasse hin. Bei einem primären Bluthochdruck spielen meist mehrere Belastungsfaktoren eine Rolle. Dies können zum Beispiel Übergewicht, starker Kochsalzkonsum, Alkohol, Mangel an Bewegung, Rauchen oder auch Stress sein. Ein erhöhter Salzkonsum – mehr als vier bis sechs Gramm pro Tag – kann den Blutdruck ansteigen lassen. Dies gilt besonders für salzsensitive (salzempfindliche) Menschen, etwa 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung. Durch eine kochsalzreduzierte Ernährung können Betroffene diese Risiken deutlich vermindern.

Therapiemöglichkeiten

Das Ziel einer Bluthochdrucktherapie besteht vor allem darin, den Blutdruck zu senken und dadurch Gefäßschäden an Herz, Gehirn, Nieren und Augen zu verhindern oder einzuschränken. Eine erfolgreiche Behandlung von Bluthochdruck verringert das Risiko, eine Herzschwäche, einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder ein Nierenversagen zu erleiden. Dies bedeutet, dass der Blutdruck dauerhaft unter 140/90 mmHg liegen soll. Bei bestimmten Begleitdiagnosen, wie beispielsweise Nierenerkrankungen, kann es notwendig sein, die Zielwerte noch niedriger, das heißt zum Beispiel auf 130/80 mmHg, anzusetzen. Bei über 80-jährigen Patienten lassen sich Werte bis 150 mmHg und – abhängig vom Gesundheitszustand des Patienten – auch höhere Werte akzeptieren.

Für die richtige Behandlung ist es wichtig, zwischen primärem und sekundärem Bluthochdruck zu unterscheiden. Beim sekundären Bluthochdruck ist das Ziel, die Ursache zu behandeln und, soweit möglich, zu beseitigen. Ist dies nicht möglich oder normalisiert sich der Blutdruck danach nicht, erfolgt die Behandlung in den meisten Fällen wie beim primären Bluthochdruck. Die erfolgreiche Therapie des Bluthochdrucks besteht aus zwei sich gegenseitig ergänzenden Behandlungswegen:

• Konsequenter Einsatz von blutdrucksenkenden Medikamenten
• Nichtmedikamentöse Maßnahmen

Liegen Bluthochdruckwerte ab 180 mmHg systolisch und 110 mmHg diastolisch vor, steht schnellstmöglich der Beginn einer medikamentösen Therapie und nichtmedikamentöser Maßnahmen an. Bei Blutdruckwerten ab 140 mmHg systolisch und 90 mmHg diastolisch empfiehlt der Arzt nichtmedikamentöse Maßnahmen und verordnet meist auch Medikamente, um den Blutdruck zu senken und das Risiko für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren. Auch bei Blutdruckwerten ab 130 mmHg systolisch und 85 mmHg diastolisch sind nichtmedikamentöse Maßnahmen sinnvoll. Zusätzlich wird der Arzt Diabetikern oder Patienten mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen Medikamente verordnen.

Blutdruckwerte verstehen
Der arterielle Blutdruck ist der Druck, mit dem das Blut durch die Schlagadern (Arterien) fließt. Wie hoch er ist, wird durch die Kraft des Herzens, den Widerstand in den arteriellen Blutgefäßen und von weiteren Regelsystemen beeinflusst. Wenn sich das Herz zusammenzieht, wird das Blut in die Arterien gepumpt. Diese Druckwelle kann man auch als Pulsschlag fühlen. Den Druck, der während dieser Anspannungsphase (Systole) des Herzens in den Arterien herrscht, nennen Fachleute systolischen Blutdruck.

Danach entspannt sich das Herz, damit neues Blut in die Herzkammern fließen kann. Dadurch verändert sich in dieser auch als Diastole bezeichneten Phase der Blutdruck. Der Druck, der während der Entspannungsphase des Herzens weiterhin in den Arterien aufrechterhalten wird, ist niedriger und wird als diastolischer Blutdruckwert bezeichnet.

Bei der Blutdruckmessung bestimmt man stets beide Werte. Die Höhe des Blutdrucks wird in Millimeter (mm) Quecksilbersäule (Hg) angegeben. Ein Druck von zum Beispiel 120 mmHg bedeutet, dass der Druck des Blutes Quecksilber in einem Rohr um 120 mm anheben würde. Normalerweise beträgt er während der Austreibung des Blutes aus dem Herzen etwa 110 bis 129 mmHg und während der Erschlaffung des Herzens ungefähr 70 bis 84 mmHg. Der Blutdruck wird zum Beispiel mit 120/80 mmHg (sprich: 120 zu 80) angegeben.
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