Das medizinische Verfahren kann Karies vorbeugen
Zahnversiegelung – Pro und Contra

(Foto: Fotolia)

Karies gehört zu den häufigsten Erkrankungen im Zahnbereich. Fissuren, also Vertiefungen, die aussehen wie Grübchen oder Furchen, bieten Kariesbakterien eine ideale Brutstätte. Vor allem an den Kauflächen der Backenzähne kann es sinnvoll sein, diese Vertiefungen zu verschließen. Die Meinungen der Experten gehen hierbei allerdings auseinander.

Kariesgefährdet sind in erster Linie die großen Backenzähne unmittelbar nach dem Zahndurchbruch. Viele Zahnärzte raten ihren Patienten daher, diese Zähne innerhalb einer kurzen Zeitspanne – allerdings erst, wenn sie vollständig in die Mundhöhle durchgebrochen sind – zu versiegeln. Eine Versiegelung ist allerdings kein Garant dafür, ab sofort nie wieder an Karies zu erkranken, denn dieses Verfahren wirkt nur präventiv, vor allem eine bestehende Karies lässt sich dadurch nicht behandeln. Es gibt unterschiedliche Auffassungen unter den Zahnmedizinern, ob manche Milchzähne versiegelt werden sollten oder nicht. Kritiker dieser Herangehensweise führen hauptsächlich zwei Gründe an, besser auf eine Versiegelung zu verzichten:

• Milchzähne weisen flache Fissuren auf, eine gute Reinigung ist deshalb gewährleistet

• Milchzahnkaries entsteht meist in den Zahnzwischenräumen und nicht an den Kauflächen


Wann eine Zahnversiegelung bei Erwachsenen Sinn macht, muss individuell entschieden werden. Die Meinungen der Experten gehen hier auseinander. Wenn bei einem Erwachsenen keine Karies vorhanden sei, könnte auf eine Zahnversiegelung verzichtet werden – denn wenn ohnehin ein geringes Kariesrisiko bestehe, sei es unwahrscheinlich, dass die Karies später auf der Kaufläche noch auftrete.

Bei einer Zahnversiegelung reinigt der Zahnarzt zunächst intensiv die Stelle, die er versiegeln möchte, meist mit einem Pulverstrahlgerät. Im nächsten Schritt raut er den Bereich mit einem säurehaltigen Gel auf, anschließend wird – nachdem der Zahn getrocknet ist – das Material aufgetragen. Eine spezielle Lampe härtet das Material aus, die Oberfläche wird abschließend poliert. Moderne Materialien haben eine Haltbarkeitsdauer von zehn bis 15 Jahren.

Um den Nutzen einer Fissurenversiegelung bei Kindern und Jugendlichen beurteilen zu können, haben Wissenschafter der Conchrane Collaboration systematisch Studien ausgewertet – darauf weist die Techniker Krankenkasse hin. Die Forscher fanden demnach 16 Studien, in denen moderne Versiegelungsmaterialien getestet wurden. Teilgenommen haben Kinder und Jugendliche im Alter zwischen etwa fünf und 16 Jahren. In einem Teil der Studien wurden versiegelte und unbehandelte Zähne miteinander verglichen. Dies erprobten die Forscher beispielsweise, indem sie bei den Kindern nur die Zähne auf einer Kieferseite versiegelten, die Zähne der anderen Seite aber unbehandelt ließen.

Nach vier bis fünf Jahren waren auf der versiegelten Seite des Mundes nur etwa halb so viele Backenzähne von Karies betroffen wie auf der unversiegelten Seite. In einer Studie wurden Kinder neun Jahre nachbeobachtet. Eine Gruppe bekam eine Versiegelung, die andere nicht. Nach neun Jahren waren nur 27 Prozent der versiegelten Zähne von Karies betroffen – im Gegensatz zu 77 Prozent der unversiegelten Zähne. Voraussetzung für den Erfolg ist aber, dass die Schutzschicht möglichst lange hält. Nach einem Jahr waren 80 bis 90 Prozent der Versiegelungen noch intakt. Nach vier bis fünf Jahren waren es noch 50 bis 70 Prozent.
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