Das Online-Leben nach dem Tod
Probleme und Lösungen beim digitalen Nachlass

 

Was geschieht nach dem Tod mit meiner Facebook-Seite? Muss jemand in meine Mails schauen - und hat überhaupt jemand mein Passwort dafür? Der digitale Nachlass sollte geregelt sein, sonst stehen die Erben vor dem Error.

Graues Titelbild, schwarz-weißes Porträt-Foto und Rosen-Emoticons in den Kommentarspalten: Auf der Facebook-Gedenkseite nehmen Freunde Abschied. Die Verstorbene hat sich das so gewünscht und die Eltern haben es umgesetzt. Die Digitalisierung macht es möglich - und nötig. Zu einem Erbe gehört heute auch, den digitalen Nachlass zu verwalten. Das erweist sich aber oft schwieriger als gedacht.

Wie lautet das Passwort? Welche Accounts sind noch aktiv? Im Internet abgeschlossene Rechte und Pflichten gehen auf den Erben über. So könnte eine Online-Auktion oder eine Urlaubsrechnung noch ausstehen. «Die wenigsten Verträge enden mit dem Tod automatisch», heißt es im aktuellen Spezial-Heft «Nachlass-Set» des «Finanztest».

Um den Angehörigen Mühen zu ersparen, raten Experten dazu, regelmäßig die eigenen Online-Aktivitäten zu kontrollieren. Dazu zählt, ungenutzte Dienste, Newsletter oder Verträge zu beenden. Jeder sollte Datenhygiene betreiben und von Zeit zu Zeit Daten löschen, die einfach nicht mehr benötigt werden. Besonders private E-Mail-Postfächer sollten aufgeräumt werden.

Außerdem sei es sinnvoll, sich klar darüber zu werden, wie nach dem eigenen Tod mit Inhalten umgegangen werden soll. Häufig helfe es schon, wenn Zugangsdaten aufgelistet und sicher hinterlegt würden, heißt es im Ratgeber-Heft, das Formulare dafür beinhaltet, die auch online abrufbar sind. Praxisnahe Hilfestellungen hat aktuell auch das Portal «Silver Tipps» ins Internet gestellt.

Für Klarheit sorgt laut Finanztest derjenige, der seinen digitalen Nachlass per Testament regelt. Der Nutzer könne so bestimmen, welche Konten gelöscht, welche Daten nicht zugänglich gemacht werden sollen oder ob er eine Person beauftragt, sich um seine Wünsche zu kümmern. Wichtig ist dabei, die Regeln für ein korrektes Testament einzuhalten: handschriftlich verfassen, klar formulieren und unterschreiben. Bei komplexen Wünschen sollte die Ausgestaltung mit Hilfe eines Anwalts oder Notars erfolgen.

Ohne eine klare Hinterlassenschaft können schnell Probleme auftauchen. Nutzerkonten könnten nicht gelöscht werden. Die Erben müssen sich dann an den Dienstleister wenden. «Ein stichprobenartiger Marktcheck hat gezeigt, dass meist eine Kopie der Sterbeurkunde und ein Erbschein eingereicht werden müssen», erklärt Barbara Steinhöfel von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Problem: Einen Erbschein gibt es nur für das komplette Erbe - und nicht nur beispielhaft für den Twitter-Nachlass. «Außerdem erkennt man das ganze Erbe an, wenn man einen Erbschein beantragt», so die Expertin, die auch Ratschläge auf beim Onlineportal Silver-Tipps gibt.

Aber selbst mit den richtigen Unterlagen kann es sein, dass man nicht weiterkommt: «Nach geltendem Recht ist unklar, ob der Erbe einen Anspruch hat, die E-Mails einzusehen», sagt Peter Bräutigam von der Rechtsanwaltskanzlei Noerr in «Finanztest». Der Provider könne es mit dem Hinweis auf das Telekommunikationsgeheimnis verweigern, um die Personen zu schützen, mit denen der Verstorbene Kontakt hatte. Für soziale Netzwerke sei durch ein Urteil vom Landgericht Berlin Bewegung in das Thema gekommen, denn darin wurde dem Erbrecht Vorrang gegenüber dem Datenschutz gegeben. Jedoch legte Facebook Berufung ein, die noch offen ist.

Die Verbraucherschützer raten Erben, die Zugriff auf Mails des Verstorbenen haben, diese zu sichern und das Postfach erst nach dem Ende der regelmäßigen Verjährungsfrist zu löschen - die kann unter Umständen fast vier Jahre lang sein. «Außerdem können per Mail immer wieder finanzielle Verpflichtungen oder wirtschaftliche Kontakte auftauchen», so Steinhöfel.

Laut Verbraucherzentrale wird die Problematik des digitalen Nachlasses zukünftig noch vielfältiger, weil immer mehr Verträge und Inhalte digitalisiert würden. Wer soll die Bilder in der Cloud erhalten? Wem soll der Blick ins Paypal-Konto erlaubt werden? «Die Politik und auch die weltweit agierenden Anbieter müssen sich mit den unterschiedlichen Aspekten des digitalen Nachlass befassen und sie regeln», fordert Steinhöfel. Bisher sei der User allein gelassen, sein Online-Leben nach dem Tod zu regeln.
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