Das Vorstellungsgespräch meistern – Wer im Vorfeld einige Punkte beachtet, wird die Herausforderung souverän bestehen
Gute Vorbereitung zahlt sich aus

Die wichtigsten Stationen im Lebenslauf sollten Bewerber kurz und knapp benennen können. (Foto: dpa)
(dpa/tmn)

Ihre Unterlagen haben unser Interesse geweckt. Wir möchten Sie gerne kennenlernen.“ Mit der Einladung zu einem Vorstellungsgespräch sind Bewerber dem Ausbildungsplatz ein gutes Stück näher gekommen. Doch wie bei dem Termin einen guten Eindruck machen? „Eine gründliche Vorbereitung ist das A und O“, sagt Frauke Wille von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Diese Punkte sind zu beachten:

Schritt 1 – Informationen sammeln: Vor dem Vorstellungsgespräch ist eine gute Recherche über das Unternehmen Pflicht. Produktionsspektrum, Branche, Mitarbeiterzahl und ein paar Fakten zur Firmengeschichte – diese Aspekte sollten Bewerber parat haben, rät Wille.

Schritt 2 – Selbstvorstellung üben: Vorstellungsgespräche beginnen häufig ähnlich. „Bewerber werden am Anfang gebeten, etwas über sich zu erzählen“, sagt der Karriereberater Jürgen Hesse aus Berlin. So verschafften sich Personaler einen ersten Eindruck, mit wem sie es zu tun haben. Schulabgänger sollten ihren Lebenslauf flüssig referieren können. Statt alle Details zu erzählen, ist es besser, sich auf Wesentliches zu beschränken.

Klug ist es, die Selbstbeschreibung vorher einmal zur Probe zu formulieren oder sogar auswendig zu lernen. Dann kommen Jugendliche auch bei großer Aufregung nicht so schnell ins Stottern. Wer unsicher ist, ob er sich ins rechte Licht rückt, sollte Eltern oder Freunde um Feedback bitten.

Schritt 3 – Auf Standardfragen vorbereiten: Warum haben Sie sich bei uns beworben? Was sind Ihre Stärken und Schwächen? Was wissen Sie über Ihren Ausbildungsberuf? Manche Fragen kommen immer wieder vor und sind regelrechte Klassiker. Was Schulabgänger auf sie antworten wollen, sollten sie sich vorab gut überlegen.

Bei der Frage nach den Schwächen ist es wichtig, nicht zu ehrlich sein, warnt Hesse. Wer oft unpünktlich ist, behält das besser für sich. Wird nach den Stärken gefragt, sollten sich Bewerber außerdem nicht zu überschwänglich loben. Das wirkt schnell unsympathisch.

Schritt 4 – Der Outfit- Check: Ob ein Jugendlicher zur Firma passt, entscheidet sich nicht zuletzt auch am Erscheinungsbild. Die Kunst ist, beim Vorstellungsgespräch einen Kleidungsstil zu wählen, der zum Ausbildungsberuf passt. „Eine zukünftige Bankkauffrau sollte nicht in Jeans kommen, ein Maler nicht unbedingt mit Anzug“, erklärt Wille.

Als Faustregel gilt, dass Jugendliche sich am besten schicker kleiden als normalerweise. Es muss aber nicht immer unbedingt ein Anzug oder ein Kostüm sein. „Zu dick auftragen kann schnell aufgesetzt wirken“, findet Hesse. Es sollte Kleidung sein, in denen sich Bewerber wohlfühlen. Im Zweifel können sich Jugendliche an den Personalfotos auf der Webseite des Unternehmens orientieren.

Schritt 5 – Einladungsschreiben nicht vergessen: Mit leeren Händen gehen Bewerber besser nicht zum Vorstellungsgespräch. Mitzubringen sind das Einladungsschreiben, eventuell noch einmal die Bewerbung sowie eine Liste mit persönlichen Fragen, sagt Wille. „Bei kreativen Berufen könnten außerdem Arbeitsproben gewünscht werden.“

Schritt 6 – Pünktlich sein: Wer zu spät kommt, fällt negativ auf. Bewerber zeigen damit, dass sie unzuverlässig sind. Ideal sei, ein paar Minuten zu früh zu kommen, rät Steffen Kirchner, Motivationstrainer aus München. Wer sehr aufgeregt ist, kann dann eine Entspannungsübung machen. „Drei Sekunden einatmen, drei Sekunden halten und sechs Sekunden ausatmen“, erklärt der Coach. Das beruhige den Körper.

Schritt 7 – Den Small Talk meistern: In den ersten Minuten ist Small Talk angesagt. Typischerweise werden Jugendliche zum Beispiel gefragt, wie die Hinfahrt war. Nun lautet die Devise, bloß nicht jammern, rät Hesse. „Egal, wie umständlich der Weg war – es hat bestens funktioniert.“ Sonst kommen Bewerber schnell wehleidig herüber. Bietet der Personaler ein Getränk an, nehmen sie es am besten an. „Ein „Nein“ wirkt unhöflich.“

Schritt 8 – Nachfragen stellen: Nach dem Small Talk wird es ernst. Der Gesprächsführer sagt etwas zum Unternehmen, er will vom Bewerber ein paar Sätze zu dessen Person hören und befragt ihn. Im Anschluss werden Jugendliche oft aufgefordert, selbst Fragen zu stellen. Nun keine parat zu haben, wirkt desinteressiert und unvorbereitet.

Mögliche Fragen sind etwa, welcher Mitarbeiter Ansprechpartner für Azubis ist und wie die Chancen stehen, nach der Lehre übernommen zu werden. Das zeigt Interesse. Keine gute Idee ist es dagegen, sich zu erkundigen, ob jeden Tag pünktlich Feierabend ist oder wie der Urlaub geregelt ist.

Schritt 9 – Zum Schluss ein Danke nicht vergessen: Geht das Gespräch dem Ende entgegen, dürfen Bewerber nachfragen, bis wann eine Entscheidung getroffen wird. Anschließend sollten sie sich für die Einladung bedanken. Das gilt selbst dann, wenn sie es bei der Begrüßung schon getan haben, sagt Hesse. Das ist höflich und hinterlässt einen positiven Eindruck.

Antworten auf typische Fragen im Vorstellungsgespräch übenWie sind Sie auf unseren Betrieb gekommen? Was machen Sie in Ihrer Freizeit, und wofür interessieren Sie sich? Manche Fragen stellen Personaler im Vorstellungsgespräch immer wieder.

Gut ist, wenn angehende Praktikanten und Auszubildende sich im Vorfeld überlegen, wie sie diese Fragen beantworten wollen. Dann sind sie im Gespräch entspannter, weil sie schon wissen, was auf sie zukommt. Darauf weist der Westdeutsche Handwerkskammertag hin. Welche Fragen typisch sind, können Jugendliche in einem Fragebogen nachlesen.

Zum Schluss des Vorstellungsgesprächs will der Personaler häufig wissen, ob Jugendliche selbst Fragen haben. Mancher vergisst nun vor Aufregung, sich wichtige Informationen zu besorgen.

Dazu gehört zum Beispiel, ob am Arbeitsplatz eine bestimmte Kleidung erwartet wird oder worauf sich die Schweigepflicht erstreckt.

Welche Fragen Jugendliche vor Praktikums- oder Ausbildungsantritt klären sollen, können sie in einem Arbeitsblatt nachlesen. Das Blatt und der Fragebogen sind im Internet unter http://dpaq.de/FNpfO unter dem Reiter „Wichtige Downloads für Schüler“ zu finden.

„Ich neige zur Perfektion“ oder „Ich bin vielleicht zu ehrgeizig“: Gefragt nach ihren Schwächen, sollten Bewerber solche Antworten vermeiden. „Das ist zu ausgelutscht und nimmt einem keiner ab“, sagt Bewerbungsberater Thomas Bähren.

Lange Zeit wurden diese Antworten empfohlen. Der Gedanke war, dass der Arbeitgeber die vermeintliche Schwäche als Stärke interpretiert. Jemand der zur Perfektion neigt, ist in der Firma vielleicht gerngesehen. Besser sei, eine Schwäche anzugeben, die der Wahrheit entspricht, mit dem Job aber nichts zu tun hat.

Wer zum Beispiel im Labor anfängt, kann zugeben, dass er in Rhetorik nicht der Stärkste ist. Gut ist auch, eine Schwäche zu nennen, die Berufstätige erkannt und an der sie kontinuierlich gearbeitet haben. Das kann etwa sein, dass jemand Probleme im Umgang mit schwierigen Kunden hat. Dabei können Bewerber zeigen, wie sie mit ihrer Schwäche umgegangen sind und wie sie diese zum Beispiel durch Routine und Feedback von Kollegen behoben haben. Das zeugt von Selbstreflektion.

Keine Lösung ist, bei der Frage nach den Schwächen zu schweigen und keine anzugeben. Das sehe schnell so aus, als seien Bewerber nicht in der Lage, sich selbst kritisch zu sehen, erklärt Bähren.


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