Deutscher Hebammenverband fordert Stärkung der physiologischen Geburt
Kaiserschnittrate zu hoch

Der Deutsche Hebammenverband sieht dringenden Handlungsbedarf, diese Kaiserschnittrate in Deutschland zu senken. (Foto: dpa)

Die Kaiserschnittrate in Deutschland ist im vergangenen Jahr leicht gesunken – von 31,8 auf 31,1 Prozent. Sie ist aber dennoch zu hoch, denn medizinisch notwendig ist laut der Weltgesundheitsorganisation WHO lediglich eine Kaiserschnittrate von bis zu zehn Prozent.



Der Deutsche Hebammenverband sieht dringenden Handlungsbedarf, diese Quote in Deutschland zu senken. Denn jeder Kaiserschnitt ist eine Operation und sollte nur dann angewandt werden, wenn er medizinisch notwendig ist.
Gründe für die mittlerweile häufigen Interventionen in der Geburtshilfe in Deutschland sieht der Verband in der zunehmenden Arbeitsbelastung bei immer weniger Personal in den Kreißsälen, in einem Verlust von Wissen über die normale Geburt sowie in steigender Angst vor Fehlern.

„Die Kaiserschnittrate in Deutschland ist zu hoch und muss gesenkt werden“, fordert Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied des Deutschen Hebammenverbands (DHV). Hierfür gebe es vielfältige Gründe. „In den Kreißsälen ist oft zu wenig Personal, um sich intensiv um jede Gebärende kümmern zu können.“

Mittlerweile gebe es auch zu wenig Wissen über die unterschiedlichen Verläufe einer normalen Geburt. Heute werde häufig schon bei der kleinsten Abweichung von Gynäkologinnen und Gynäkologen eingegriffen, weiß Steppat. Es fehlten gültige Standards, wann ein Kaiserschnitt geboten ist.

Die Entscheidung über seine Notwendigkeit sei deshalb in vielen Fällen subjektiv. Sie erfolge auch aus Angst vor Fehlern und folgenden Geburtsschäden.
Kaiserschnitte könnten Leben retten. Sie sollten jedoch nur im Notfall angewandt werden, da sie Risiken für die Gesundheit von Mutter und Kind hätten. Für die Kinder bestehe beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Asthma, Diabetes und Allergien als Folge.

Bei einer Kaiserschnittrate von über 30 Prozent ist laut Steppat der Handlungsbedarf hoch und sei in einigen Bundesländern bereits erkannt worden. Beispielsweise wurden in Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen Maßnahmen zur Förderung der physiologischen Geburt unter Einbeziehung der Hebammenverbände ergriffen. „Ein bundesweiter Aktionsplan zur Förderung der physiologischen Geburt wäre das richtige Signal“, so Susanne Steppat.
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